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Paralympics

Barrieren überwinden

04.09.2012
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Von Verena Arzbach, London / Wie können Apotheker und Sportvereine dazu beitragen, im Alltag Hindernisse für behinderte Menschen abzubauen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des ABDA-Themenabends anlässlich der Paralympischen Spiele 2012 im Deutschen Haus in London.

Das Engagement für den Behindertensport sei eine gesellschaftliche Aufgabe der Apotheker, bekräftigte ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf bei der Eröffnung des ABDA-Themenabends vergangene Woche im Deutschen Haus im Museum of Docklands in London. Die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS) sei daher nur logisch. Seit 2008 gibt es die Kooperation von ABDA und DBS. In Peking waren die Apotheker als Co- Förderer der Paralympischen Mannschaft dabei. Auch bei den Winterspielen 2010 in Vancouver unterstützte die ABDA die deutschen Paralympioniken. Das Engagement setze sich darüber hinaus auch in den einzelnen Bundesländern fort, betonte Wolf.

 

Die Bürger motivieren

 

Der ABDA-Präsident sieht die Apotheker dabei weniger als Sponsoen, sondern vielmehr als Multiplikatoren für den Behindertensport. Mit ihrem Engagement wollen die Apotheken auch die Bevölkerung motivieren, die Paralympioniken anzuspornen. Die Zusammenarbeit mit dem DBS wachse immer weiter, freute sich Wolf. Auch DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher lobte den Einsatz der Apotheker. Die ABDA sei ein starker Partner für den Behindertensport in Deutschland.

Anschließend diskutierten Wolf, Beucher, der Behinderten-Beauftragte der Bundesregierung Hubert Hüppe sowie der paralympische Radsportler Michael Teuber, wie Menschen mit Behinderungen besser in die Gesellschaft integriert werden können. Moderiert wurde die Diskussion von Rainer Schmidt, Nationaler Botschafter für Fairplay und Toleranz.

 

»In Deutschland schaut jeder zuerst darauf, was jemand nicht kann«, bedauerte Hüppe. Es sei jedoch wichtig, jeden Menschen individuell entsprechend seiner Talente zu fördern. Durch die Trennung von behinderten und nicht behinderten Menschen im Alltag entstünden Berührungsängste. Viele Menschen lernten nicht, mit ihren behinderten Mitmenschen umzugehen.

 

Wolf stimmte dem zu: »Wir Apotheker wollen dazu beitragen, Berührungsängste zu überwinden.« Es sei daher wichtig, Barrieren im Kopf, aber auch mechanische Hürden im Alltag zu beseitigen. So müsse auch jede Apotheke barrierefrei zu erreichen sein, denn jeder habe ein Recht auf Beratung in der Offizin.

 

DBS-Präsident Beucher sieht auch den organisierten Behindertensport mit in der Verantwortung, bestehende Grenzen aufzuheben. Mit seinen Landes- und Fachverbänden hat der DBS daher ein Positionspapier erarbeitet, das Chancen für Menschen mit Behinderung durch Teilnahme an Sportaktivitäten fördern soll. Für viele behinderte Sportler sei das Training in einem reinen Behindertensportverein schwierig. Oftmals sei dort keine Leistungssteigerung möglich. Fortschritte könnten die Athleten schließlich nur im Wettbewerb mit »normalen« Gegnern machen.

 

Dieses Problem kannte auch der querschnittsgelähmte Radrennfahrer Teuber. Im Alter von 19 Jahren erlitt er durch einen Unfall eine inkomplette Querschnittslähmung. Eine Restfunktion der Muskeln im rechten Oberschenkel blieb noch vorhanden. Durch hartes Training konnte er nach zwei Jahren an Krücken gehen und später seine Karriere als Radprofi starten, zunächst als Downhill-Mountainbiker. Dabei musste auch er mit Veranstaltern verhandeln, um als Downhill-Mountainbiker an Wettbewerben gegen nicht behinderte Sportler antreten zu dürfen. Es hat sich gelohnt: Seit 2004 startet er als Radrennfahrer bei den Paralympics und hat bereits dreimal Gold gewonnen. /

Die Apotheke

Wie bei den Olympischen Spielen klären die NADA (Nationale Anti- Doping-Agentur) und die ABDA in einer eigens eingerichteten Apotheke im Deutschen Haus in London über die korrekte Arzneimitteleinnahme auf. Apothekerin Dr. Kerstin Neumann beantwortet Fragen zur Dopingrelevanz von Arzneimitteln, steht in engem Kontakt mit den deutschen Teamärzten und beantwortet Fragen zu Dosierung, Nebenwirkungen und Risiken von Arzneimitteln. Athleten, Betreuer, Trainer und Gäste des Deutschen Hauses erhalten von ihr zudem im Bedarfsfall Medikamente.

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