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Probiotika

Ruhig mal einen Therapieversuch starten

07.10.2015
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Die Darmmikrobiota wird mit eine Reihe von Erkrankungen wie Arthritis oder Multiple Sklerose in Verbindung gebracht. Daher sei es ein probates Mittel, bei nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen einen Therapieversuch mit Probiotika zu unternehmen.

 

Dies erklärte Professor Dr. Theo Dingermann von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main bei einem Vortrag im Rahmen der Pharma World auf der Expopharm in Düsseldorf.

 

»Jeder Mensch besitzt nicht nur ein einzigartiges Genom, sondern auch ein einzigartiges Mikrobiom«, sagte Dingermann. Als Mikrobiom wird die Gesamtheit der Gene aller Mikroorganismen bezeichnet, die den Menschen besiedeln. Wenn aber statt der Gene die Gesamtheit aller Mikroorganismen gemeint ist, sei Mikrobiota der richtige Fachausdruck. Eine große Bedeutung für die menschliche Gesundheit kommt dabei der Darmmikrobiota zu, die nicht nur beim Aufschließen der Nahrung, sondern auch bei der Reifung des Immunsystems eine wichtige Rolle spielt. Dementsprechend wird die Darmmikrobiota mit einer Reihe von nicht übertragbaren Erkrankungen in Zusammenhang gebracht: Neben Adipositas, Fettleber und Diabetes nannte Dingermann hier auch entzündliche Darmerkrankungen, Verhaltensstörungen, Allergien, Multiple Sklerose, Arthritis und Atheriosklerose. Diese Thematik werde derzeit stark erforscht, kausale Zusammenhänge seien aber noch nicht belegt.

 

Wenn eine ungünstige Zusammensetzung der Darmmikrobiota zu Krankheiten führe, sei es naheliegend, die Darmmikrobiota in eine positive Richtung beeinflussen zu wollen. Dies sei durch eine langfristige Umstellung der Ernährung möglich, erklärte Dingermann. Wer Kohlenhydrate weglasse oder Fleisch, verändere automatisch die Zusammensetzung der Darmbewohner. Wie nachhaltig diese Effekte seien und welche Veränderungen sich positiv auswirkten, sei bislang nicht ausreichend erforscht.

 

Eine weitere Möglichkeit, die Darmmikrobiota zu verändern, stellen Probiotika dar. Von diesen Präparaten, die lebende Mikroorganismen enthalten, sei eine große Vielfalt auf dem deutschen Markt zu finden, die von Lebensmitteln über Nahrungsergänzungsmittel bis hin zu Arzneimitteln reichen. Die beste Evidenz liege für Arzneimittel vor, zu denen Mutaflor®, Perenterol®, Symbioflor® oder Infectodiarrstop® LGG® zählen. Dingermann sprach sich dafür aus, diese Probiotika im Rahmen eines Heilversuchs bei nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen, bei denen die Darmmikrobiota eine Rolle spielen könnte, einzusetzen. »Es ist ein probates Mittel, zu testen, ob die Zusammensetzung der Darmmikrobiota eventuell problematisch ist.« /

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