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Gesundheit wählen

26.07.2013
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Wird es im Bundestagswahlkampf um Gesundheitspolitik gehen? Spielt die Arzneimittelversorgung eine Rolle? Werden die Belange der Apotheker thematisiert? Wenn man den Parteien die Entscheidung über diese Fragen überlässt, dann sind die Antworten klar. Es wird ein bisschen um Gesundheitspolitik gehen, wohl kaum um die Arzneimittelversorgung und ganz sicher nicht um die Apotheker. Gesundheit ist für viele Menschen ein zentrales und oftmals auch mit persönlichen Sorgen verknüpftes Thema. Politiker scheuen es aber, weil sie hier kaum Pluspunkte sammeln können, solange sie ehrlich bleiben. Es ist deshalb gut, dass die Apotheker ihre Initiative »Gesundheit wählen« in diesen Tagen starten (lesen Sie dazu Wahlkampagne:Wir wollen ein Netzwerk aufbauen).

 

»Gesundheit wählen« ist der Versuch der Apothekerschaft, die drängendsten Themen der Gesundheitsversorgung in den Wahlkampf zu tragen. Wie wollen die Parteien die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft angehen? Welche Rolle haben die Apotheken dabei? Wie können die Leistungen angemessen vergütet werden? In den Wahl­programmen findet sich dazu wenig. Zur Bedeutung der Apotheker steht einiges im Programm der Linken (Wahlprogramm: Linke setzen auf Apotheker), doch wird deren Einfluss auch nach der Wahl klein bleiben.

 

Deshalb stellen die Apotheker allen Kandidaten aus den 299 Bundestagswahlkreisen diese und weitere Fragen direkt. Die Antworten werden im Internet veröffentlicht. Die Bürger können dort nachlesen, welcher Kandidat sich mit Gesundheitspolitik beschäftigt und auf dem Gebiet kompetent ist. Für Wähler kann dies Einfluss auf die Wahlentscheidung haben.

 

Die Initiative ist auch aus weiteren Gründen sinnvoll. Andere Akteure im Gesundheitswesen sind ebenfalls im Wahlkampf aktiv, etwa der GKV-Spitzenverband (GKV-Spitzenverband: Ja zu Pick-up und Ketten). Dessen Zukunftsmodell reicht tief in die Mottenkiste der Arzneimittelversorgung. Die Kassen fordern mehr Pick-up-Stellen und Vergünstigungen für den Versandhandel. Der Ruf nach Apothekenketten erinnert an das vergangene Jahrzehnt. Die Ärzteschaft wird sich ebenfalls in den Wahlkampf einmischen, wenn auch weniger rückwärtsgewandt .

 

»Gesundheit wählen« wird aber nur ein Erfolg, wenn die Initiative ausreichend bekannt ist. 50.000 Apotheker spielen für die Politik keine große Rolle. Deshalb muss es gelingen, die Aktion in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Die Apotheker wären genug Multiplikatoren dafür.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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