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Murphys Gesetz

30.10.2012
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»Whatever can go wrong, will go wrong.« Murphys Gesetz gilt auch beim Impfen. Bei der Vorbereitung auf die diesjährige Grippesaison ist wirklich alles schiefgegangen, was schiefgehen konnte. Es begann damit, dass die Weltgesundheitsorganisation den Herstellern erst relativ spät im Jahr mitteilte, Antigene welcher Grippeviren der Impfstoff enthalten soll. Dann zog sich die Produktion bei einem der größten Hersteller, Novartis, länger hin als erwartet. Ausgerechnet dieser Hersteller hatte auch noch Exklusivverträge mit den Krankenkassen in einigen Bundesländern abgeschlossen. Und schließlich musste er mehrere Chargen wegen möglicher Verunreinigungen oder Ausflockungen vom Markt nehmen (lesen Sie dazu Grippe-Impfstoffe: Weiter Chaos nach Chargenrückruf).

 

Natürlich kann bei einem komplexen Vorgang wie der Impfstoffproduktion immer etwas schiefgehen. Das kann aber keine Ausrede für die aktuelle Situation sein. Im Gegenteil: Gerade weil Impfstoffe sensible Substanzen sind, müssen alle Beteiligten die Risiken von Versorgungslücken so klein wie möglich halten. Ob Novartis dies getan hat, ist noch offen. Warum in der vergangenen Woche mehrere Impfstoffchargen zurückgerufen werden mussten, bleibt noch abschließend zu klären. Zuvor soll es bereits Verzögerungen bei der Auslieferung gegeben haben.

 

Aber auch Politiker und Krankenkassen sind nicht unschuldig am Impfchaos. Mit dem AMNOG hatte die Politik trotz Warnungen den Weg für Rabattverträge bei Impfstoffen freigemacht. Und hätten die Krankenkassen keine Exklusivverträge mit Novartis abgeschlossen, wäre Patienten, Apothekern und Ärzten einiges erspart worden. Natürlich müssen Rabattverträge nicht zwangsläufig Schwierigkeiten bei der Versorgung bereiten. Es hat sich aber gezeigt, dass sie einmal entstandene Probleme maximal verstärken können. Weil die Herstellung von Grippe-Impfstoff Monate dauert, können auch andere Hersteller die Ausfälle bei Novartis nicht schnell genug kompensieren. Im Generikamarkt lassen sich solche Versorgungsprobleme oft lösen, bei Impfstoffen nicht.

 

Apotheker und Ärzte haben Recht, wenn sie nun ein Verbot von Rabattverträgen für Grippe-Impfstoff fordern. Die aktuelle Grippesaison reicht als Beleg dafür. Wer danach immer noch niedrige Preise über eine sichere Versorgung stellt, der setzt die falschen Prioritäten.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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