Pharmazeutische Zeitung online
Erfahrungsbericht

Reise nach Jerusalem

24.01.2011
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Von Annette Wehner / Mit einem etwas flauen Gefühl im Magen stieg ich ungefähr eine Woche nach meinem Ersten Staatsexamen in den Zug. Mein Ziel: der Flughafen München und danach Be´er Sheva. Ich war schon das Jahr zuvor für zehn Tage in Israel gewesen und hatte mich deshalb auch entschieden, dass ich das Land näher kennenlernen möchte und mich dort für ein Praktikum beworben.

Von Be´er Sheva hatte ich allerdings davor noch nichts gehört. Ein kurzer Besuch im Internet verriet mir, dass die Stadt in der Mitte von Israel liegt, am Rande der Wüste Negev. Während meiner Reise sollte ich noch erfahren, dass sie zu einem sehr großen Teil aus Studenten besteht und es viele gerade deswegen reizt, dort zu studieren.

Als ich um 3.00 Uhr nachts in Tel Aviv ankam, begrüßten mich eine wunderbar warme Luft und das typische Geräusch aller israelischen Städte, Autohupen. Meine Wartezeit auf den Zug wurde von den verschiedensten Menschen verkürzt. Einheimische, die mir halfen ein Zugticket zu bekommen, Touristen die auch nicht so genau wussten, wo sie hin müssen und noch viele andere.

 

Um 8.00 Uhr morgens erreichte ich dann ziemlich müde, aber auch erleichtert endlich Be´er Sheva. Schon jetzt war es mir in meinem Pulli zu heiß. Lena, unsere israelische Kontaktperson, und Yvanna, eine SEPlerin aus Serbien, holten mich ab. Kaum hatte ich meine Koffer ausgepackt, ging es mit den anderen SEPlern, die alle drei aus Serbien kamen, zurück nach Tel Aviv, um das Wochenende dort zu verbringen und sich besser kennenzulernen.

 

Am Sonntag war dann der erste Arbeitstag für Olina und mich. Sie war nur einen Tag vor mir gekommen und machte wie ich das Praktikum in der Krankenhausapotheke. Die anderen SEPler waren an der Universität beschäftigt. Wir erfuhren, dass das Soroka Hospital das größte Krankenhaus im Süden des Landes ist und auch viele Nomaden dorthin kommen, wenn sie medizinische Versorgung benötigen. In der Apotheke begrüßte man uns sehr freundlich und die Mitarbeiter gaben sich alle extrem viel Mühe mit uns. Sprachbarrieren, die es allerdings nicht allzu häufig gab, wurden mit Händen und Füßen überwunden, beziehungsweise verstand meistens wenigstens einer von uns beiden, um was es ging, und so konnten Olina und ich uns häufig gegenseitig helfen. Die ersten und die letzten Tage halfen wir im Labor, den Rest der Zeit begleiteten wir die klinischen Pharmazeuten auf den Stationen des Krankenhauses. Zu der Zeit, zu der wir da waren, wurde nämlich leider die Krankenhausapotheke umgebaut. Die Arbeit war trotzdem sehr interessant. Uns wurden die verschiedenen Aufgabenbereiche von klinischen Pharmazeuten gezeigt und so viel wie nur möglich erklärt. Zudem wurden wir ständig eingeladen, etwas mitzuessen, mitzufeiern oder einfach eine Tasse Tee/Kaffee zu trinken. Da wir größtenteils nur bis 14.00 Uhr arbeiteten, blieb uns der Nachmittag, um an den Pool der Universität zu gehen, die Stadt zu besichtigen oder einzukaufen.

Aber auch das Herumreisen im Land kam nicht zu kurz. In diesem Jahr lagen zufälligerweise sehr viele jüdische Feiertage im September. In der ersten Woche meines Aufenthalts war jüdisch Neujahr und wir besichtigten für vier Tage Jerusalem. Zur gleichen Zeit wurde von den Muslimen das Ende von Ramadan gefeiert. Es war also viel los in der »heiligen Stadt«. Schon im Jahr zuvor hatte ich die Menschenmengen in den engen Straßen des Suq bewundern dürfen. Juden, die Richtung Klagemauer eilen, Muslime die auf den Tempelberg wollen, Christen, die sich in Jerusalem niedergelassen haben. Die Händler, die ihre Waren anpreisen und dazwischen jede Menge Touristen von überall her, gut zu erkennen an ihren bunten Fähnchen und dem Gruppenführer, der ihnen die Stadt zeigt. Es scheint fast so, als würde sich die komplette Welt hier treffen.

 

Das folgende Wochenende war Jom Kippur. Der heiligste Feiertag der Juden. Sogar das TV wird an diesem Tag ausgeschaltet und selbst die meisten Bankautomaten funktionieren nicht, allerdings braucht man an diesen Tagen sowieso kein Geld, weil man es nirgendwo ausgeben kann. Alle Geschäfte sind geschlossen, es fahren weder Busse noch Züge und normalerweise sieht man auch keine Autos. Yvanna war in dieser Woche leider zurück nach Hause gereist. Wir anderen verbrachten zwei ruhige Tage in Be´er Sheva. Es war interessant und komisch zugleich, einmal mitten auf der Straße durch die Stadt laufen zu können.

Wir hatten dann noch fast zwei Wochen Zeit, um Israel weiter zu erkunden. Sukkot, das Laubhüt­tenfest wurde nämlich auch im September gefeiert. Am ersten Tag wunderte ich mich, warum so viele Leute auf ihren Autos Palmenäste transportierten, bis mir einfiel, dass sie als Dach der Laubhütte dienten. Überall sah man die geschmückten Zelte. Marin, Olina und ich nutzten die Zeit zum Reisen.

 

Gemeinsam fuhren wir ans Tote Meer, ans Rote Meer, nach Haifa und Akko. Immer wieder gab es neue Dinge zu bestaunen in diesem doch relativ kleinen Land. Der Abschied von den anderen SEPlern fiel schwer, als sie nach Hause fliegen mussten. Nur zwei Tage später stand auch ich mit gepacktem Koffer und schweren Herzens am Bahnhof, um die Heimreise anzutreten. Ich würde sie vermissen, die Wüste, die Sonne, das Meer, aber vor allem die Menschen, die ich dort kennenlernen durfte.

 

Alles in allem bleibt zu sagen, dass das SEP eine großartige Zeit war, mit wundervollen Erinnerungen. Israel mal von einer anderen Seite kennenzulernen als nur aus den Nachrichten, war unvergesslich. Und selbst vier Wochen reichten nicht aus, um die Schätze, aber auch die Eigenheiten dieses Landes, das so sehr von seiner Religion geprägt wird, zu sehen und zu begreifen. / 

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