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Abhängigkeiten

13.12.2017
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»Wir müssen reden.« Dieser Satz leitet in aller Regel ein Gespräch ein, das zumindest für eine Partei unangenehm ist. Ein Anlass kann beispielsweise die Sorge um den gestiegenen Alkoholkonsum eines Verwandten, Bekannten oder auch Apothekenkunden sein. Solche Gespräche sind schwierig, aber notwendig. Denn oft können Abhängige sich nicht selbst eingestehen, dass sie ihren Konsum nicht mehr unter Kontrolle haben. Das gilt für alle Suchtmittel, sei es Alkohol, Tabak oder das Internet.

 

Das Thema Sucht hat viele Facetten, von denen die PZ-Redaktion in diesem Schwerpunktheft einige beleuchtet. Aus medizinischer Sicht interessiert vor allem, wie es zur Suchtentstehung kommt. Heute weiß man, dass es auf diese Frage nicht die eine Antwort gibt (lesen Sie dazu Alkoholabhängigkeit: Ein steiniger Weg zur Abstinenz). Viele Faktoren sind beteiligt, darunter pharmakologische, soziale, genetische und auch epigenetische (lesen Sie dazu Epigenetik: Alkohol hinterlässt Spuren in der DNA). Der Einzelne hat es dabei nicht vollständig selbst in der Hand, ob er in eine Abhängigkeit gerät. Um das Risiko möglichst gering zu halten, müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen, und diese setzt die Politik.

 

Ein warnendes Beispiel für eine komplett gescheiterte Drogenpolitik liefern zurzeit die USA, wo der legale und illegale Konsum von Opioiden total aus dem Ruder gelaufen ist (lesen Sie dazu Opioid-Krise in den USA: Ein Drama mit vielen Akteuren). Schätzungen zufolge hat der Opioid-Übergebrauch dort seit der Jahrtausendwende mehr als 300 000 Menschenleben gefordert, von denen die meisten die Mittel zunächst auf ärztliche Verordnung erhalten hatten. Mittlerweile sucht man verstärkt nach Wegen, um entweder Opioide einzusparen (lesen Sie dazu Akut- und operationsbedingter Schmerz: Opioide müssen nicht sein) oder deren Langzeitgebrauch auf ein ungefährliches Maß herunterzufahren. Welche Regeln hierfür gelten, fasst unter anderem die deutsche LONTS-Leitlinie zusammen (lesen Sie dazu Schmerztherapie: Opioid-Langzeitgabe nur selten empfohlen).

 

Beim Thema Tabakkontrolle schicken sich die USA dagegen an, international eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Eine drastische Reduzierung des Nikotingehalts von Zigaretten und die gleichzeitige Förderung von Alternativprodukten wie E-Zigaretten und Tabakheizsystemen sollen die gesundheitlichen Risiken des Rauchens eindämmen (lesen Sie dazu Tabakkontrolle: Neue Wege der Schadensbegrenzung).

 

Bei aller Ernsthaftigkeit des Themas Sucht darf aber so kurz vor Weihnachten ein kleines Augenzwinkern nicht fehlen. Der Mensch ist nämlich nicht allein der Versuchung von Suchtmitteln ausgesetzt. Auch Tiere können sich wie Junkies benehmen und legen dabei teilweise bizarre Verhaltensweisen an den Tag (lesen Sie dazu Drogensucht bei Tieren: Highlife zwischen Land und Meer). Bleibt zu hoffen, dass die Rentiere im hohen Norden sich trotz ihres Hangs zum Headbanging nach Pilzgenuss auch in diesem Jahr wieder dazu bereiterklären werden, dem Weihnachtsmann bei der Geschenkauslieferung zu assistieren.

 

Annette Mende

Redakteurin Pharmazie

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