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Rheuma schützt vor Alzheimer

24.08.2010
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Von Christina Hohmann / Ein Wachstumsfaktor, den Patienten mit Rheumatoider Arthritis verstärkt exprimieren, kann die Entwicklung von Alzheimer aufhalten. In Versuchen mit Modell-Mäusen für die Erkrankung konnten Injektionen des Proteins GM-CSF die kognitiven Fähigkeiten der Tiere erhalten, berichten Forscher um Huntington Potter von der University of South Florida in Tampa im »Journal of Alzheimer’s Disease« (2010, Band 21,2).

Schon länger war bekannt, dass Patienten mit Rheumatoider Arthritis, seltener an Alzheimer erkranken als die Normalbevölkerung. Bislang vermuteten Wissenschaftler, dass die Behandlung mit nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) der Grund hierfür wäre, doch aktuelle klinische Studien mit NSAR zeigten keinen Vorteil für Alzheimer-Patienten.

 

Potter und seine Kollegen untersuchten daher, welche intrinsischen Faktoren eine Rolle spielen könnten. Sie analysierten drei Wachstumsfaktoren, sogenannte Kolonie-stimulierende Faktoren (CSF), die bei Rheuma-Patienten verstärkt freigesetzt werden. Die drei Faktoren, den Makrophagen-, den Granulozyten und den Granulozyten-Makrophagen-CSF (M-CSF, G-CSF und GM-CSF) injizierten die Forscher in den Hippocampus von gesunden Mäusen und Alzheimer-Modell-Mäusen. Die besten Ergebnisse traten bei GM-CSF auf. In Verhaltenstests zeigten die Alzheimer-Mäuse bessere kognitive Fähigkeiten als die Tiere der Kontrollgruppe, die Salzlösungen erhalten hatten. Ihre Gedächtnisleistung entsprach der von gesunden Mäusen. Sogar die gesunden Tiere profitierten von der Behandlung mit GM-CSF, berichten die Forscher. Im Gehirn der behandelten Alzheimer-Mäuse wurden 50 Prozent weniger beta-Amyloid-Plaques, aber mehr Mikroglia-Zellen gefunden als bei den unbehandelten Mäusen. Die Forscher vermuten, dass der Wachstumsfaktor diese Immunzellen des Gehirn verstärkt anlockt, die dann die Plaques beseitigen können.

 

Erste Studie geplant

 

Ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind, ist nicht klar. Wenn ja, könnte die Gabe von GM-CSF eine neue Therapieoption für Alzheimer darstellen. Ein Vorteil der Substanz ist, dass sie bereits eine Zulassung der US-amerikanischen FDA besitzt. Die Forscher planen, eine erste klinische Pilotstudie mit Patienten mit milder bis moderater Alzheimer-Ausprägung noch in diesem Jahr zu beginnen. /

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