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Husten-Leitlinie

Beratung als Teil der Therapie

Rat aus der Apotheke stärkt Selbstmanagement

Antibiotika sind jedenfalls beim akuten Erkältungshusten und einer akuten Bronchitis in aller Regel aufgrund deren viraler Genese nicht indiziert. Darüber hinaus ist die Antibiotikagabe, unabhängig von viraler oder bakterieller Genese, auch nicht sehr erfolgsversprechend. Sie bringt nur eine marginale Erleichterung der Symptome sowie eine geringe Verkürzung der Krankheitsdauer, heißt es in der Leitlinie. Sowohl der akute Erkältungshusten als auch die akute Bronchitis sind selbstlimitierend und heilen folgenlos aus. »Nicht-medikamentöse und medikamentöse Maßnahmen sind im Regelfall nicht notwendig, können aber zur subjektiven Besserung des Hustens beitragen«, heißt es in der Leitlinie. »Hier ist es die Aufgabe des Apothekers, zusammen mit dem Patienten herauszufinden, welches Präparat individuell geeignet sein könnte. Die Datenlage zu Antitussiva und Expektoranzien ist erstaunlich dünn«, sagt Heintze.

Systematische Übersichtsarbeiten zeigen für synthetische Expektoranzien zwar eine moderate Evidenz bezüglich einer geringen Reduktion von Exazerbationen bei einer COPD. »Für den akuten Husten aber gibt es keine Studie, die zeigt, dass ACC und Ambroxol eine Wirkung hätten. Für Guaifenesin und Bromhexin gibt es allenfalls eine schwache Evidenz«, führt Heintze aus. Insofern kommt die Leitlinie bezüglich Ambroxol zu einer anderen Einschätzung als die S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, die »von akzeptablen Studien spricht, die eine Verkürzung der Dauer und/oder die Senkung der Intensität des Hustens bei der akuten Bronchitis belegen«.

Besser sieht es bei bestimmten pflanzlichen Arzneimitteln aus. Zur Wirksamkeit von Phytotherapeutika bezüglich Symptomlinderung gibt es inzwischen zu einzelnen Präparaten eine recht zufriedenstellende Evidenzlage aus mittelgroßen Einzelstudien, die überwiegend positive Resultate zeigen, welche klinisch jedoch fraglich relevant sind, formulieren es die Leitlinienautoren. Durch die unterschiedliche Zusammensetzung pflanzlicher Präparate sind Metaanalysen zu einzelnen pflanzlichen Wirkstoffen methodisch schwierig; Die Leitlinie nennt Zubereitungen aus Efeu, Kombinationen aus Thymian und Primelwurzel sowie aus Thymian und Efeu, Pelargoniumwurzelextrakt und die Kombination mehrerer ätherischer Öle. Damit dürften die Präparate Prospan®, Bronchipret® TP und Bronchipret® Saft, Bronchicum®, Umckaloabo® und Gelomyrtol® gemeint sein.

Während die Leitlinie der Pneumologen Dextromethorphan ein gewisses antitussives Potenzial einräumt, wirken laut den Allgemeinmedizinern alle Antitussiva, inklusive Codein und Dihydrocodein bei akutem Husten nicht besser als Placebo. Sie eignen sich allenfalls ergänzend für einen nächtlichen Einsatz, um quälenden Hustenreiz zu unterdrücken und so den Schlaf möglichst erholsam zu gestalten. Allerdings sei auf »die opiattypischen, unerwünschten Arzneimittelwirkungen und das Abhängigkeitspotenzial« zu achten.

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