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Grippeimpfstoff

Versorgung mit Alternativen

25.09.2012  18:19 Uhr

Von Verena Arzbach / In Schleswig-Holstein, Hamburg und Bayern verzögert sich der Start der diesjährigen Grippeimpfung. Grund dafür sind Lieferengpässe des Pharmaherstellers Novartis Vaccines.

In den drei Bundesländern sollen nach einem kassenübergreifenden Vertrag alle gesetzlich Versicherten mit Begripal® ohne Kanüle von Novartis Vaccines geimpft werden. Allerdings kann die Firma erste Teilmengen dieses Impfstoffes voraussichtlich erst ab Mitte Oktober in Bayern ausliefern. In den beiden nördlichen Bundesländern soll der Rabattimpfstoff ab Anfang November zur Verfügung stehen.

Damit würden die Impfungen mehr als zwei Wochen später als üblich beginnen. Laut Robert-Koch-Institut ist die beste Zeit zur Impfung im Oktober oder November. In Bayern müssen Risikopatienten wie Über-65-Jährige, Kinder, chronisch Kranke, Schwangere und Immungeschwächte nicht so lange warten. Sie können Afluria® (CSL) oder Intanza® (Sanofi Pasteur MSD) als Ersatzimpfstoff erhalten. Nach Angaben der AOK Nordwest können gesetzlich Versicherte in Schleswig-Holstein und Hamburg vor Auslieferung des Rabattimpfstoffes mit den vergleichbaren Impfstoffen Optaflu® und Fluad® sowie Begripal mit Kanüle (alle von Novartis Vaccines) geimpft werden. Novartis habe eine Auslieferung dieser Impfstoffe ab der 39. Kalenderwoche zugesagt, sagte Jens Kuschel, Sprecher der AOK Nordwest, gegenüber der Pharmazeutischen Zeitung.

 

Daneben stehen mehrere andere saisonale Grippeimpfstoffe zur Verfügung, die Antigene der aktuellen Impfempfehlungen enthalten. Insgesamt hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bislang rund 11,1 Millionen Impfdosen in dieser Saison freigegeben.

 

Das PEI erklärte am vergangenen Freitag, der Zellkulturimpfstoff Optaflu sei in Bezug auf Wirkungen und Nebenwirkungen mit Begripal vergleichbar. Die für die Zulassung von Optaflu relevanten klinischen Prüfungen seien direkt im Vergleich mit Begripal durchgeführt worden. Anders als bei Begripal werden die benötigten Impfviren bei der Optaflu-Herstellung nicht in Hühnereiern vermehrt. Stattdessen kommen Zellkulturen, sogenannte MDCK-Zellen (Madin Darby Canine Kidney), zum Einsatz. Lebende Zellen dieser Zelllinien, die aus dem Nierengewebe vom Hund stammen, erzeugten Tumore bei immunsupprimierten Mäusen.

 

Das Europäische Arzneibuch schreibt diesen Test vor, um das tumorigene Potenzial von Zelllinien zu ermitteln. Optaflu selbst enthalte jedoch keine intakten, lebenden MDCK-Zellen oder funktionale DNA, betonte das PEI. Zusätzliche Untersuchungen hätten zudem gezeigt, dass inaktivierte Zelllinien sowie gereinigtes Genom der Zellen kein tumorigenes Potenzial besitzen. /

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