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Diabetiker

Gut vorbereitet in den Urlaub

26.07.2013
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Von Christina Hohmann-Jeddi, Wiesbaden / Im Urlaub ist vieles anders als zu Hause: das exotische Essen, die Aktivitäten wie Schwimmen, Schnorcheln oder Trekking und auch das Klima. Für Diabetiker gibt es da einiges zu bedenken und im Vorfeld zu planen.

»Menschen mit Diabetes können die gleichen Reisen machen wie Menschen ohne – sie müssen aber besser planen«, sagte Dr. Andreas Leischker von der Alexianer Krefeld GmbH auf dem diesjährigen Internistenkongress in Wiesbaden. Vor allem in Bezug auf die Reiseapotheke, Teststreifen, das mitzunehmende Insulin und eventuell mitzuführende Dokumente sind Vorkehrungen zu treffen, betonte der Arzt.

Ein Teil der Planung besteht darin, sich rechtzeitig vor dem Urlaub reisemedizinisch beraten zu lassen. Ein wichtiger Aspekt sind dabei Impfungen. Aufgrund der erhöhten Infektanfälligkeit sollten Diabetiker überprüfen lassen, ob Auffrischimpfungen für Diphtherie, Tetanus, Polio, Pertussis oder auch eine Grippeimpfung anstehen. Außerdem kann je nach Reiseland noch eine zusätzliche Impfung etwa gegen Hepatitis A, Cholera oder gegen Gelbfieber nötig sein.

 

Weiterhin sollte vor einer Reise auch eine gründliche ärztliche Untersuchung erfolgen, bei der Herz und Kreislauf getestet werden. Denn wer im Urlaub körperliche Aktivitäten wie Wandern oder Mountainbiking plant, sollte prüfen, ob er die Anstrengung auch aushält, zum Beispiel mithilfe eines Belastungs-EKG. Auch die Augen und die Nierenfunktion sollten untersucht werden. Der Arztbesuch ist zudem eine gute Gelegenheit, um den Gesundheitspass Diabetes zu aktualisieren, das Blutzuckertagebuch zu besprechen und das Wissen über die Erkrankung und die Therapie wieder aufzufrischen. So können Patienten sich beispielsweise beraten lassen, wie sie die Insulindosis bei Fieber oder einem Magen-Darm-Infekt anpassen müssen.

 

Der Arzt kann auch Dokumente wie die Diabetiker Travel Card oder einen internationalen Notfallausweis in mehreren Sprachen aushändigen. Ratsam ist es, eine ärztliche Bescheinigung über die Diagnose und die mitgeführten Medikamente und Utensilien bei sich zu führen – für den Zoll, die Sicherheitskontrollen am Flughafen oder auch für medizinische Institutionen im Reiseland.

Doppelte Mengen

 

In die Reiseapotheke gehören bei Diabetikern das Blutzuckermessgerät, Teststreifen, Insulin und die Dauermedikation. Das Messgerät sollte vor Hitze, direkter Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit geschützt werden. Eventuell sollten ein Ersatzgerät und vor allem zusätzliche Batterien eingepackt werden.

 

»Von den Teststreifen sollten Diabetiker doppelt so viele mitnehmen, wie sie für die Reisedauer normalerweise benötigen«, riet Leischker. Denn durch das ungewohnte Essen, sportliche Aktivitäten und das heiße Klima können die Blutzuckerwerte schwanken, was häufigeres Messen nötig macht. Die Teststreifen sollten am besten auf verschiedene Gepäckstücke verteilt werden. Sie sollten in der geschlossenen Dose und vor Hitze und Kälte geschützt aufbewahrt werden. Sie sind daher weder im Kühlschrank noch in der prallen Sonne gut aufgehoben. Für das Insulin gilt ebenfalls, dass die doppelte Menge mitzunehmen ist. Für den Notfall können Diabetiker sich auch vor Abreise ein Privatrezept über Insulin ausstellen lassen und sich über die Verfügbarkeit und den Präparatenamen im Urlaubsland beim Hersteller informieren.

 

Reise mit dem Flugzeug

 

Bei Flugreisen können Flüssigkeiten und Spritzen im Handgepäck an der Sicherheitskontrolle Probleme bereiten. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, sollten Diabetiker sich vor dem Abflug bei ihrer Fluglinie über die aktuellen Sicherheitsbestimmungen informieren. Medizinisch notwendige Medikamenten wie Insulin dürfen mitgeführt werden. Um Probleme zu vermeiden, sollte der Patient ein ärztliches Attest für den benötigten Bedarf vorzeigen können.

 

Wird das Insulin im Koffer verstaut, gilt auch hier der Hinweis, dass es am besten auf mehrere Gepäckstücke verteilt werden sollte, falls Koffer verloren gehen oder sich verspäten. Bedenken bezüglich der Stabilität sind jedoch unbegründet: Die Unterbringung im Frachtraum bereitet dem kälteempfindlichen Insulin keine Probleme. »Die Temperaturen im Frachtraum liegen deutlich im Plusbereich«, erklärte ein Pressesprecher der Lufthansa gegenüber der PZ. »Kälter als 2 Grad Celsius wird es auf keinen Fall, sonst könnten ja auch andere Flüssigkeiten nicht im Koffer transportiert werden.«

 

Insgesamt gilt: Insulin sollte zwischen 2 und 30 °C aufbewahrt werden und darf nicht eingefroren werden, da es sonst seine Wirksamkeit verliert. Beim Verzögerungsinsulin ist dies an Ausflockungen, bei Normalinsulin an einer milchigen Trübung zu erkennen. Bei kalter Witterung etwa beim Bergwandern oder bei Polarexpeditionen sollte das Präparat daher am besten in einem Brustbeutel unter dem Pullover getragen werden.

 

Die meisten Reisen gehen aber in wärmere Regionen, in denen das Insulin eher vor Hitze als vor Kälte geschützt werden muss. Dabei sind Kühltaschen nur bei Temperaturen über 30 °C erforderlich. Ungeöffnet ist Insulin im Kühlschrank bei 4 bis 8 °C aufzubewahren. Angebrochen kann es bis 30 °C noch bis zu vier Wochen verwendet werden. Es sollte aber vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt sein. Einen guten Schutz gegen übermäßige Hitze bieten spezielle Taschen für den Diabetesbedarf, die kleine Kühlelemente und Isolierungen enthalten.

 

Bei vielen Fluglinien können Diabetiker spezielle Menüs bestellen, was aber rechtzeitig vor dem Flug erfolgen muss. Eine spezielle Diabetiker-Kost ist Leischker zufolge aber nicht erforderlich. Vegetarische Menüs sind unter Umständen die bessere Wahl, da sie ausreichend komplexe Kohlenhydrate enthalten. Wichtig sei aber, das Insulin erst zu spritzen, wenn das Essen bereits serviert ist und vor einem auf dem Klapptisch steht. Denn auch wenn der Essenswagen schon auf dem Gang zu sehen ist, kann sich die Verteilung der Mahlzeiten durch Turbulenzen manchmal unerwartet verzögern. Während des Flugs sollten Diabetiker möglichst keinen Alkohol trinken, um das Hypoglykämierisiko gering zu halten.

 

Insulinpflichtige Diabetiker sollten bei Flugreisen auch die Zeitverschiebung im Blick haben, da sich durch sie der Insulinbedarf ändert. Bei einer Zeitverschiebung von unter vier Stunden sollte der zusätzliche Bedarf mit kurz wirksamem Normalinsulin abgedeckt werden, sagte Leischker. Bei Verschiebungen über vier Stunden ist die Flugrichtung entscheidend: Geht die Reise Richtung Westen, kommt es zu einer Verlängerung des Tages, weshalb eine höhere Basalinsulinmenge benötigt wird. Bei sechs Stunden sind das etwa 25 Prozent mehr, so der Referent. Bei einer Reise in Richtung Osten verkürzt sich quasi der Tag, weshalb die Basalinsulinmenge reduziert werden muss. Bis zum Erreichen des Zielorts sollte die deutsche Zeitzone beibehalten und die Uhr erst nach Ankunft umgestellt werden. Das Basalinsulin ist dann zur Ortszeit des Reiselandes zu spritzen.

 

Auch das Klima beeinflusst den Insulinbedarf. Bei hoher Außentemperatur wird das Hormon wegen der verstärkten Hautdurchblutung schneller resorbiert als üblich, was zu Stoffwechselentgleisungen führen kann. Bei großer Hitze und starkem Schwitzen kann der Flüssigkeitsverlust auch die Nierenfunktion verschlechtern. Vorsichtig sollten Diabetiker auch bei ungewohnten Speisen sein, deren Kohlenhydrategehalt schlecht einzuschätzen ist. Lieber einmal mehr messen ist hier die Devise. Auch ungewohnte körperliche Aktivitäten können den Stoffwechsel zum Entgleisen bringen.

 

Reise mit dem Auto

 

Aber nicht nur vor der Abreise, sondern auch unterwegs sollten Diabetiker einige Hinweise beherzigen, um Komplikationen und Stoffwechselentgleisungen zu vermeiden. Vor Beginn einer längeren Autofahrt sollte der Blutzuckerwert gemessen und dokumentiert werden. Er sollte zwischen 120 und 180 mg/dl liegen, empfahl Leischker. Es ist ratsam, alle zwei Stunden eine Pause einzulegen und erneut den Blutzucker zu kontrollieren und am besten auch zu dokumentieren. Eine gute Dokumentation kann im Falle eines Unfalls Schwierigkeiten vermeiden, indem sie Stoffwechselentgleisungen als Unfallursache ausschließt.

 

Regelmäßige Pausen bieten auch die Gelegenheit, etwas zu trinken und kleine Zwischenmahlzeiten einzunehmen. Insgesamt sollte der Blutzucker besser ein wenig zu hoch eingestellt werden, um Hypoglykämien vorzubeugen. Zudem sollten Traubenzucker, Bananen oder andere Snacks griffbereit im Handschuhfach bereitliegen. Bei Verdacht auf eine Unterzuckerung müssen Diabetiker sofort anhalten und dürfen frühestens nach einer halben Stunde weiterfahren, riet der Reisemediziner. /

Problemfeld Füße

Um Verletzungen und Infektionen an den Füßen zu verhindern, sollten Diabetiker niemals barfuß laufen und möglichst keine Sandalen tragen. Vor allem längere Touren sollten nur mit gut eingelaufenen Schuhen unternommen werden, riet Leischker. Treten doch einmal Läsionen an den Füßen auf, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden. Optional kann der Patient auch per Handykamera ein Foto machen und zur Einschätzung der Situation an den behandelnden Diabetologen schicken.

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