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BPhD

Einige Baustellen sind zu beackern

06.06.2017  14:49 Uhr

Von Sven Siebenand / Max Willie Georgi ist der neue Präsident des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD). Egal, ob hinsichtlich Pharmaziestudium oder Praktisches Jahr: Der Student an der Universität Jena will in seiner Amtszeit so einiges bewegen.

PZ: Herr Georgi, was haben Sie sich für Ihre Präsidentschaft vorgenommen?

 

Georgi: Zuerst einmal möchte ich mich dem Vorstand und den Verbandsstrukturen widmen. Der neue Vorstand muss nach der Bundesverbandstagung eine gemeinsame Dynamik entwickeln. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem neuen Beauftragten für Gesundheitspolitik, welcher seinen Platz im Team finden muss. Ebenso möchte ich neue Wege der Kommunikation mit unseren Mitgliedern erschließen und die stärkere und nachhaltige Arbeit mit unseren Ehemaligen pflegen.

 

PZ: Welches sind die laufenden Projekte, die Sie von Ihrer Vorgängerin Friederike Zühl übernommen haben?

 

Georgi: Ich werde ihre Arbeit an den akademischen Ausbildungsapotheken vorantreiben. Dies ist ein Projekt, was sowohl ihr als auch mir persönlich sehr am Herzen liegt. Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Kammern und Verbänden möchte ich ebenfalls fortführen und pflegen.

 

PZ: Schon seit Längerem fordert der BPhD eine Änderung der Approbationsordnung. Wie würden Sie sich die Anpassung der Studieninhalte wünschen? Was soll rein ins Curriculum, was raus?

 

Georgi: Nicht mehr zeitgemäße Inhalte sollten überdacht und die Schwerpunkte neu gesetzt werden. Da haben wir als Verband natürlich eine ganz konkrete Meinung mit dem Thesenpapier der AG Zukunft Anfang des Jahres veröffentlicht. Ich persönlich sehe eine Kürzung der Analytik im Studium als sehr wichtig an. Damit könnte man Platz schaffen, um andere pharmazeutische Kompetenzen zu stärken, zum Beispiel im Bereich der Klinischen Pharmazie. Wenn man sich einmal die internationale Situation ansieht, dann merkt man recht schnell, dass wir dort handeln müssen, um nicht das Schlusslicht zu werden.

 

PZ: Auch die Verlängerung des Pharmaziestudiums ist eine Forderung des BPhD. Käme es dazu: Wie sollte die zusätzliche Studienzeit dann inhaltlich genutzt werden?

 

Georgi: Das Studium sollte auch der persönlichen Entwicklung dienen. Momentan ist das Curriculum überladen und man arbeitet meist nur auf die nächste Prüfung hin. Dieses »Bulimie-Lernen« ist wenig nachhaltig. Es fehlt die Zeit, um sich mit Thematiken, die einen persönlich interessieren, zu beschäftigen. Ich würde mir gern einmal die Zeit nehmen können, um in einem Buch über Wirkstoffdesign oder innovative Arzneiformen zu schmökern. Ebenso sollte man die Informationen der einzelnen Disziplinen frühzeitig miteinander verknüpfen können. Es ist schön, wenn es in den fünf Wochen vor dem Zweiten Staatsexamen Klick macht, es wäre aber schöner, wenn das schon früher passiert.

 

PZ: Was glauben Sie, wie erfolgreich der Verband mit den beiden Forderungen sein wird?

 

Georgi: Über kurz oder lang wird kein Weg an einer Änderung der Approbationsordnung vorbeiführen. Vor einem Jahr hat die Bundesapothekerkammer das neue Berufsbild des Apothekers definiert. Die Anforderungen an einen Apotheker beziehungsweise Pharmazeuten haben sich gewandelt und da muss sich auch das Studium wandeln, damit wir diese bestmöglich bedienen können. Bald wird die Approbationsordnung 20 Jahre alt. Ich möchte nicht warten, bis sie 60 wird, wie die aktuelle Approbationsordnung der Zahnmediziner. Natürlich bietet unsere aktuelle Approbationsordnung lediglich einen groben Rahmen mit viel Spielraum, aber dieser ist eben auch nicht mehr zeitgemäß.

 

PZ: Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärzten will Ihr Verband schon im Studium fördern, indem Medizin- und Pharmaziestudenten zusammenrücken. Wie soll das genau aussehen? In welchen Fächern könnte man gemeinsam lernen?

 

Georgi: Wo kann man besser die interprofessionelle Arbeit zwischen Ärzten und Apothekern stärken und Berührungsängste abbauen, wenn nicht im Studium? Die Studierenden sind jung und offen. An der Universität lernt man sich über Sport, Partys oder in Wohngemeinschaften kennen und mögen. Das muss genutzt werden, um auch den Grundstein für gemeinsame Arbeit zu legen. In gemeinsamen Seminaren oder Übungen können beide Gruppen ihre jeweiligen Kompetenzen zeigen und die des anderen kennenlernen. Vielen Ärzten ist nicht bewusst, was der Apotheker alles leisten kann. Gemeinsame Patientenfälle bearbeiten und Berührungsfelder zwischen Fächern wie Pharmakotherapie und Diagnostik schaffen, wäre ein Weg, die gemeinsame Arbeit zu üben.

 

PZ: Gibt es im Studium weitere Baustellen, die Sie neu angehen möchten?

 

Georgi: Den meisten Studierenden fehlt neben dem Stu­dium die Zeit, arbeiten zu gehen, obwohl sie das Geld dringend bräuchten. Neben dem Lebensunterhalt kommen an einigen Standorten auch teure Chemikalienrechnungen oder Praktikumsgebühren hinzu. Stipendien findet man in der Pharmazie hingegen zu selten. Ich möchte in dieser Hinsicht dabei helfen, dass neue Möglichkeiten geschaffen werden.

 

PZ: Kommen wir zum Praktischen Jahr: Gibt es auch hier Aspekte, die sich dringend ändern sollten?

 

Georgi: Definitiv. Es kann einfach nicht sein, dass es keinen Standard in der Lehre im dritten Ausbildungsabschnitt gibt. Die Studierenden werden nach dem Zweiten Staatsexamen mehr oder weniger sich selbst überlassen und das endet immer noch nicht selten in keiner guten Ausbildung im Praktischen Jahr, weil es den zuständigen Apotheker einfach nicht interessiert. Wir müssen endlich einheitliche Ansprüche an das PJ stellen. Mit dem Leitfaden der Bundesapo­thekerkammer wurde bereits eine sehr schöne Grundlage geschaffen. Diese muss von aber auch allen genutzt werden! Auch an die zuvor bereits erwähnten akademischen Aus­bildungsapotheken möchte ich in diesem Zusammenhang nochmal erinnern.

 

PZ: Welches Fach an der Uni macht Ihnen am meisten Spaß?

 

Georgi: Bisher hat mich der Bereich der Immunologie und Biopharmazeutika am meisten fasziniert. Ich freue mich jedoch auch schon auf die pharmazeutische Technologie und bin gespannt, was da noch kommt.

 

PZ: Wissen Sie schon, welche Richtung Sie nach dem Studium und dem PJ einschlagen wollen?

 

Georgi: Ich strebe erst einmal eine Promotion an und möchte bei der Erforschung von Infektionskrankheiten helfen. Sicher ist das jedoch nicht. Vielleicht lande ich ganz woanders.

 

PZ: Studium und nun BPhD-Präsident: Bleibt noch Zeit für andere Hobbys?

 

Georgi: Es verbleibt noch Zeit für meine Freunde und ich spiele zudem Volleyball in unseren Unisportkursen. /

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