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Bundesapothekerkammer

»Die Arbeit stärker verzahnen«

19.11.2012
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Von Daniel Rücker, Berlin / Die Bundesapothekerkammer (BAK) hat Andreas Kiefer zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Der Präsident der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz sieht die Apotheker als neutrale Berater der Patienten und der Politik. 

PZ: Was macht Ihnen am meisten Freude an Ihrem Beruf?

 

Kiefer: An erster Stelle der Kontakt mit den Patienten. Es ist eine sehr schöne und verantwortungsvolle Aufgabe, das Fachwissen eines Apothekers so an die Patienten zu vermitteln, dass die davon unmittelbar profitieren. Es ist aber auch die Vielfalt des Berufes, die mir so gut gefällt. Unser Tätigkeitsspektrum reicht von der Analytik bis hin zur Beratung. Das ist einzigartig.

 

PZ: Und was gefällt dem Apotheker Andreas Kiefer nicht so gut?

Kiefer: Der mag keine sinnlosen Arbeiten. Ich denke da vor allem an die immer weiter um sich greifende Bürokratie – den Aufwand, Retaxationen zu vermeiden und den Aufwand, Rabattverträge zu erfüllen. Botanik finde ich auch nicht wirklich prickelnd.

 

PZ: Was finden Sie denn prickelnd daran, Präsident der Bundesapothekerkammer zu werden?

 

Kiefer: Ich habe mich in den vergangenen Jahren stark mit den pharmazeutischen Inhalten unserer Arbeit beschäftigt. Mit Rezepturen, mit dem Medikationsmanagement, mit Qualitätssicherung. Jetzt ist es an der Zeit, diese Inhalte zusammenführen und in unsere Arbeit zu implementieren. Diese Aufgabe kann ich als Präsident der Bundesapothekerkammer erfüllen. Das können wir aber nur erreichen, wenn die Bundesapothekerkammer die Anliegen der Apotheker glaubwürdig vertritt. Und damit meine ich nicht nur die Interessen der Kollegen, die in einer öffentlichen Apotheke arbeiten, sondern die aller Apotheker.

 

PZ: Ist es ausreichend, wenn die Institution Bundesapothekerkammer glaubwürdig ist oder muss diese Glaubwürdigkeit nicht von jedem Apotheker ausgehen?

 

Kiefer: Das schließt sich nicht aus. Natürlich sind es vor allem die Apotheker in den Apotheken, die von den Menschen wahrgenommen werden. Deshalb ist deren Verhalten wichtig. Aber die Bundesapothekerkammer muss dies vorleben. Wir müssen dafür sorgen, dass das heilberufliche Bild des Apothekers für Patienten und Politiker selbstverständlich ist.

 

PZ: Wie bewerten sie die Zusammenarbeit zwischen den Berufsorganisationen, also zwischen ABDA, Deutschem Apothekerverband und der BAK?

 

Kiefer: Es gibt nichts auf der Welt, was man nicht noch verbessern kann. Wir müssen gut überlegen, wie wir die unterschiedlichen Rollen der drei Organisationen optimal für den Berufsstand nutzen.

 

Wir müssen berücksichtigen, dass die Aufgaben von Kammern und Verbänden immer größere Schnittmengen haben. Dabei denke ich an die angemessene Honorierung. Hier geht es auch darum, wie die Apotheker ihre Arbeit machen, was sie pharmazeutisch leisten. Da müssen sich die Kammern einbringen, das ist doch ganz klar. Oder nehmen Sie die Notdienstpauschale. Wenn es dort eine Gebühr gibt, die die Versorgung sicherstellen soll, dann sind die Kammern gefragt. Auf der anderen Seite dürfen wir die großen Erfahrungen des DAV bei Honorarverhandlungen nicht außer Acht lassen. Wir werden die Arbeit der Organisationen stärker miteinander verzahnen müssen.

 

PZ: Wo wollen Sie die Bundesapothekerkammer positionieren?

 

Kiefer: Die Landesapothekerkammern beraten seit vielen Jahren die Landesregierungen in Arzneimittelfragen. Ich möchte erreichen, dass die Bundesapothekerkammer diese Aufgabe im Bund unternimmt. Dazu gehört natürlich auch wieder Glaubwürdigkeit. Wir müssen deutlich machen, dass die Bundesapothekerkammer kein Lobbyverein oder Wirtschaftsverband ist, sondern die Arbeitsgemeinschaft von 17 Körperschaften des öffentlichen Rechts auf Bundesebene. In den Ländern wie im Bund geht es den Apothekern um eine optimale Arzneimittelversorgung, das muss unsere Botschaft sein. Wir wollen als BAK die Bundesregierung in Arzneimittelfragen beraten, so wie es die Kammern in den Ländern tun.

 

PZ: Wie wollen Sie dabei die Balance zwischen Interessenvertretung und Information schaffen?

 

Kiefer: Ich sehe keinen Widerspruch zwischen diesen beiden Aufgaben. Jeder Mensch weiß, dass Apotheker ein wirtschaftliches Fundament für ihre Arbeit brauchen. Das schließt aber nicht aus, dass wir dabei objektiv beraten – die Patienten in der Apotheke genauso wie die Regierungen in den Ländern und im Bund.

 

PZ: Welche Bedeutung hat das gemeinsame Modell von ABDA und Kassenärztlicher Bundesvereinigung für die Bundesapothekerkammer?

 

Kiefer: Das Modell ist wegweisend. Diese Aussage gilt für die Zusammenarbeit mit den Ärzten und für die Betreuung der Patienten. Die Weiterentwicklung unseres Berufsstandes ist wichtig. Unser Ziel muss es sein, den Apotheker als festen Bestandteil des therapeutischen Teams zu positionieren. Das ABDA-KBV-Konzept hat hierbei eine Schlüsselrolle.

 

PZ: Wovon wird am Ende der Erfolg abhängen?

 

Kiefer: Wir müssen die Krankenkassen dafür begeistern. Sie müssen wir überzeugen, dass ihre Versicherten am besten von Ärzten und Apothekern gemeinsam versorgt werden.

 

PZ: Wie wichtig ist eine angemessene Honorierung für den Erfolg des Modells?

 

Kiefer: Natürlich muss Leistung vergütet werden, das ist doch klar. Das ist aber von der falschen Seite gedacht. Niemand, der einen Fernseher reparieren lässt, käme auf die Idee, die Leistung sei umsonst. Wenn man eine Dienstleistung haben möchte, dann kostet dies Geld. Darüber müssen wir uns nicht unterhalten. Wir müssen stattdessen über den Vorteil durch unsere Leistungen sprechen.

 

PZ: Was müssen die Apotheker verändern, wenn es ihnen in vier Jahren besser gehen soll als heute?

 

Kiefer: Viel verändern müssen wir nicht. Wir müssen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren. Wir müssen den Menschen zuhören, sie ernst nehmen und ihnen den richtigen Rat geben und das richtige Medikament. Das sind unsere Aufgaben und ist unsere Zukunftssicherung.

 

PZ: Das Verhältnis zur Politik ist nicht das Beste. Wie wollen Sie dies verbessern?

 

Kiefer: Es geht auch hier immer um das Verhältnis von Menschen zueinander. Die Basis dafür ist gegenseitiger Respekt. Dazu gehört, dass man seinen eigenen Standpunkt offen und klar vertritt. Es ist normal, dass es unterschiedliche Interessen gibt und damit auch Konfrontationen. Wenn man das weiß und berücksichtigt, dann ist nach meiner bisherigen Erfahrung ein Dialog mit vernünftigen Ergebnissen möglich.

 

PZ: Was halten sie von einer aggressiveren Gangart gegenüber der Politik?

 

Kiefer: Eines dürfen wir nicht vergessen: Wir haben kein Druckmittel gegenüber den Bundestagsabgeordneten. Wir können sie nicht zwingen, das zu tun, was wir für richtig halten. Deshalb müssen Apotheker als Berater der Politiker in Sachen Arzneimittelversorgung akzeptiert werden. Wir müssen ihnen helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wie gesagt: Auf Landesebene gelingt uns dies schon sehr gut, auf der Bundesebene müssen wir noch dorthin kommen. /

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