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Interview

»Diese Partnerschaft passt zu uns«

18.10.2011
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Von Daniel Rücker / Mit ihrem Stand beim diesjährigen Apothekertag hat die ABDA ihr gesellschaftliches Engagement für den Behindertensport demonstriert, sagen ABDA-Vizepräsident Friedemann Schmidt und Lutz Engelen, Vorsitzender im PR-Ausschuss. Die Kritik am Messeauftritt nehmen sie sehr ernst.

PZ: Die ABDA hat sich beim diesjährigen DAT mit einer Sportarena als Stand präsentiert. Welchen Hintergrund hatte dies?

 

Engelen: Der ABDA-Stand führt die Linie der letztjährigen Präsentationen fort. Mit dem Stand demonstrieren wir deutlich unser gesellschaftliches Engagement für den Behindertensport, der nach wie vor zu wenig Beachtung findet. Wir wollen uns nach Kräften dafür einsetzen, dass der Behindertensport eine größere öffentliche Aufmerksamkeit erhält. Dabei sehen wir uns insgesamt weniger als Sponsoren denn als Multiplikatoren.

 

PZ: Einige Besucher haben kritisiert, dass die Arena nicht als ABDA-Stand zu erkennen war. Warum haben Sie weitgehend auf Plakate, Schriftzüge oder Logos verzichtet?

 

Engelen: Diese kritischen Stimmen habe ich auch gehört und halte sie für bedenkenswert. Die Kolleginnen und Kollegen erwarten, dass sie auf dem größten europäischen Branchentreff, der Expopharm, einen Stand vorfinden, den sie als »ihren« ABDA-Stand auf Anhieb identifizieren und annehmen. Das war in diesem Jahr nicht so, auch wenn der Stand – zumindest auf den zweiten Blick – als Stand der Apothekerschaft erkennbar war. Der Schwerpunkt lag aber ohne Frage auf der Darstellung unseres Engagements bei der Unterstützung von Sportlern. Ob wir diese Schwerpunktsetzung beibehalten, werden wir für das nächste Jahr sorgfältig abwägen.

 

PZ: Hat die Kritik am Stand überwogen? Wie war die generelle Resonanz auf den Stand?

 

Engelen: Der Wiedererkennungswert war nach Einschätzung vieler verbesserungswürdig, die Lage auf der Messe auch. Insbesondere würde ich mir für die Zukunft wieder eine Stärkung des kommunikativen Umfeldes wünschen. Der Stand selbst ist gut angenommen worden. Ob er aber tatsächlich in dieser Form der ihm zugedachten Aufgabe gerecht wird, werden wir hinterfragen und das Ergebnis für das nächste Jahr berücksichtigen.

 

PZ: Welchen Stellenwert hat die Zusammenarbeit von ABDA und zum Teil auch Landesorganisationen mit dem Deutschen Behindertensportverband für die Apotheker?

 

Schmidt: Für den DBS sind wir einer der wichtigsten Partner. Diese Wertschätzung spüren wir bei jedem gemeinsamen Auftritt und jedem Kontakt, etwa mit DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher. Das heißt, dass wir unsere vergleichsweise beschränkten Möglichkeiten auf diesem Feld sehr zielgenau, mit wenig Streuverlusten und größtmöglicher Wirkung einsetzen können, also eigentlich so, wie auch ein gutes Arzneimittel wirken sollte.

 

PZ: Wie nimmt die Politik diese Kooperation wahr?

 

Schmidt: Ich will diese Resonanz mal als »positiv überrascht« beschreiben. So hat Bundespräsident Christian Wulff mir vor Kurzem auf dem Jubiläumsgeburtstag des DBS seine Anerkennung für unser Engagement ausgesprochen, das hat uns natürlich sehr gefreut. Unsere gemeinsamen Auftritte mit den Athleten des DBS etwa auf Parteitagen und zu den »Tagen der offenen Tür« in den Bundesministerien und im Kanzleramt werden durchweg positiv bewertet und haben uns schon zu einer Vielzahl interessanter Gesprächsgelegenheiten verholfen.

 

PZ: Wie ist die Reaktion der Öffentlichkeit?

 

Schmidt: Der Behindertensport in Deutschland ist auf einem guten Weg, aber noch weit davon entfernt, in der Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit zu finden, die ihm meiner Ansicht nach gebührt. Insofern bohren wir da gemeinsam mit dem DBS ein dickes Brett. Wer kurzfristige Popularität erwartet, investiert sicher eher bei Sebastian Vettel oder »Deutschland sucht den Superstar«. Aber abgesehen davon, dass wir solche Möglichkeiten nicht haben und eigentlich auch nicht haben wollen, gibt es mit dem Behindertensport einfach ein ganz hohes Maß an Übereinstimmung im Ziel. Es geht dem DBS darum, Menschen, im speziellen Fall Menschen mit Behinderung, zu einem völlig normalen, erfolgreichen Leben zu verhelfen. Das ist nahezu deckungsgleich mit dem, was jeden Tag in unseren Apotheken geschieht.

 

PZ: Gibt es Untersuchungen darüber, ob diese Zusammenarbeit, das Bild der Apotheker in der Öffentlichkeit prägt? Ist das überhaupt Ihr Ziel?

 

Schmidt: Das Bild der Apotheker in der Öffentlichkeit ist absolut positiv, das bestätigen uns die einschlägigen Umfragen jedes Jahr. Es muss uns aber darum gehen, dieses positive Bild, welches die Menschen von jedem einzelnen Apotheker und jeder einzelnen Apothekerin haben, auf unseren Berufsstand als Ganzes zu übertragen. Hier gibt es in Sachen »positive Wahrnehmung des Berufsstandes in Medien und Politik« noch einiges zu tun und dabei hilft uns die Partnerschaft mit dem DBS ganz enorm.

 

PZ: Insgesamt kostet die Apotheker diese Zusammenarbeit eine Menge Geld. Kann man den Nutzen einer solchen Kooperation quantifizieren?

 

Engelen: Eine Quantifizierung des Nutzens unseres Engagements für den Behindertensport ist sicherlich sehr schwierig. Ich erinnere da an Henry Ford, der schon früh darauf hingewiesen hat, dass Investitionen in Kooperationen beziehungsweise Werbung immer auch Streuverluste aufweisen. Ich möchte aber auch betonen, dass wir nicht werben mit der DBS-Kooperation, sondern damit sehr deutlich die Rolle und die Verantwortung der Apothekerschaft für dieses wichtige gesellschaftliche Thema nach außen tragen. Wir haben als Heilberuf einen fachlichen und gesellschaftspolitisch direkten Bezug zum DBS. Diese Partnerschaft passt zu uns, sie ist wichtig für die positive Wahrnehmung unseres Berufes in der Gesellschaft. Natürlich müssen diese und andere Partnerschaften zum beiderseitigen Nutzen gepflegt, weiterentwickelt und hinterfragt werden. Auch das werden die ABDA-Gremien, insbesondere der PR-Ausschuss, gestalterisch angehen.

 

PZ: Wie wird die Förderung der Behindertensportler in Zukunft aussehen? Gibt es neue Projekte? Bleibt es auf dem Niveau?

 

Schmidt: Wir begleiten den DBS jetzt seit mehr als zwei Jahren und freuen uns jetzt erstmal auf den nächsten Höhepunkt, die paralympischen Spiele in London im nächsten Jahr. Auf dem Deutschen Apothekertag in Düsseldorf konnten die Delegierten sich ja selbst ein Bild davon machen, wie wertvoll unsere Unterstützung für die Behindertensportler ist. Ich persönlich bin absolut dafür, die Partnerschaft mit dem DBS in der bisher geübten Form und auch in diesem Umfang fortzusetzen. In 2012 werden wir das auch so machen. Für die fernere Zukunft fällt natürlich letztlich die ABDA-Mitgliederversammlung die Entscheidungen. / 

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