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Arzneimittelpolitik

Ein Jahr Große Koalition

12.11.2014
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Von Yuki Schubert, Berlin / Ein Jahr nach Antritt der Großen Koalition zogen Politiker, Kassenvertreter und Hersteller vergangene Woche eine erste Bilanz mit Blick auf die Arznei­mittelpolitik. Zwar waren sich alle einig, dass der Koalitionsvert­rag solide abgearbeitet werde. Themen wie Preismorato­rium, Nutzenbewertung und Reimporte boten jedoch genug Anlass zur Diskussion.

Bei der Veranstaltung des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH) sprach sich Grünen-Gesundheitsexpertin Kordula Schulz-Asche klar für eine Verlängerung des Preismoratoriums nach 2017 aus. Aus ihrer Sicht sollten die Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel weiterhin eingefroren bleiben. 

 

Michael Hennrich von der CDU betonte dagegen, dass ein Ende des Preisstopps Ende 2017 klar angepeilt werde. Falls dies nicht möglich sei, müsse zugunsten der Industrie an anderen Schrauben gedreht werden. Christian Stallberg von der Wirtschaftskanzlei Clifford Chance sagte, dass durch das Preismoratorium kein Anreiz für die Industrie bestehe, im Bestandsmarkt für Produktverbesserungen zu sorgen. Dies gehe zulasten der Versicherten.

 

Innovationen belohnen

 

BAH-Vize Andreas Karwatzki forderte eine Ausnahme bei der Nutzenbewertung von galenischen Innovationen. Seiner Meinung nach müssten sie unabhängig vom Wirkstoff belohnt werden, sodass der Hersteller für eine galenische Weiterentwicklung unter Umständen einen höheren Preis erzielen kann, als die Vergleichstherapie mit demselben Wirkstoff vorgibt. Schließlich gebe es auch Kosteneinsparungen, wenn der Patient beispielsweise statt mehreren Monaten nur zwei Wochen ein Medikament einnehmen muss, so Karwatzki. Dieses werde bei der frühen Nutzenbewertung bislang jedoch nicht berücksichtigt.

 

Schulz-Asche argumentierte hier ähnlich. Im Zuge des demografischen Wandels sollte eine verbesserte Compliance eine wichtige Rolle spielen. »Warum sollen sich Hersteller aber damit auseinandersetzen, wenn es sich nicht auszahlt«, sagte sie. Der Vorstand des AOK-Bundesverbandes, Uwe Deh, betonte hingegen, galenische Weiterentwicklungen beeinflussten in jede Fall die Nachfrage. Somit gebe es für die Industrie durchaus Anreize, entsprechende Produkte herzustellen.

 

Importe in der Diskussion

 

Auch Reimporte kamen zur Sprache. Sowohl Deh als auch Hennrich sehen die Debatten über dieses Thema als noch nicht abgeschlossen. Daher könne es auch noch keine Aussage darüber geben, ob sich etwas an der 5- Prozent-Regel für Apotheker ändern werde, so Deh. Hennrich zufolge könnte am Ende eine Lösung stehen, mit der wahrscheinlich alle zufrieden sind – mit Ausnahme der Importeure.

 

Abschließend kam auch die Kritik an dem teuren Hepatitis-C-Präparat Sovaldi® zur Sprache. Kassenvertreter Deh sagte, hier werde das 12-Monats-Fenster für einen direkten Marktzugang taktisch ausgenutzt. Ihm zufolge handelt es sich bei Sovaldi um ein wirklich gutes Produkt. Trotzdem müssten solche taktischen Preisstrategien unterbunden werden. Hennrich wiederum betonte, er sei kein Freund rückwirkender Erstattungsbeträge. /

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