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Strom hilft gegen Clusterkopfschmerz

03.07.2012
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Von Sven Siebenand / Für Patienten, die trotz Medikamenteneinnahme gleichbleibend unter chronischem Clusterkopfschmerz leiden, stellt die sogenannte okzipitale Nervenstimulation (ONS) eine Therapieoption dar. Auch Patienten mit chronischer Migräne könnten davon profitieren, wie die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung in einer Pressemitteilung schreibt.

Bei der ONS setzen Ärzte den Patienten bis zu zwei Elektroden direkt unter der Haut am Nacken ein. Das erfolgt entweder unter Vollnarkose oder mit örtlicher Betäubung. Nach Bedarf können sich die Patienten bei einer Schmerzattacke über eine Fernbedienung dann Strom­impulse geben.

Ob das Verfahren wirkt, prüfen die Patienten zunächst mit einem Gerät in Größe einer Scheckkarte, mit dem sie die Elektroden an- und ausschalten. »Es kann vier bis sechs Wochen dauern, bis der Therapieeffekt einsetzt«, erläutert Professor Dr. Andreas Straube vom Universitätsklinikum München. Schlägt die Methode an, wird der Impulsgenerator implantiert, zum Beispiel im Fettgewebe oberhalb des Schlüsselbeines oder in der Gesäßregion.

 

Das genaue Wirkprinzip der ONS ist noch unklar. »Wahrscheinlich unterbinden die elektrischen Reize die Weiterleitung der Schmerzsignale im Hirnstamm«, vermutet Straube. Das ONS-Verfahren sei sicher, reversibel und seine Risiken überschaubar.

 

Eine in »Current Opinion in Neurology« erschienene Übersichtsarbeit fasst die Ergebnisse von Anwendungstests der Methode an 58 Menschen mit Clusterkopfschmerz und mehr als 200 Migräne-Patienten zusammen (doi: 10.1097/WCO.0b013e3283532023). Das Ergebnis: Bei etwa 72 Prozent der Betroffenen mit Clusterkopfschmerz ließ die Schmerzhäufigkeit und -intensität um mehr als 50 Prozent nach. »Auch noch nach fünf Jahren war ein Großteil der Betroffenen schmerzfrei«, so Straube. Bei Migräne-Attacken spürten 40 Prozent der Patienten eine deutliche Besserung. Langzeitstudien stehen Straube zufolge bei dieser Erkrankung aber noch aus. Die bisher beobachteten Erfolgsraten seien weniger stabil als bei Patienten mit Clusterkopfschmerz. / 

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