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Diabetiker

Hitze steigert Risiko für Herzinfarkt

Hohe Temperaturen, wie sie derzeit in Deutschland vorherrschen, erhöhen über den dadurch bedingten Flüssigkeitsverlust und die körperliche Belastung den Blutdruck. Das steigert das Herzinfarktrisiko insbesondere bei Patienten mit Diabetes. Darauf weist die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) hin und rät dazu, an heißen Sommertagen die Insulin- und Medikamentendosis anzupassen.
Christina Hohmann-Jeddi
26.07.2019
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Bei Hitze häufen und verschlimmern sich bei Menschen mit Diabetes Begleit- und Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. »Eine Studie aus Hongkong bestätigt diese Beobachtung und zeigt, dass insbesondere bei hohen Temperaturen das Herzinfarktrisiko bei Diabetes-Patienten größer ist als bei Menschen ohne Diabetes«, erläutert DDG-Mediensprecher Professor Dr. Baptist Gallwitz in einer Mitteilung. »Akute Myokardinfarkte sind die häufigste Todesursache bei Diabetes-Patienten. Daher ist diese Studie alarmierend und höchst relevant.«

In der Studie im Fachjournal »PLoS Medicine« zeigten die Autoren um Holly Ching Yu Lam von der Universität Hongkong in China 2018 den Zusammenhang zwischen Außentemperatur und Krankenhausaufnahme wegen Myokardinfarkt für Hongkong über einen fast zehnjährigen Zeitraum. Demnach steigt das Herzinfarktrisiko für Diabetiker bei über 29 Grad Celsius an, während es sich sich für Menschen ohne Diabetes nicht ändert.

»Diese Beobachtung bestätigt die Erfahrungen aus der Praxis«, erklärt Professor Dr. Thomas Haak, Chefarzt vom Diabetes-Zentrum Mergentheim. Denn bei Diabetikern sei das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen an sich bereits zwei- bis vierfach erhöht, bei Frauen sogar bis zu sechsfach. Grund sei die schlechtere Durchblutung des Herzens, verursacht durch den Diabetes. »Weiten sich bei Hitze die Blutgefäße aus und verringert sich der Blutdruck – auch durch den Flüssigkeitsverlust –, so steigt das Risiko für einen Kreislaufkollaps erheblich.«

Medikamentendosis anpassen

Viele Patienten mit Diabetes Typ 2 nehmen blutdrucksenkende Medikamente wie Diuretika. »Hier sollte der behandelnde Arzt die Dosis unbedingt an den vorübergehend veränderten Bedarf anpassen«, so Haak. Er rät dazu, die jeweilige Dosierung zu verringern, da sonst der Blutdruck weiter gefährlich absinken und der Flüssigkeitsverlust dramatisch ansteigen kann. Beides erhöhe die Gefahr für einen Herzkreislauf-Notfall.

Außerdem sei die Insulingabe, aber auch die Dosierung oraler Antidiabetika genau zu überwachen. Durch den geringeren Appetit bei Hitze reduziert sich in der Regel die Kohlenhydrataufnahme und die Unterzuckerungsgefahr steigt an. Menschen mit Typ-2-Diabetes sollten daher ihre Zuckerwerte regelmäßig überprüfen und die Tablettendosis gegebenenfalls reduzieren. »Es ist empfehlenswert, in der heißen Zeit mindestens zweimal täglich den Blutdruck und mindestens dreimal täglich den Glukosewert zu überprüfen«, rät Haak.

Gutes Mineralwasser trinken

Um die Risiken für Kreislaufprobleme zu verringern, sollten nicht nur Menschen mit Diabetes die Hitze weitestgehend meiden und für einen ausreichenden Flüssigkeitsausgleich sorgen. »Es ist wichtig bei diesen extremen Temperaturen ganz bewusst regelmäßig zu trinken und dabei auf hochwertiges Mineralwasser zurückzugreifen«, rät DDG-Präsidentin Professor Dr. Monika Kellerer. Denn durch das Schwitzen verliert der Körper neben Wasser auch wichtige Mineralstoffe wie Calcium, Magnesium, Natrium und Kalium. »Generell sollte auf zuckerhaltige, kalorienreiche Getränke verzichtet werden, da diese den Durst nicht löschen und zudem ungesund sind«, führt Kellerer aus.

Ausreichend zu trinken fällt einem erheblichen Anteil der Bevölkerung schwer, wie eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse zeigt. Demnach kommt fast jeder dritte Bundesbürger nach eigenen Angaben nur teilweise, selten oder nie auf die empfohlene tägliche Trinkemenge von 1,5 Litern.

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