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Interview

Diabetes-Kongress mit Beteiligung von Apothekern

10.09.2007
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Interview

Diabetes-Kongress mit Beteiligung von Apothekern

Von Hartmut Morck

 

Ende Oktober wird in Berlin die Herbsttagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) stattfinden. Das Besondere daran ist, dass zum ersten Mal auch die Apotheker einen Teil des Kongresses gestalten. Die PZ sprach mit DDG-Präsident Professor Dr. Thomas Haak über die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern.

 

PZ: Herr Professor Haak, welche Gründe haben Sie bewegt, auch ein Forum für die Apotheker in Ihre Herbsttagung zu integrieren?

Haak: Die Apotheker sind aus der Betreuungslandschaft für die Diabetiker nicht mehr wegzudenken, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass viele offene Fragen, die die Patienten haben, auch in der Apotheke besprochen werden. Die Apotheker nehmen aus meiner Sicht eine wichtige Funktion wahr, indem sie die vielen Arzneimittel, die die Patienten einnehmen, gut koordinieren können. Außerdem werden in der Apotheke viele Dinge angesprochen, die vielleicht im ärztlichen Gespräch zu kurz kommen, weil der Patient sie nicht anspricht. Und schließlich haben viele Apotheker über ihre persönliche Erfahrung Steuerungsfunktion, indem sie dem Patienten raten können, wo er bei Problemen die beste Hilfe bekommen kann.

 

PZ: Sie sind ein Befürworter einer engeren Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern, warum?

Haak: Wir haben es bei Diabetes mit einer Volkskrankheit zu tun. Sieben Millionen Betroffene in Deutschland. Tendenz steigend. Früher hat man sich mit der Frage beschäftigt, wer macht was und wie und warum. Diese Frage habe ich mir noch nie gestellt. Für mich war es schon immer klar, dass die Frage lauten muss, wie wollen wir es alle gemeinsam schaffen. Ich bin deshalb froh darüber, dass die Apotheker sich in die Betreuung der Diabetiker einbringen und uns unterstützen.

 

PZ: Wo liegen für Sie die Synergieeffekte in dieser Zusammenarbeit?

Haak: Persönlich denke ich, dass die Weiterbildungen in der Vergangenheit, die für Apotheker stattgefunden haben, dazu beigetragen haben, dass man gut definiert hat, welche Aufgaben Apotheker wahrnehmen können und wo die Grenze zum Arzt ist. Die frühere Einstellung aufseiten der Ärzte, Apotheker würden in ärztliches Handeln eingreifen, ist mittlerweile Vergangenheit. Kein Apotheker wird heute irgendwelche Veränderungen an der ärztlichen Verordnung vornehmen oder abschätzend bewerten. Ich sehe heute eher die Zusammenarbeit. Apotheker haben eine große Beratungsfunktion, was zum Beispiel Hilfsmittel anbelangt. Gerade ältere Patienten müssen die Hinweise öfter hören. Es reicht nicht aus, wenn nur der Arzt ihnen Hinweise gibt. Das Gleiche gilt natürlich auch für die Pharmakotherapie. Immerhin nimmt ein Diabetiker täglich im Schnitt zwischen 10 und 16 Tabletten ein. Die müssen gemanagt werden.

 

PZ: Glauben Sie, dass Apotheker Ärzte über Arzneimittel unabhängiger beraten können als die Industrie?

Haak: Das denke ich schon. Ich glaube allerdings, dass es nicht notwendig ist. Von einem Arzt muss man eigentlich erwarten, dass er sich jenseits von der Hochglanzbroschüre ein eigenes Bild machen kann, was Arzneimittel zu leisten imstande sind und was nicht. Dazu dienen auch die Tagungen, wie die Herbsttagung der DDG im Oktober in Berlin. Natürlich sollten sich Arzt und Apotheker über neue Arzneimittel austauschen. Denn die Ärzte erleben ja, was diese Präparate in der täglichen Praxis leisten können, bei wem sie helfen und bei wem sie nicht helfen.

 

PZ: Herr Professor Haak, natürlich muss ich auch die Gesundheitspolitik ansprechen. Sehen Sie bei der augenblicklichen Gesundheitspolitik, die nicht unbedingt die Steigerung der Therapiequalität zum Ziel hat, sondern in erste Linie Kosten sparen will, die optimale Versorgung der Diabetiker noch gewährleistet?

Haak: Ich denke, wir sind noch nicht an dem Punkt angekommen, dass man sagen muss, die machen aus Kostengründen eine Zweite-Wahl-Medizin. Aber die Politik versucht schon, gewaltig Kosten zu sparen. Ich glaube auch, dass mithilfe einer durchdachten Pharmakotherapie seitens der Ärzte und der Auswahl kostengünstiger Pharmaka durch die Apotheker immer noch ein Einsparpotenzial besteht. Bei innovativen Arzneimitteln sollte ein Arzt schon genau hinschauen, ob es sich wirklich um eine Innovation mit echten Vorteilen für den Patienten handelt. Wenn dies so ist, sollte er sich aber nicht aus Angst vor einem höheren Preis scheuen, diese Arzneimittel auch einzusetzen. Insgesamt würde ich mir aber wünschen, dass auf der politischen Ebene neue Wege beschritten werden, um das Gesundheitswesen bei Volkskrankheiten bezahlbar zu halten, ohne den medizinischen Fortschritt zu lähmen.

DDG-Herbsttagung

Die Herbsttagung für Praktische Diabetologie der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) findet in diesem Jahr vom 26. bis 27. Oktober im Berliner Congress Center (bcc) statt. Die Programmübersicht und weitere Informationen sind unter www.herbsttagung-ddg.de zu finden.

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