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Honorierung

Der Vorschlag ist unzureichend

31.07.2012
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Von Daniel Rücker / Die Diskussion um die Honorierung der Apotheker geht in die nächste Runde. Mit der angebotenen Anpassung von 25 Cent pro Packung ist DAV-Vorsitzender Fritz Becker überhaupt nicht einverstanden. Er will für eine bessere Vergütung kämpfen, rechnet aber mit zähen Verhandlungen.

PZ: Das Bundeswirtschaftsministerium will die Arzneimittelpreisverordnung ändern. In einem Entwurf schlägt sie eine Erhöhung der Packungspauschale um 25 Cent vor. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

 

Becker: Unsere Forderungen waren hinreichend bekannt und sie beruhen auf soliden Berechnungen. Demnach hätten wir bei 9,14 Euro pro Packung herauskommen müssen. Den 25 Cent stehen unsere 1,04 Euro gegenüber. Wir liegen also erheblich auseinander. Das ist mehr als nur enttäuschend. Der Vorschlag ist unzureichend.

PZ: Das Ministerium hat lange gemeinsam mit der ABDA und der Treuhand Hannover den Anpassungsbedarf der Vergütung berechnet. In welchem Umfang wurden die Ergebnisse im Verordnungsentwurf berücksichtigt?

 

Becker: Es gab im Vorfeld erhebliche Diskussionen über die Gemeinsamkeit der Datenbasis. Wir haben dem Ministerium Unterlagen auf Basis testierter Betriebsergebnisse zukommen lassen – aber das Bemerkenswerte ist ja, dass auch die Rechenwerke des Ministeriums einen erheblichen Anpassungsbedarf sehen. Dann hat das Ministerium mit dem Rohertrag eine andere Methode eingeführt. Damit werden die Betriebsergebnisse der Apotheken gedeckelt – und auf dem Niveau von 2004 festgeschrieben. Das geht gar nicht.

 

PZ: Sind die 25 Cent das letzte Wort?

 

Becker: Ich hoffe, dass da noch etwas zu machen ist. Wir sind aufgefordert, zu dem Entwurf Stellung zu nehmen. Daran arbeiten wir gerade. Es zeigt sich jetzt, dass die Strategie richtig war, mit mehreren Pfeilen im Köcher in die Schlacht zu ziehen. Deshalb haben wir auch auf die mangelnde Kostendeckung beim Nacht- und Notdienst, bei den Rezepturen und bei der Versorgung mit Betäubungsmitteln hingewiesen – und dies auch vorgerechnet. Im Herbst beginnen nun die Verhandlungen um den Kassenabschlag – die 2,05 Euro sind auch von der Politik als ein auf die Jahre 2011 und 2012 beschränktes Sonderopfer bezeichnet worden. Wir sehen das auch so – und werden dies in den weiteren Gesprächen artikulieren.

 

PZ: Für wie wahrscheinlich halten Sie eine kostendeckende Honorierung der Notdienste und Rezepturen?

 

Becker: Wir spüren, dass es gerade aus Flächenländern Sympathie gibt für eine angemessene Honorierung des Nacht- und Notdienstes. Will man die Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum erhalten, dann muss hier etwas passieren. Hier setzen wir in den Gesprächen und weiteren Verhandlungen auch an.

 

PZ: Welche Auswirkungen hat es, wenn Apotheker nur die 25 Cent bekommen?

 

Becker: Fangen wir mal positiv an: 25 Cent sind ein sehr kleiner Schritt in die richtige Richtung; eine Verbesserung, die immerhin 190 Millionen Euro wert ist. Aber: Das reicht nicht. Wir beobachten seit Jahren, dass die Zahl der Apotheken in Deutschland zurückgeht – ich spreche hier nicht von einem »Massensterben«, aber davon, dass die Versorgung in manchen Regionen schon auf der Kippe steht. Da müssen wir gegensteuern, denn wir haben einen Versorgungsauftrag, der auch im Interesse der Politik sein muss. Wir reden hier nicht über Seife und Haarspray, sondern über die Garanten für eine sichere Arzneimittelversorgung in einer alternden Gesellschaft. Für den einzelnen Apothekenleiter ist die Lage nicht einfach – sie sind freie Unternehmer und müssen auch noch Investitionen in ihrer Offizin tätigen können. Dies ist vor diesen Honorarszenario eigentlich schon längst nicht mehr möglich.

 

PZ: Wie wollen DAV und ABDA weiter vorgehen?

 

Becker: Die nächsten Tage gelten der Vorbereitung der Stellungnahme. Dann werden wir Nachforderungen stellen. Aber wir müssen realistisch bleiben. Wir stehen vor intensiven und kontroversen Diskussionen mit der Politik.

 

PZ: Manche Apotheker fordern jetzt einen Streik. Was halten Sie davon?

 

Becker: Klipp und klar: Gar nichts. Streik ist kein Mittel – wir werden die Patienten nicht in Geiselhaft nehmen. Wir suchen mit der Politik und der Gesellschaft weiterhin das sachliche Gespräch. Aber ich sage auch: Wenn sich gar nichts bewegt, werden wir auch andere Saiten aufziehen. /

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