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Arzneimittelreport

Sparen, sparen, sparen

26.06.2012
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Von Werner Kurzlechner, Berlin / Zu große Packungen, zu viele Rezepte für Me-too-Präparate, eine ausbaufähige Generikaquote: Der Arzneimittelreport der Barmer GEK beinhaltet reichlich Einsparreserven. Trotz Überschüssen will die Kasse den Apothekern aber kein größeres Stück vom Ausgabenkuchen gönnen.

Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK, keilte bei der Vorstellung des jährlichen Arzneimittelreports seiner Kasse in viele Richtungen. Auch die Apotheker bekamen am Dienstag in Berlin eine Breitseite ab. Die ABDA-Forderung nach einer Erhöhung der Fixpauschale von 8,10 auf 9,14 Euro und einer Senkung des Apothekenabschlags von 2,05 auf 1,75 Euro missfällt dem Kassenmann erwartungsgemäß. »Für uns ist das völlig inakzeptabel«, sagte Schlenker. Als Provokation in Richtung Apotheken, aber auch pharmazeutische Industrie wirkte auch Schlenkers Lobeshymne auf das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG). »Das AMNOG ist das beste Gesetz im Bereich des Gesundheitswesens, das wir von dieser Bundesregierung erhalten haben«, schwärmte Schlenker.

Es mischte sich also eine gehörige Portion kassenpolitischen Säbelrasselns in die Vorstellung der Studie. Sie bestätigt basierend auf Versichertendaten der Barmer GEK den Erfolg der Kostendämpfungspolitik. 3,934 Milliarden Euro gab die Kasse 2011 für Arzneimittel aus. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein äußerst moderater Anstieg um 1,15 Prozent.

 

Professor Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen als Mitautor der Studie vermutet in den Ausgaben der Kasse Einsparreserven von mindestens 480 Millionen Euro. Nach Glaeskes Einschätzung wäre der größte Batzen davon im Segment der Me-too-Arzneimittel ohne erkennbaren Zusatznutzen gegenüber deutlich günstigeren Präparaten zu realisieren, für die die Barmer GEK insgesamt 827 Millionen Euro ausgab. Als Musterbeispiel führte Glaeske den Cholesterinsenker Inegy®, aber auch Medikamente wie Lyrica®, Seroquel® und Targin® an. Angesichts eines mit 3,47 Prozent deutlichen Anstiegs bei den verordneten Tagesdosierungen mahnte Glaeske an, Ärzte sollten die Therapie mit kleinen Packungen beginnen.

 

Daneben setzt der Report in diesem Jahr zwei besondere Akzente. Erstens werden Geschlechterunterschiede thematisiert. Frauen bekommen zwei- bis dreimal mehr Psychopharmaka als Männer. Auf 100 Frauen entfallen durchschnittlich 937 Arzneimittelverordnungen, auf Männer lediglich 763. »Wir brauchen eine Negativliste, die Ärzte verlässlich über Wirkstoffe informiert, die bei Frauen gefährliche Effekte auslösen können«, so Glaeske.

 

Zweitens fiel auf, dass Zahnärzte für ein Zehntel der Antibiotika-Ausgaben verantwortlich sind. Zahnärzte verschrieben vorzugsweise Clindamycin anstelle des in den Leitlinien empfohlenen Amoxicillins. Zu hinterfragen sei auch die Vorliebe der Dentisten für Kombinationsschmerzmittel wie Dolomo TN. »Monopräparate wie Ibuprofen sind ohne Zweifel vorzuziehen«, so Glaeske. /

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