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Sonnenschutz

Der richtige Umgang mit der Sonne

02.07.2007
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Titelbeitrag PZ 22/07).

 

Apothekenmitarbeiter sollten bei der Abgabe von Sonnencremes trotz vermeintlicher Banalität stets darauf hinweisen, dass das Produkt möglichst schon 20 bis 30 Minuten vor dem Sonnenbad und mehrfach wiederholt, vor allem nach dem Schwimmen, aufgetragen werden sollte. Nur so kann der deklarierte Schutz überhaupt erreicht und nicht etwa verlängert werden.

 

Außerdem sollte das Sonnenschutzmittel großzügig aufgetragen werden. Denn den standardisierten Industrietests wird eine verbrauchte Menge von 2 mg/cm2 Haut zugrunde gelegt, was bei der durchschnittlichen Körperoberfläche eines Erwachsenen von 2 m2 etwa 40 ml Lotion ergibt. »Das schafft kaum einer«, sagt Forschner. So haben auch verschiedene Untersuchungen ergeben, dass der auf den Verpackungen von Sonnenschutzmitteln deklarierte Schutzfaktor bei der üblichen Anwendung nicht erreicht wird.

 

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat daher bereits vor zwei Jahren vorgeschlagen, die Testmethoden im Labor dem Verbraucherverhalten anzupassen. Doch die Industrie testet weiterhin nach der herkömmlichen Norm. Angesichts dieser Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis wird auch dem Laien verständlich, wie wichtig es ist, regelmäßig nachzucremen.

 

Eine angemessene Dosierung ist bei Pigmenthaltigen Präparaten leichter zu erkennen, da diese weißeln. »Ein Weißeffekt ist erwünscht und verliert sich zudem nach kurzer Zeit«, erklärt der Mediziner. Verbraucher können ihn somit als Indikator für einen wirksamen Schutz sehen. Eine der Realität angepasste Merkformel des Dermatologen lautet: »An einem Strandtag benötigt eine vierköpfige Familie fast eine 150-ml-Flasche«

 

Individuelle Tipps

 

Da die empfohlene Auftragmenge selten erreicht wird, sollte der Lichtschutzfaktor möglichst hoch sein. Für den Strandurlaub empfiehlt Forschner Menschen vom Hauttyp I (helle Haut/Sommersprossen/rote oder blonde Haare) Cremes mit LSF 40 oder höher, vom Hauttyp II (helle Haut/blonde Haare) Präparate mit LSF 30 bis 40. Selbst Braunhaarigen (Typ III) rät der Dermatologe, mindestens einen LSF 20 zu benutzen. Kunden, die befürchten, nicht mehr braun zu werden, kann eventuell ein Rechenbeispiel überzeugen: Denn der LSF verlängert zwar die Zeitspanne bis zum Sonnenbrand um den entsprechenden Faktor. Doch wenn man bedenkt, dass die Eigenschutzzeit der Haut in der Sommersonne anfänglich nur 5 (Hauttyp I) bis 30 Minuten (Hauttyp III) beträgt, wird die hoch erscheinende Empfehlung allzu verständlich.

 

Bei Kindern ist ein hoher LSF von mindestens 40 ein Muss. Zudem wird empfohlen, Cremes mit physikalischen Filtern zu benutzen, da die Diskussion über eine estrogene Wirkung einiger chemischer Filter (vor allem der Zimtsäureester) noch immer nicht beendet ist. Generell ist es ratsam, hypoallergene, parfümfreie Präparate zu kaufen. Dies kann etwa der Mallorca-Akne weitestgehend vorbeugen, deren Auftreten durch fettige Cremes begünstigt wird. Kunden sollten auch wissen, dass es sich lohnt, hiesige, wenn auch tendenziell teurere Produkte zu verwenden, da ausländische Präparate Konservierungsmittel enthalten können, die hautirritierend sind.

 

Besonders Menschen mit Neurodermitis müssen darauf achten, dass ihr Produkt hypoallergen ist und weder Parfum noch Konservierungsmittel enthält. Psoriasispatienten sind weniger empfindlich, so Forschner. Beiden Patientengruppen ist gemein, dass für sie die Sonnenbestrahlung gleichsam Therapie ist und hier selbst Dermatologen einen, allerdings bewussten, Umgang mit der Sonne empfehlen. Dabei profitieren Psoriatiker wie in der Strahlentherapie davon, dass sich ihre Keratinozyten unter UV-B-Bestrahlung weniger stark teilen. Patienten mit atopischer Dermatitis, deren Überempfindlichkeitsreaktion auf einer Hochregulierung von Th2-Zellen beruht, nützt dagegen der immunsuppressive Effekt von UV-A-Strahlung.

 

Seit Neuestem bewerben manche Hersteller ihre Sonnencremes auch mit einem neuen »Infrarot-Schutz«, der laut Forschner allerdings nicht mehr als eine Marketingstrategie ist. Zwar sei es experimentell »gelungen«, bei Mäusen per Infrarotbestrahlung Hautkrebs auszulösen, die Dosen betrugen aber ein Vielfaches der normalen Strahlung. Somit sei dieser Schutz für den Menschen irrelevant, sagt Forschner.

 

Sonnenbrand lindern

 

Nach dem Sonnenbaden und meist häufigem Duschen ist auch die Nachpflege wichtig. Hier sind bei der Hitze Gele zwar angenehm kühlend, trocknen aber auch die Haut aus. Eine Après-Pflege sollte vielmehr den transepidermalen Wasserverlust ausgleichen und wie eine Creme, Emulsion oder Lotion einen hohen Wasseranteil aufweisen. Salben eignen sich daher nicht.

 

Viel beworbene Zusätze von entzündungshemmendem Aloe vera oder dem Radikalfänger Vitamin E können aus Sicht des Dermatologen vorteilhaft sein, ihre Wirkung sei aber nicht klinisch erwiesen. Urea pura, Dexpanthenol, Bisabolol oder Glycerin erhöhen den Feuchtigkeitsanteil des Produktes und bilden somit ebenfalls einen sinnvollen, wenn auch nicht essenziellen Zusatz. Nicht enthalten sein sollten PEG-Emulgatoren, Konservierungsmittel, allergieauslösende Duftstoffe oder synthetische polyzyklische Moschus-Verbindungen, die sich im Fettgewebe anreichern können.

 

Eine leichte Rötung der Haut kann das Algenenzym Photolyase lindern (in Ladival® Regeneration après). Das Enzym spaltet die durch UV-B-Strahlung entstandenen Thymidindimere auf und regeneriert auf diese Weise die geschädigte DNA. Besser als bei diesem Enzym sei die Studienlage laut Forschner bei einem zweiten DNA-Reparaturenzym, der sogenannten T4N5-Endonuklease. Diese spaltet UV-induzierte Pyrimidindimere und wird Erfolg versprechend als topische Substitutionstherapie bei einem Enzymdefekt angewandt. Evidenzbasierte Studien zur Verbesserung von UV-induzierten Langzeitschäden stehen bei beiden Formulierungen jedoch aus.

 

Antihistaminikum nicht topisch

 

Bei stärkeren, schmerzhaften Verbrennungen sollte lokal ein mildes Cortisonpräparat aufgetragen werden, um die Entzündung zu mildern. Zu Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Indomethacin rät Forschner bei Schmerzen. Gegen Juckreiz, Gefäßerweiterung und damit gegen Rötung und Schwellung der betroffenen Hautareale eignen sich peroral applizierte Antihistaminika. Topisch aufgetragen seien sie zu niedrig dosiert und besser für die Behandlung von Mückenstichen geeignet, so der Dermatologe.

 

Eine homöopathische Behandlung von Sonnenallergie oder Sonnenbrand mit Acidum hydrofluoricum D12, Aconitum D6 oder Cantharis D6, der Spanischen Fliege, hält der Mediziner auch bei Kindern wegen mangelnder Wirksamkeitsnachweise nicht für sinnvoll.

 

Phototoxische Reaktion möglich

 

Patienten sollten wissen, dass einige Medikamente ihre Haut empfindlicher gegenüber Sonnenstrahlung machen. Dies betrifft in der Selbstmedikation vor allem Johanniskraut-, Arnika- sowie Baldrianpräparate. Häufig sind phototoxische Reaktionen auch bei Doxycyclin und anderen Tetracyclinen zu beobachten. Die klinisch wichtigsten systemisch phototoxisch wirkenden Medikamente sind laut AWMF-Leitlinie ferner Psoralene, Nalidixinsäure, Furosemid, Amiodaron, Phenothiazine, Quinolone, nichtsteroidale Antiphlogistika und Fibrate. Die Leitlinie ist unter www.uni-duesseldorf.de/awmf/ll/013-035.htm einzusehen.

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