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Celesio

Pinger muss gehen

26.07.2013
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Von Daniel Rücker / Unruhe bei Celesio: Nach Übernahme­gerüchten muss nun der Vorstandsvorsitzende Markus Pinger seinen Hut nehmen. Der Umbau des Konzerns kam offenbar schleppender voran als geplant.

Der Aufsichtsrat des Stuttgarter Pharmagroßhändlers Celesio hat sich am 3. Juli überraschend von seinem Vorstandsvorsitzenden Markus Pinger getrennt. Als Grund gibt der Aufsichtsrat »unterschiedliche Auffassungen zur Führung des Unternehmens« an. Pinger hatte erst vor knapp zwei Jahren den Chefposten bei Celesio übernommen.

Helmes übernimmt Vorsitz

 

Den übernimmt nun, wie Celesio mitteilt, »bis auf Weiteres« der bisherige Celesio-Finanzvorstand Marion Helmes. In einer Stellungnahme dankt der Aufsichtsrat Pinger für seine geleistete Arbeit. Der Mehrheitsaktionär Haniel freut sich nun auf die Zusammenarbeit mit Helmes. Sie habe »den eingeschlagenen Weg des Konzernumbaus entscheidend mitgestaltet«. Eine Abberufung von Pinger ohne die Zustimmung des Duisburger Familienkonzerns wäre auch kaum möglich gewesen. Haniel-Chef Stephan Gemkow ist auch Aufsichtsrats-Chef bei Celesio.

 

Pinger hatte nach seinem Amtsantritt die Strategie von Celesio stark verändert. Er verkaufte alle Unternehmungen, die nicht zum Kerngeschäft Großhandel und Apotheken gehörten. Besonders aufmerksam wurde von Apothekern der Verkauf der Versand­apotheke DocMorris registriert. In der Folge konnte Pinger zwar das Ansehen Celesios bei den Apothekern wieder verbessern.

 

Der beim Verkauf erzielte Betrag war aber nur ein Bruchteil der 220 Millionen Euro, die Celesio zuvor als Kaufpreis an DocMorris-Gründer Ralf Däinghaus gezahlt hatte. Außerdem entließ Pinger seit seinem Amtsantritt zahlreiche Celesio-Manager, die den alten Kurs mitverantwortet hatten. Andere Manager sollen den Konzern aus eigenem Antrieb verlassen haben, weil sie mit Pinger nicht zurechtkamen.

 

Wohl auch wegen des Schwunds an Führungskräften kam der Konzernumbau nicht schnell genug voran. Zwar konnte das Unternehmen zum Jahresbeginn 2013 wieder schwarze Zahlen schreiben, im weiteren Jahresverlauf ging es aber wegen des harten Wettbewerbsdrucks unter den Großhändlern wieder bergab.

 

Irritationen gab es auch, nachdem sich Haniel von einem Teil seiner Celsio-Aktien trennte. Der Mehrheitsaktionär fuhr seinen Bestand auf 50,01 Prozent herunter. Die Folge waren Gerüchte über einen bevorstehenden Verkauf von Celesio. Angeblich sollte der US-amerikanische Pharmagroßhändler und Betreiber einer Drogeriekette CVS-Caremark Interesse an Celesio haben. Haniel machte aber deutlich, dass man nicht verkaufen wolle. Spekuliert wurde auch über Gespräche, die Celesio mit den beiden US-Pharmagroßhändlern McKesson und Cardinal Health geführt haben soll. Hierbei soll es nicht um einen Verkauf, sondern um eine Zusammenarbeit gegangen sein. Insgesamt war dies offenbar zu viel Unruhe für Haniel.

 

Die neue Celesio-Vorstandssprecherin Marion Helmes will nach eigenem Bekunden am bisherigen Kurs festhalten. Die Strategie bleibe absolut unverändert, sagte Helmes in einer Telefonkonferenz mit Investoren und Analysten. Der Celesio-Aktie haben die Turbolenzen in der Geschäftsführung überhaupt nicht gut getan. Der Kurs sank vom Jahreshoch in Höhe von 18 Euro am 1. Juli auf 15,13 Euro eine Woche später.

 

Wie es nun weitergeht, ist offen. In einem Beitrag vom 5. Juli spekuliert die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« (FAZ)auch über ein längeres Engagement von Helmes an der Spitze von Celesio. In der Börsenpflichtmitteilung des Großhändlers sei nicht von einer zeitlichen Befristung die Rede gewesen. Normalerweise seien dort alle Details aufgeführt.

 

Mögliche Nachfolger

 

Gleichzeitig bringt die FAZ aber mit Felix Zimmermann und Maximilian Teichert zwei weitere Vorsitzende von Haniel-Mehrheitsbeteiligungen als mögliche Nachfolger von Helmes ins Gespräch. Doch bleiben dies bis auf Weiteres Vermutungen. /

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