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Offener Brief

AVWL-Apotheker beschweren sich bei Lauterbach

Ende Oktober könnte der Bundestag das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz beschließen. Mit dem Spargesetz würde der Kassenabschlag über zwei Jahre auf 2 Euro angehoben werden. Der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) hat sich nun in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach über die Sparmaßnahmen beschwert und warnt vor negativen Auswirkungen auf die Versorgung.
Benjamin Rohrer
12.09.2022  14:30 Uhr

Vorgesehen ist, dass das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz am 20. Oktober in 2. und 3. Lesung vom Bundestag besprochen und beschlossen wird. Anfang Januar könnte es möglicherweise in Kraft treten. Mit dem Vorhaben will die Bundesregierung die von der Coronavirus-Pandemie belasteten Krankenkassen entlasten. Das Gesetz enthält zahlreiche Sparmaßnahmen im Pharma-Bereich, aber auch Ärzte und Apotheker müssen Honorar-Kürzungen hinnehmen. Die Apotheker sollen in den kommenden beiden Jahren pro Rx-Packung einen auf 2 Euro erhöhten Kassenabschlag an die Kassen entrichten.

In der Apothekerschaft stößt dieses Vorhaben auf Unverständnis. In einem Brief an Bundesgesundheitsminister Professor Karl Lauterbach (SPD) schreiben die Mitglieder des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe, dass man mit höheren Folgekosten im Gesundheitswesen rechnen müsse, wenn die Apotheken aufgrund wirtschaftlicher Probleme ihre Leistungen nicht mehr erbringen können. »Umso unverständlicher ist es, dass Sie mit dem Entwurf eines GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes die Axt an diesen tragenden Pfeiler der Versorgung legen«, heißt es in dem Brief, der der PZ vorliegt. Laut dem Verband haben sich rund 2000 Inhaberinnen und Inhaber sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beteiligt. Die Briefe würden nun gebündelt ans Ministerium gesendet.

Die AVWL-Apotheker erinnern den Minister daran, dass schon seit neun Jahren keinerlei Vergütungsanpassung erfolgt ist. »Bei steigenden Sach-, Personal- und Energiekosten ist die Vergütung der Apotheken daher real deutlich gesunken. In dieser Ausgangslage werden die aktuell explodierenden Kosten auf dem Energiemarkt sowie die hohe Inflation viele Apotheken finanziell überfordern. Dies wird zu weiteren Apothekenschließungen und einer Verschlechterung in der flächendeckenden Versorgung der Patienten führen«, warnen die Apotheker. Lauterbach grabe den Apotheken und damit der sicheren Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung »die letzten Fundamentreste« ab, heißt es weiter.

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