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Auslandsbericht

»Sogar Pipetten gibt man sich mit beiden Händen«

26.07.2010
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Von Pia Galuschka / Wie wäre es denn mit Korea? So lautete die Frage meiner Professorin, als ich sie nach einem Praktikumsplatz im Ausland fragte. Und nach einer kurzen Zeit der Unsicherheit, dachte ich: »Warum eigentlich nicht Korea?« Die Eindrücke, die ich in den zwei Monaten fernab der Heimat gesammelt habe, möchte ich im Folgenden mit allen Interessierten teilen.

Morgens halb neun in Seoul, der Hauptstadt Südkoreas: Eine Schlange aus mindestens 50 kleingewachsenen, dunkelhaarigen Studentinnen und Studenten, alle dunkel und akkurat gekleidet, wartet hintereinanderstehend ohne jedes Gedrängel auf den Bus, der sie zur Seoul National Universität bringen soll. Diese werden sie in wenigen Minuten erreichen. Dort angekommen steigen sie an mehr als zehn verschiedenen Bushaltestellen aus, die alle zum Campus der Universität gehören. Die Haltestelle, an der ich aussteigen sollte, nennt sich »Nutschandang-dang«. Sie liegt ungefähr auf halben Weg zwischen dem Gate der Uni und dem südlichen Ende des Campus.

Im Gegensatz zum familiären Campus der Uni Freiburg, meiner »Heimatuniversität«, stellte die Größe des Campus in Seoul eine Herausforderung für mich dar. Während der ersten Tage des Praktikums war ich neben dem Kennenlernen des Labors damit beschäftigt, das einige Quadratkilometer große Areal zu erkunden. Neben einigen Banken, einem Hotel, einem Optiker, vielen Studentenwohnheimen, Buchhandlungen, mehrere Mensen beherbergt das Gelände sogar eine eigene Krankenstation und einen Floristen.

 

Die Seoul National University wurde 1946 als erste nationale Universität Koreas gegründet und ist heute mit ihren mehr als 25 000 Studierenden die größte Universität Koreas. Das umgebende Gelände ist nicht, wie ich in einer so großen Stadt wie Seoul erwartet hätte, von Hochhäusern dominiert, sondern schmiegt sich in ein Tal, das von einigen relativ hohen, bewaldeten Bergen umgeben ist.

 

Was Kultur und Lebensweise angeht, gab es viele interessante Unterschiede zu Deutschland zu entdecken. Eine Schwierigkeit stellte zu Beginn die Schrift dar. Anders als im Chinesischen handelt es sich beim Koreanischen nicht um eine logografische Schrift, sondern alle Wörter werden aus den einzelnen 28 Buchstaben zusammengesetzt, was das Erlernen von Lesen und Schreiben deutlich erleichtert. So profitierte ich von der Einfachheit dieser Schrift und konnte trotz der Kürze der Zeit, mithilfe eines koreanischen Studenten, der Deutsch studiert, sowohl Lesen als auch Schreiben in Ansätzen erlernen.

 

Allerdings ist es dennoch nicht so einfach, einen auf Koreanisch eingestellten Computer zu bedienen. Zum Glück konnte ich dann zu jeder Zeit auf die Hilfe der koreanischen Studenten bauen.

 

Getrockneter Tintenfisch zum Bier

 

Die Hilfsbereitschaft aller Koreaner, denen ich während meines Aufenthalts begegnete, wird mir als sehr positiv in Erinnerung bleiben. Neben dieser Eigenschaft konnte ich feststellen, dass Koreaner recht neugierig sind. So wurde ich nicht selten in der U-Bahn angesprochen und gefragt, wo ich herkäme und falls das Englisch noch weiter reichen sollte, was ich denn in Korea machen würde.

Was genau meine Aufgabe für die nächsten Wochen sein sollte, erfuhr ich nach einer Woche Einführung, in der ich neben EMSA-Experimenten (Electrophoretic Mobility Shift Assay), das Vorgehen beim Kultivieren verschiedener Zellstämme und das Labor kennenlernen sollte. Hier lernte ich auch, dass man sich, gemäß der koreanischen Sitten und Gebräuche, sogar Pipetten mit beiden Händen anreicht. Später testete ich in verschiedenen Experimenten einen Naturstoff auf seine antiinflammatorische und zytotoxische Wirkung. Nach kurzer Zeit erfuhr ich zu meiner Überraschung, dass ich in der letzen Praktikumswoche die Ergebnisse präsentieren sollte, was auch eine interessante Herausforderung für mich bedeutete, da ich etwas Vergleichbares während meines Studiums in Freiburg noch nie gemacht hatte.

 

Zurück im sonnigen Freiburg, wo keine plötzlichen abendlichen Schneefälle mehr drohen, keine Straßenverkäufer mit ihren Waagen mitten auf dem Gehsteig ihre Waren anpreisen und keine getrockneten Tintenfische zum Bier gegessen werden, freue ich mich schon auf den Besuch eines koreanischen Freundes im Sommer. / 

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