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McKesson hat bei Celesio das Sagen

29.10.2013
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Von Ev Tebroke / Seit Wochen war darüber spekuliert worden, was die Unternehmensgruppe Haniel mit ihrer Tochter, dem Pharmagroßhändler Celesio, vorhat. Nun herrscht Klarheit: Der US-amerikanische Gesundheitsdienstleister McKesson erwirbt die gesamten Mehrheitsanteile von 50,1 Prozent und übernimmt damit das Ruder. Bei Celesio soll alles beim Alten blieben – vorerst zumindest.

Raus aus der Verschuldung, so lautet die Devise des Duisburger Familienunternehmens Haniel. Der Verkauf der Beteiligung an Celesio ist dabei ein entscheidender Schritt zur Konsolidierung. Knapp 2 Milliarden Euro fließen nach eigenen Angaben dadurch in die Konzernkasse. 

Einen Teil davon wolle man zur weiteren Entschuldung einsetzen, heißt es in einer Pressemitteilung. Demnach zahlen die Amerikaner 23 Euro pro Aktie. Gleichzeitig will McKesson für die noch verbleibenden börsengehandelten Aktien und Wandelschuld­verschreibungen von Celesio freiwillige Übernahme- und Erwerbsangebote abgeben.

 

Das Gesamtvolumen der Transaktion beläuft sich nach Angaben von Celesio auf rund 6,1 Milliarden. Euro. Der vollständige Abschluss der Übernahme wird im ersten Quartal 2014 erwartet. Das ganze Geschäft kommt jedoch nur zustande, wenn McKesson bis dahin mindestens 75 Prozent der Celesio-Aktien erwerben konnte, heißt es. Dies gilt als wahrscheinlich, da der angebotene Aktien­kaufpreis rund 39 Prozent über dem gehandelten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate liegt.

 

Chance für Wachstum

 

Bei Celesio zeigt man sich über die Transaktion sehr erfreut: »Damit beginnt ein spannendes, neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte«, sagte Finanzvorstand Marion Helmes vergangene Woche bei einer Telefonkonferenz. Die Vereinbarungen seien eine große Chance für zukünftiges Wachstum. »Celesio gewinnt globale Präsenz und wird wesentlich konkurrenzfähiger.« Helmes zufolge bietet die Transaktion eine perfekte geografische Ergänzung. So gilt McKesson in den USA und Kanada als einer der Marktführer im Bereich der Gesundheitsdienstleistungen. Celesio wiederum ist in Europa und Brasilien eines der führenden Unternehmen in diesem Bereich. Durch den Zusammenschluss ergebe sich daher ein erheblicher Mehrwert für alle, so Helmes.

 

McKesson und Celesio schließen sich zwar zusammen, werden aber nach eigenen Angaben als getrennte Unternehmen weiterarbeiten. Auch wollen sie ihre bisherigen Marken beibehalten. »Die Celesio-Marken Gehe und Lloyds bleiben bestehen«, versicherte Helmes. Der neue Mehrheitseigner vertraue darauf, dass die Marken erhalten bleiben.

 

Auch im Celesio-Management soll es keinen Wechsel geben, zumindest bis zum Abschluss der Transaktionen. Inwieweit der Name Celesio erhalten bleibe, müsse man dann sehen, so Helmes. Die Celesio-Chefin betonte, beide Unternehmen blickten auf eine langjährige Erfahrung im pharmazeutischen Großhandel und im Apothekengeschäft zurück. Man erhoffe sich daher große Vorteile durch die weltweiten Lieferkapazitäten. Für Apotheken ergäben sich neue Dienstleistungen und Technologien. Ziel sei es unter anderem, das Apothekennetz weiter auszubauen und die Lieferkette zu beschleunigen.

 

»Wir sind davon überzeugt, dass McKesson und Celesio hervorragend zueinander passen«, sagte der Haniel-Vorstandsvorsitzende Stephan Gemkow. Haniel habe Celesio lange begleitet und das Unternehmen beim Wachstum und in seiner Entwicklung unterstützt. »Nun ist der Zeitpunkt richtig, die Beteiligung abzugeben, sodass der nächste Entwicklungsschritt unter der Führung von McKesson vollzogen werden kann«, so Gemkow.

 

Ein Befreiungsschlag

 

Das Duisburger Familienunternehmen Haniel, das auch Anteile an der Handelsgruppe Metro hält, war seit 1973 Anteilseigner beim Stuttgarter Konzern gewesen. Der Verkauf der Celesio-Beteiligung dürfte für Haniel nun eine Art Befreiungsschlag aus der wirtschaftlichen Krise sein. Im vergangenen Jahr mussten die Duisburger erstmalig ein Minus von 1,9 Milliarden Euro verbuchen. Auch der Pharmagroßhändler Celesio könnte von der neuen Situation profitieren, kämpft er doch seit einigen Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Mit dem Abschied aus der Haniel-Familie werde Celesio nun stärker, sagte Helmes auf der Konferenz. »Die Zeichen stehen auf Wachstum und das in einem konsolidierenden Markt. Dafür bin ich dem Mehrheitsanteilseigner dankbar«, sagte sie mit Blick auf die neue Führung.

McKesson: ein großer Player

McKesson ist nach eigenen Angaben das größte Unternehmen für Dienstleistungen und Informationstechnologien im Gesundheitsbereich in den USA. Laut einem Ranking, das jährlich vom amerikanischen Wirtschaftsmagazin »Fortune« veröffentlicht wird (Fortune 500), liegt McKesson aktuell auf Platz 14 der 500 umsatzstärksten Unternehmen der Welt. Nach eigenen Angaben unterstützt der Konzern seine Kunden durch die Bereitstellung pharmazeutischer und medizinisch-chirurgischer Produkte sowie spezifischer Informationstechnologie für das Gesundheitswesen und durch klinische Dienstleistungen.

 

Der Konzern bedient demnach mehr als die Hälfte aller amerikanischen Krankenhäuser und 20 Prozent aller Ärzte. Nach Unternehmensangaben werden ein Drittel aller täglich in den USA genutzten Medikamente von McKesson geliefert.

 

Auch im US-amerikanischen Apothekenmarkt hat das Unternehmen seine Finger im Spiel: Unter dem Namen Health Mart firmieren rund 3000 Franchise-Apotheken. 1996 hatte McKesson die Kette übernommen und seither sukzessive ausgebaut.

 

Gegründet wurde der Gesundheitsdienstleister 1833 von John McKesson und Charles Olcott in New York. Heute hat das Unternehmen seinen Hauptsitz in San Francisco. Es beschäftigt rund 43 500 Angestellte und erwartet für 2013 einen Jahresumsatz von umgerechnet rund 88 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Celesio erwirtschaftete 2012 einen Umsatz von 22,3 Milliarden Euro.

Durch den Zusammenschluss von Celesio und McKesson entsteht einer der weltweit größten Pharmahändler mit rund 81 500 Mitarbeitern und einem voraussichtlichen jährlichen Umsatz von mehr als 111 Milliarden Euro. Da es standorttechnisch keinerlei Überlappungen gebe, weil man in unterschiedlichen Ländern aktiv sei, gibt es nach Angaben der Celesio-Chefin auch keine kartellrechtlichen Bedenken.

 

Die Gruppe wird in mehr als 20 Ländern operativ tätig sein. Nach eigenen Angaben beliefern McKesson und Celesio täglich in den USA, Kanada, Europa und Brasilien rund 120 000 Apotheken und Krankenhäuser sowie mehr als 11 000 Apotheken, die entweder zur jeweiligen Gruppe oder zu einem Partner- beziehungsweise Franchisenetzwerk gehören. »Mit dem Zusammenschluss schaffen wir die Basis für ein weltweit führendes Unternehmen für Healthcare-Services«, so McKesson-Chef John H. Hammergren. Durch die Bündelung der Stärken und Erfahrungen beider Unternehmen wolle man die globalen He­rausforderungen im Gesundheitssektor besser bewältigen können. Die Fusion soll ab dem vierten Jahr umgerechnet bis zu 235 Millionen Euro Einsparungen bringen, so die Prognose. Welche Effekte dies tatsächlich langfristig auf den deutschen Markt und Celesio haben wird, muss sich dann zeigen. /

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