Pharmazeutische Zeitung online
Interview

Pharmaziestudium bekannter machen

05.07.2010  15:21 Uhr

Von Sven Siebenand / Maria-Christina Scherzberg ist die neue Präsidentin des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD). Im Gespräch mit der PZ stellt sie sich, ihren Verband und dessen Aufgaben und Ziele näher vor.

PZ: Frau Scherzberg, seit Mai sind Sie neue Präsidentin des BPhD. Was ist überhaupt der BPhD?

 

Scherzberg: Als Interessenvertretung des pharmazeutischen Nachwuchses setzen wir uns aktiv für die Belange der Studierenden ein, zum Beispiel die Optimierung unserer Ausbildung. Damit wollen wir dazu beitragen, dass der Apothekerberuf auch in Zukunft attraktiv bleibt.

 

PZ: Wie wird man Präsidentin, und was sind Ihre Aufgaben als solche?

 

Scherzberg: Der Vorstand des BPhD wird auf der Bundesverbandstagung (BVT) gewählt. Diese findet einmal im Semester statt und setzt sich aus Vertretern aller Pharmazie-Fachschaften aus Deutschland zusammen. Auf der letzten BVT im Mai in Münster stellte Hannes Müller das Präsidentenamt zur Neuwahl. Ich habe mich um seine Nachfolge beworben und wurde von den Delegierten mehrheitlich zur neuen Präsidentin gewählt. Als Präsidentin des BPhD ist es meine Aufgabe, die Interessen der Pharmaziestudierenden unter anderem gegenüber den Institutionen der Apothekerschaft, der pharmazeutischen Industrie und den Universitäten zu vertreten. Zusätzlich koordiniere ich die Vorstandsarbeit, damit wir die zielgerichtete Umsetzung unserer Aufgaben nie aus den Augen verlieren.

 

PZ: Welche Ziele haben Sie sich für die Zeit Ihrer Präsidentschaft vorgenommen?

 

Scherzberg: Unter anderem möchte ich, dass der BPhD und seine Aktivitäten noch stärker von den Mitgliedern unseres Berufsstandes und auch der Studierenden wahrgenommen werden. Dies soll vor allem durch eine verstärkte Pressearbeit erreicht werden. Ein erster Schritt in diese Richtung ist, dass der BPhD nun regelmäßig hier in der PZ über seine Arbeit berichten kann. Denn all unsere Bemühungen sind nur halb so viel wert, wenn niemand davon erfährt.

 

PZ: Welche Projekte des BPhD wollen Sie fortführen, welche neuen sind in ­Planung?

 

Scherzberg: Eines der Anliegen des BPhD ist die Verbesserung der Ausbildung im Praktischen Jahr. Im Moment befindet sich ein Fortbildungsangebot, das speziell für Studierende in den höheren Semestern und Pharmazeuten im Praktikum ausgelegt ist, in der Planungsphase. Dieses soll den Einstieg in die Welt der Offizinpharmazie erleichtern. Weiterhin möchte ich unter anderem unsere gute Zusammenarbeit mit den Organisationen der Apothekerschaft fortführen und die Entwicklung des interdisziplinären Zusammenschlusses IZaG (Initiative zur Zusammenarbeit angehender Gesundheitsberufler) unter-stützen.

 

PZ: Wo können sich Pharmaziestudierende über weitere Aktivitäten des BPhD informieren?

 

Scherzberg: Auf unserer Homepage www.bphd.de finden sich immer aktuelle Informationen zu unserer Arbeit. Aber auch, wie schon erwähnt, können die Studierenden sich regelmäßig in der PZ informieren. Am meisten erfährt man über unsere Arbeit jedoch, wenn man sich in seiner Fachschaft engagiert und an einer Bundesverbandstagung teilnimmt. Bei konkreten Fragen stehen wir auch immer gerne per E-Mail unter info(at)bphd.de zur Verfügung.

 

PZ: Wo gibt es beim Pharmaziestudium noch Nachbesserungs- oder Änderungsbedarf?

 

Scherzberg: Einige der Methoden und Inhalte des Grundstudiums sollten darauf geprüft werden, ob sie heute noch eine so große pharmazeutische Relevanz haben, wie das früher einmal der Fall war.

 

Auch knapp zehn Jahre nach Einführung der Klinischen Pharmazie als Prüfungsfach im Zweiten Staatsexamen gibt es hier weiter Optimierungsbedarf. Bis jetzt hat noch nicht einmal die Hälfte der Pharmazie-standorte eine Professur oder Juniorprofessur für dieses Fach, weswegen ein Wahlpflichtpraktikum oder sogar eine Promotion nicht überall möglich sind.

 

PZ: Stichwort Nachwuchsmangel: Wie könnte man das Studium noch attraktiver machen?

 

Scherzberg: Das Pharmaziestudium ist für Schüler mit einem breiten naturwissenschaftlich-medizinischen Interesse einer der attraktivsten Studiengänge, da es ein modernes und interdisziplinäres Studium ist. Die Einführung des Studienfachs Klinische Pharmazie war in diesem Zusammenhang ein entscheidender Schritt. Auch die vielfältigen Beschäftigungsmöglichkeiten und die geringe Arbeitslosigkeit, wie vor Kurzem wieder von der Bundesagentur für Arbeit publiziert, tragen zur hohen Attraktivität des Studiums bei.

 

Ich sehe das Problem daher eher in dem geringen Bekanntheitsgrad. Die Schüler müssen frühzeitig auf die Inhalte und Möglichkeiten, die das Pharmaziestudium bietet, aufmerksam gemacht werden. Bei dem Beruf des Apothekers denken die meisten leider immer noch zunächst an eine kaufmännische Ausbildung. Wenn wir mehr über das Studium informieren, wird die Attraktivität des Studiums für sich sprechen.

 

PZ: Bachelor- und Masterstudium sind in vielen Fächern mittlerweile Standard: Ist das auch für das Fach Pharmazie angedacht? Wie steht der BPhD zum Thema ­Bachelor- /Masterstudiengang im Fach Pharmazie?

 

Scherzberg: Im Moment sind uns keine konkreten Pläne zur Änderung der Approbationsordnung zugunsten der Einführung eines Bachelor-Master-Studienganges bekannt. Man sollte die Einführung eines solchen Systems kritisch betrachten, da die staatliche Kontrolle bei unserer Ausbildung sehr wichtig ist. Der Staat sollte die Verantwortung Menschen auszubilden, die das Volk sachgerecht mit Arzneimitteln versorgen sollen, nicht leichtfertig aus der Hand geben.

 

PZ: Pharmakologie, Technologie oder Biologie: Welches Fach an der Uni macht Ihnen am meisten Spaß?

 

Scherzberg: Eigentlich favorisiere ich keines der genannten Fächer, da mir alle Richtungen der Pharmazie großen Spaß machen. Meine größte Leidenschaft liegt allerdings in der Pharmazeutischen Chemie. Hier faszinieren mich die Untersuchung von biochemischen Prozessen und ihre Relevanz bei der Arzneimittelwirkung am meisten.

 

PZ: In welche Richtung soll es nach dem Studium gehen? Apotheke, Uni, Industrie?

 

Scherzberg: Nach meinem Zweitem Staatsexamen und der Praktischen Ausbildung in der Apotheke möchte ich auf jeden Fall eine Promotion anschließen. Ob ich danach weiterhin die universitäre Laufbahn einschlage oder es mich in eine ganz andere Richtung leitet, kann ich jetzt allerdings noch nicht sagen. Grundsätzlich würde ich es auch nicht ausschließen, eines Tages in meiner eigenen Apotheke zu arbeiten.

 

PZ: Bleibt neben Studium und BPhD-Engagement überhaupt noch Zeit für Hobbys und Unternehmungen? Wenn ja, für welche?

 

Scherzberg: Es ist in der Tat ein gutes Zeitmanagement notwendig, um nebenher auch einmal Zeit für sich oder Unternehmungen zu finden. Entspannung finde ich im Alltag bei meinen Freunden oder auch alleine an meinem Klavier. Hin und wieder mache ich am Wochenende einen Ausflug zum Beispiel ins Elsass oder in die Pfalz, zum Glück liegt das Saarland wirklich ideal im Herzen Europas. / 

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