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Honorierung

Wir sind noch nicht am Ziel

11.06.2014  09:49 Uhr

Von Daniel Rücker / 25 Cent mehr nach neun Jahren – die Honorarrunde 2013 war für die Apotheken wichtig. Saniert sind sie damit aber nicht. Der Vorsitzende des Deutschen Apotheker­verbands (DAV), Fritz Becker, sieht noch erheblichen Nachholbedarf.

PZ: Im Jahr 2013 ist das Honorar für die Apotheker gestiegen. Hat der DAV sein Ziel erreicht?

 

Becker: Nein. Wir sind zwar auf dem richtigen Weg, aber noch nicht am Ziel. Wir haben noch längst nicht alles erreicht, was wir uns vorgenommen haben.

 

PZ: Wo hapert es am stärksten?

 

Becker: Wir brauchen unbedingt einen Anpassungsmechanismus für das Fixum. Eine automatische Dynamisierung wäre hier der beste Weg. Das ist aber derzeit der Politik nicht vermittelbar. Deshalb müssen wir jetzt Regeln finden, nach denen das Fixum Jahr für Jahr angepasst werden kann.

 

PZ: Wie könnte dies aussehen?

 

Becker: Aus der Sicht des DAV wäre eine Ergänzung der Arzneimittelpreisverordnung die beste Lösung. Das Bundeswirtschaftsministerium sollte die Aufgabe bekommen, den Anpassungsbedarf anhand der für die Apotheken relevanten wirtschaftlichen Daten wie Lohnkosten, Nebenkosten oder allgemeine Preisentwicklung zu ermitteln.Funktionieren kann dies aber nur, wenn der Berechnungsmodus geändert wird. Die aktuelle Systematik, nach der eine Umsatzsteigerung grundsätzlich bei der Anpassung gegengerechnet wird, ist absolut leistungsfeindlich. Wir müssen hier mit dem Wirtschafts- und dem Gesundheitsministerium zu einer Lösung kommen. Die Mehrarbeit in den Apotheken muss sich in der Vergütung widerspiegeln. Das müssen nicht 100 Prozent sein. Wir könnten auch mit einem angemessenen Abschlag im Sinn eines Mengenrabattes an die GKV leben. In anderen Bereichen des Gesundheitswesens gibt es dies auch.

 

PZ: Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden Ministerien auf Ihren Vorschlag eingehen?

 

Becker: Das Wirtschaftsministerium sieht den Handlungsbedarf, davon gehe ich aus. Wir müssen natürlich in den nächsten Tagen und Wochen die fatale Systematik der Berechnung noch deutlich machen. Der Sachverhalt ist kompliziert. Wer nicht tief in der Materie steckt, versteht das Problem nicht richtig. In unseren Gesprächen haben wir aber in den Ministerien eine Offenheit für das Thema erkannt. Unser Ziel ist eine Anpassung des Fixums für das kommende Jahr.

 

PZ: Wie steht es um den Kassenabschlag? Wie wird der sich in den kommenden Jahren entwickeln?

 

Becker: Nach unseren Vorstellungen sollte der Abschlag bei 1,77 Euro bleiben. Wir werden darüber mit dem GKV-Spitzenverband verhandeln. Erste Gespräche haben wir bereits geführt. Die Chancen auf eine Einigung stehen nicht schlecht.

 

PZ: Beim DAV-Wirtschaftsforum Anfang Mai in Berlin haben Sie eine Anhebung der Gebühren für die Dokumentation von Betäubungsmittel- und T-Rezepten sowie die Versorgung mit Rezepturarzneimitteln gefordert. Wie weit sind Sie damit gekommen?

 

Becker: Bei der Anpassung der Gebühren für Dokumentationsaufgaben stoßen wir bei der Politik auf offene Ohren. Seit 1978 hat es keine Anpassung mehr gegeben. Bei den Rezepturarzneimitteln fordern wir neben dem Honorar für die Herstellung ein Beratungshonorar von 8,35 Euro, analog zu der Vergütung von Fertigarzneimitteln. Individuell hergestellte Rezepturarzneimittel sind mindestens ebenso beratungsbedürftig wie Fertigarzneimittel. Deshalb sollte auch das Honorar das gleiche sein. Ich denke, das dies Politikern einleuchtet.

 

PZ: Ein weiteres Ärgernis für die Apotheker sind die Inkassoleistungen für Dritte. Hier fordert der DAV ebenfalls eine Vergütung. Mit welcher Begründung?

 

Becker: Wir ziehen die Patientenzuzahlung ein, wir setzen die Rabattverträge um, wir organisieren, dass der Herstellerrabatt bei den Kassen landet. Das bedeutet für uns Mehrarbeit, die wir gratis leisten. Der Staat, der an dieser Stelle von der Entlastung des Gesundheitssystems profitiert, übernimmt mit dem Inkasso der Kirchensteuer eine ähnliche Aufgabe. Im Gegensatz zu den Apothekern macht er dies aber nicht gratis, sondern berechnet für seine Dienstleistung 4 Prozent der Inkassosumme. Aus meiner Sicht gibt es keine plausible Erklärung dafür, warum der Staat sich selbst ein Honorar gewährt, den Apothekern dies aber für eine vergleichbare Leistung verweigert. So gut unsere Argumente auch sind, wir dürfen uns an dieser Stelle aber nichts vormachen: Es wird ein hartes Stück Arbeit, diese Forderung durchzusetzen.

 

PZ: Bei der Vergütung von Inkasso­leistungen haben die Apotheker keine Zusage, beim Nacht- und Notdienstfonds schon, dennoch bekommen sie bislang nicht die vereinbarte Summe von 120 Millionen Euro im Jahr. Wie wollen Sie die Politik davon überzeugen, dass sie nachlegen muss?

 

Becker: Wir haben im Jahr 2012 eine klare Zusage der bekommen: Ab 2013 sollen die Apotheken für den Nacht- und Notdienst 120 Millionen Euro zusätzlich bekommen. Dieses Versprechen ist noch nicht erfüllt worden. Im vergangenen Jahr haben wir erst im Herbst die erste Auszahlung aus dem Fonds bekommen und auch in diesem Jahr werden wir statt 120 Millionen Euro wahrscheinlich nur 108 Millionen Euro bekommen. 16 Cent pro verordneter Arzneimittelpackung reichen nicht. Zwei Cent fehlen. Wir hatten darauf schon vor dem Start des Fonds hingewiesen. Damals wollte man uns nicht glauben. Ich erwarte, dass die Politik jetzt ihre ursprüngliche Zusage einhält. Es gibt keinen Grund, davon abzuweichen. /

 

»Nach unseren Vorstellungen sollte der Abschlag bei 1,77 Euro bleiben. Wir werden darüber mit dem GKV-­Spitzenverband verhandeln.«

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