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Medizintechnik

Mehr Verkäufe, aber weniger Gewinn

21.10.2008
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Medizintechnik

Mehr Verkäufe, aber weniger Gewinn

Von Martina Janning, Berlin

 

Das Jahr 2007 lief gut, 2008 wird es schlechter, sagen die Hersteller von Medizinprodukten. Die stark gestiegenen Preise für Rohstoffe und Energie drücken das Umsatzwachstum. Dabei hat die Branche mehr Produkte verkauft.

 

In der Medizintechnik sind im Jahr 2007 zahlreiche neue Jobs entstanden: 55 Prozent der Firmen, die im Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) organisiert sind, haben im Vergleich zum Vorjahr neue Stellen geschaffen. Hochgerechnet auf seine Mitgliedsunternehmen seien das 4200 neue Arbeitsplätze, teilte der BVMed-Vorstandsvorsitzender Dr. Meinrad Lugan vergangene Woche in Berlin mit. Er stellte die Ergebnisse einer Verbandsumfrage vor, an der sich 72 der rund 220 Medizintechnik-Unternehmen beteiligten, darunter die 20 weltweit größten Hersteller von Verbrauchsgütern.

 

Stimmung verschlechtert sich

 

Die Medizintechnik-Branche beschäftige in Deutschland rund 170.000 Menschen, sagte Lugan. Circa 15 Prozent der Mitarbeiter seien in der Forschung und Entwicklung tätig. Das Gewerbe gilt als sehr innovativ. »Rund ein Drittel erzielen die deutschen Medizintechnikhersteller mit Produkten, die höchstens drei Jahre alt sind«, berichtete Lugan.

 

Der Gesamtumsatz der deutschen MedTech-Firmen stieg 2007 um 6,9 Prozent auf 17,3 Milliarden Euro. Im Inland kletterte der Umsatz um 7,3 Prozent auf 2 Milliarden Euro, im Export um 6,7 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Die Stimmung in der Branche habe sich inzwischen jedoch verschlechtert, berichtete BVMed-Geschäftsführer Joachim M. Schmitt.

 

Für das laufende Jahr erwarten die Hersteller nach den Ergebnissen der Umfrage nur 5,4 Prozent Umsatzwachstum. 37 Prozent der Unternehmen rechnen 2008 mit einem besseren Ergebnis als im Vorjahr. 28 Prozent der Firmen glauben aber, dass sie 2008 Verluste machen. Das sei ein alarmierender Wert, urteilte Schmitt.

 

Die Firmen verkaufen zwar mehr Produkte, die stark gestiegenen Preise für Rohstoffe und Energie kompensieren die Gewinne aber. »Hersteller von Massenartikeln trifft es besonders stark«, sagte Lugan. Denn bei Verbrauchswaren wie Kanülen oder Kathetern betrage der Rohstoffanteil zwischen 50 und 60 Prozent.

 

Zudem drückten Einkaufsgemeinschaften die Preise. Die Unternehmen bemängelten ferner, dass das Erstattungsniveau der Kassen in Deutschland niedriger sei als in anderen europäischen Staaten.

 

Ansonsten stellten sie dem Standort Deutschland aber ein gutes Zeugnis aus und lobten das hohe Versorgungsniveau der Patienten, die große Zahl gut ausgebildeter Ärzte und den hohen Stand der klinischen Forschung. Besserungsbedarf machte Lugan bei der Förderung von Forschungen aus. Programme endeten in der Regel zu früh, sagte das Vorstandsmitglied der B. Braun Melsungen AG. »Entwicklungen dauern oft sieben bis acht Jahre. Viele kleine mittelständische Betriebe verhungern auf der Innovationsstrecke, bevor sie Produkte auf den Markt bringen können.«

 

Bei der Zulassung von Medizintechnik sollte das bisherige Verfahren nach Ansicht des BVMed erhalten werden. »Medizinprodukte und Arzneimittel müssen unterschiedlich reguliert bleiben«, verlangte Schmitt. Dies gelte auch für Kosten-Nutzen-Bewertungen. »In der Medizintechnologie gibt es oft Schrittinnovationen. Die sind wünschenswert«, sagte er.

 

Heterogene Produktpalette

 

Schmitt untermauerte seine Forderung mit einer Studie der Universität Stanford. Darin haben Wissenschaftler Entwicklungen in der Pharma- und der Medizintechnik-Branche untersucht und kommen zu dem Schluss, dass es erhebliche Unterschiede gibt.

 

Demnach ist die MedTech-Industrie beispielsweise sehr viel heterogener als die Arzneimittelbranche: Medizinprodukte reichen vom Mundspatel aus Holz bis zum künstlichen Herzen; Arzneimittel unterscheiden sich nur in ihrer molekularen Struktur und der Darreichungsform. Anders als Medikamente stellen Medizinprodukte meist hohe Anforderungen an ihre Anwender. Und Medizinprodukte haben sehr viel kürzere Lebenszyklen als Arzneimittel. Daher dürften die beiden Branchen bei der Zulassung und Erstattung nicht in einen Topf geworfen werden, folgerte Schmitt.

 

Auf der politischen Wunschliste der befragten MedTech-Firmen stehen außerdem mehr Eigenverantwortung der Patienten und Zuzahlungsmodelle sowie Wahlfreiheiten für Versicherte. »Der Gesundheitsfonds wird auf Dauer notorisch unterfinanziert sein«, mutmaßte Lugan. Der BVMed plädiert daher für eine »Riester-GKV«. Damit seien Steuervergünstigungen für junge Leute gemeint, die per Versicherung vorbauen, erläuterte Schmitt. Bisher fänden Zusatzversicherungen bei Jüngeren wenig Anklang.

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