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Drospirenon

Thrombosegefahr im Rahmen

24.11.2009
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Von Bettina Sauer, Berlin / Antibabypillen mit dem Gestagen Drospirenon sind in die Schlagzeilen geraten, da sie womöglich das Thromboserisiko erhöhen. Doch inzwischen scheint sich Entwarnung abzuzeichnen.

Viel Wirbel gab es in den letzten Monaten um Antibabypillen mit Drospirenon. Anlass waren zwei Frauen aus der Schweiz und zwei Studien im »British Medical Journal«. Erstere hatten entsprechende Präparate eingenommen und schwere Lungenembolien erlitten. Letztere zeigten, dass unter Drospirenon und bestimmten anderen Gestagen vergleichsweise häufig gefährliche tiefe Venenthrombosen und Komplikationen, wie etwa Lungenembolien, auftreten. Das veranlasste Bayer zu einem Pressehintergrundgespräch. Das Pharma­unternehmen vermarktet die Drospirenon-haltigen Präparate Yaz®, Yasmin®, Yasminelle®.

 

Eine der Studien stammt von Forschern um Frits Rosendaal von der niederländischen Universität Leiden (Doi: 10.1136/bmj.b2921). Sie vergleicht Daten von 1 524 Patientinnen, die aufgrund thrombotischer Ereignisse behandelt wurden, und 1 760 gesunden Frauen. Demnach erhöht die Einnahme oraler Kontrazeptiva das Thromboserisiko ganz allgemein um das Fünffache – entsprechend beträgt die sogenannte Odds Ratio (OR) 5. Weiterhin steigt die Gefahr mit der Dosis des enthaltenen Estrogens und hängt zudem von der Auswahl des kombinierten Gestagens ab. Am niedrigsten liegt sie unter Levonorgestrel mit einer OR von 3,6 (Konfidenzintervall KI 2,9 bis 4,6). Ungünstig wirken sich dagegen andere Gestagene aus: Gestoden (OR 5,6; KI 3,7 bis 8,4), Cyproteronacetat (OR 6,8; KI 4,7 bis 10,0), Desogestrel (OR 7,3; KI 5,3 bis 10,0) und Drospirenon (OR 6,3; KI 2,9 bis 13,7).

 

Aufgrund dieser »teilweise riesigen« Konfidenzintervalle hält Professor Dr. Michael Ludwig vom Hamburger Endokrinologikum die Ergebnisse statistisch für nicht signifikant. Kritik übte er bei der Pressekonferenz auch an der zweiten im »British Medical Journal« veröffentlichten Studie. Dafür hatte ein Team um Øjvind Lidegaard von der Universität im dänischen Kopenhagen Daten von zwei landesweiten Registern verglichen (Doi: 10.1136/bmj.b2890). Ganz allgemein verdoppelt demnach die Pille das Thromboserisiko. So fanden bei der Anwendung über 10 000 Frauenjahre 6,29 thrombotische Ereignisse statt. Für Nicht-Anwenderinnen beträgt der Wert dagegen nur 3,01. Wie in der anderen Studie, beeinflussen die Dosis des Estrogens und die Wahl des Gestagens das Risiko. So kommt es unter Levonorgestrel zu 5,8 thrombotischen Ereignissen pro 10 000 Frauenjahre, gegenüber 7,8 unter Drospirenon.

 

»Dieser Unterschied liegt wohl unter anderem daran, dass die Studie nicht sauber zwischen Erst- und Langzeit-Anwenderinnen unterscheidet«, kommentierte Ludwig. Dadurch überschätze sie womöglich das Gefährdungspotenzial neuerer Gestagene wie Drospirenon. Denn bekanntermaßen verursachten alle Antibabypillen im ersten Jahr der Einnahme weit mehr Thrombosen als später. Zudem gäbe es auch beruhigende Ergebnisse. So zeige die 2007 erschienene Studie EURAS (»Contraception« 75(5), 344-354) unter Drospirenon kein erhöhtes Thromboserisiko gegenüber Levonorgestrel. Grundsätzlich hält Ludwig die Diskussion für klinisch nicht allzu relevant: »Schließlich ist das absolute Thromboserisiko durch Antibabypillen bei Frauen ohne zusätzliche Risikofaktoren verschwindend gering.«

 

Auch die Schweizer Arzneimittelbehörde Swissmedic gibt Entwarnung für Yaz und Co. Aufgrund der Opfer im eigenen Land hatte sie die Datenlage einschließlich der beiden neuen Studien überprüft. Am 22. Oktober teilte sie mit, Drospirenon-haltige Antibabypillen seien nicht gefährlicher als andere Präparate auf dem Markt. Doch sollten Ärzte Antibabypillen grundsätzlich nur nach »sorgfältiger Abklärung« verschreiben. Fänden sich dabei Risikofaktoren für eine Thrombose, nämlich eine genetische Veranlagung, Übergewicht oder Rauchen, sollten Frauen auf hormonelle Verhütungsmethoden verzichten. /

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