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Repellentien

Geschützt vor Zecken, Mücken und Co.

26.07.2013
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Von Stefan Oetzel / Insekten und Zecken sind nicht nur lästig, sondern können eine echte Gesundheitsgefahr darstellen. So ist für Allergiker ein Wespen- oder Bienenstich unter Umständen lebensbedrohlich. Infektionskrankheiten wie Malaria, Meningitis und Borreliose können durch Mücken beziehungsweise Zecken übertragen werden. Repellentien bieten die Möglichkeit der Prophylaxe sowohl im Alltag als auch auf Reisen.

Der Begriff Repellent kommt vom Lateinischen Wort »repellere«, was »zurücktreiben« oder »abhalten« bedeutet. Damit ist auch schon die Wirkung der Substanzen beschrieben: Repellentien oder auch Repellents sind Wirkstoffe, die auf die Haut oder die Kleider auf­gebracht werden und dazu dienen, auf chemischem oder biologischem Wege Schädlinge oder Lästlinge abzuschrecken und fernzuhalten. Sie werden zur Abwehr von Insekten wie Bremsen, Fliegen, Stechmücken, Bienen und Wespen oder von Zecken beim Menschen oder bei Tieren eingesetzt. Ziel einer solchen Expositionsprophylaxe ist es, Stiche beziehungsweise Bisse und deren Folgen wie Infektionskrankheiten oder aller­gische Reaktionen zu vermeiden.

Wirkmechanismus ungeklärt

 

Als Insektenschutzmittel kommen natürliche Stoffe wie verschiedene ätherische Öle, aber auch synthetisch hergestellte Substanzen zum Einsatz. Die wichtigsten beim Menschen eingesetzten Wirkstoffe und die Organismen, gegen die sie wirken, sowie deren Wirksamkeit und eventuelle Nebenwirkungen sind in der Tabelle aufgeführt.

 

Der genaue Wirkmechanismus der Repellentien ist noch nicht vollständig geklärt. Die eingesetzten Substanzen weisen jedoch einen niedrigen Dampfdruck auf und können so einen dünnen, schützenden Duftmantel über die Haut legen. Dieser stößt entweder durch seinen Geruch Insekten direkt ab oder blockiert deren Duftrezeptor. Dadurch können die Insekten körpereigene Düfte wie den der Milchsäure im Schweiß schlechter wahrnehmen und werden deshalb von der Haut des Menschen ferngehalten. Dabei hängt die Wirksamkeit des Repellents von der Dosis und chemischen Zusammensetzung des Wirkstoffs, aber auch von den Umgebungsbedingungen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind), vom Ausmaß des Schwitzens und von der Art der Insekten ab.

Repellentien werden in zahlreichen Zubereitungsformen angeboten, die mit verschiedenen Vor- und Nachteilen verbunden sind: Sprays und Aerosole lassen sich gut an schwer zugänglichen Stellen auftragen, sollten aber nicht in geschlossenen Räumen angewandt werden. Lotionen, Cremes und Gels können besonders einfach gleichmäßig über eine größere Fläche verteilt werden und enthalten zudem manchmal hautpflegende Inhaltsstoffe. Die Substanz muss aber mit den Händen aufgebracht werden. Dabei besteht die Gefahr, dass auch unerwünschte Stellen wie die Augen oder Schleimhäute mit dem Wirkstoff in Berührung kommen. Stifte lassen sich hingegen gezielter auftragen, sind aber schwieriger über große Flächen zu verteilen. Mückenbänder und -streifen bieten im Gegensatz zu flüssigen Repellentien keinen flächendeckenden Schutz.

 

Der Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amtes sowie die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin empfehlen bei Tropenreisen die Anwendung von Repellentien zur Prophylaxe vor Mückenbissen, um sich so zum Beispiel vor Malaria oder Denguefieber zu schützen. Dabei haben sich in Tests der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die beiden Wirkstoffe Diethyltoluamid (DEET) und Icaridin bewährt. Natürliche ätherische Öle sind hingegen zur Vorbeugung gegen tropische Infek­tionskrankheiten nicht geeignet.

 

Um das Risiko von durch Mücken übertragenen Krankheiten zusätzlich zu verringern, werden neben dem Einsatz von Repellentien weitere Maßnahmen empfohlen:

 

  • Anwendung von Moskitonetzen
  • Tragen heller, mit Insektenschutzmitteln imprägnierter Kleidung
  • Aufenthalt in mückensicheren Räumen (Fliegengitter, Klimaanlage)
  • Verwendung von Insektiziden (Spray, Verdampfer, Räucherspiralen)


Sonderfall Kinder

 

Im Allgemeinen sind die eingesetzten Substanzen gut verträglich und hautfreundlich. Dennoch müssen speziell bei Kindern einige Punkte beachtet werden, wenn sie mithilfe von Repellentien vor Insekten und Zecken geschützt werden sollen:

 

  • Bei Kindern unter zwölf Monaten wird die Anwendung von Repellen­tien nicht empfohlen, da die Gefahr von ZNS-Reaktionen und Krämpfen besteht. Hier sollten ausschließlich mechanische Maßnahmen durchgeführt werden wie das Anbringen eines Moskitonetzes oder das Tragen langärmliger, heller Kleidung.
  • Repellentien auf der Basis von EBAAP können nach Vollendung des ersten Lebensjahres angewendet werden, da dieser Wirkstoff in aller Regel sehr gut verträglich ist.
  • Icaridin ist für Kleinkinder ab zwei Jahren geeignet. Voraussetzung hierfür ist eine sparsame Dosierung.
  • DEET sollte nicht bei Säuglingen und Kleinkindern und auch nicht während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden. Bei Kindern im Alter von über drei Jahren kann die Subs­tanz eingesetzt werden, sollte dabei aber sparsam dosiert werden. Es gibt auch Empfehlungen, nach denen DEET-haltige Repellentien nicht bei Kindern unter acht Jahren zum Einsatz kommen sollten.
  • Bei DMP-haltigen Mitteln wird die Anwendung erst bei Kindern ab fünf Jahren empfohlen.

 

Darüber hinaus sollten die Eltern da­rauf achten, dass die Substanz nicht auf den Händen des Kindes verteilt wird. So soll verhindert werden, dass das Mittel auf das Gesicht oder in den Mund gelangt. Außerdem ist es wichtig, dass beim Auftragen Augen, Mund und Nasenöffnungen ausgespart werden und der Wirkstoff nicht auf Wunden oder Schleimhäute gelangt. /

Tabelle: Übersicht über die wichtigsten Repellentien, ihre Wirkstoffe, Zielorganismen und Wirkungen

Wirkstoff Handelsname (Auswahl) Zielorganismen Wirksamkeit/ unerwünschte Wirkungen
DEET (Diethyltoluamid) synthetischer Wirkstoff Anti Brumm® forte Nobite® Hautschutzgel/ -spray Parazeet Spray tropische Gebiete Bremsen, Fliegen, Flöhe, Milben, Läuse, (Stech)-Mücken, Zecken DEET wird zur Malariaprophylaxe eingesetzt DEET hat eine gute Schutzwirkung. NW (selten): lokale Haut- und Schleimhautreaktionen, Hautreizungen, allergische Reaktionen, Juckreiz, Angioödem DEET greift gewisse Kunststoffe an, zum Beispiel in Sonnenbrillen, Kleidung und Uhren.
Icaridin (Bayrepel®) synthetischer Wirkstoff Anti Brumm® sensitiv Anti Brumm®Zecken Stopp Autan® Family Autan® Protection Plus Spray/Zeckenschutzspray Nobite® Sensitive Parazeet Spray europäische Länder Bremsen, Fliegen, (Stech)-Mücken, Zecken Icaridin wird zur Malariaprophylaxe eingesetzt Icaridin hat eine gute Schutzwirkung. NW (selten): Haut- und Schleimhaut­reizungen, allergische Hautreaktionen, Urticaria, Nasenbluten Icaridin greift im Gegensatz zu DEET Kunststoff nicht an.
IR3535 beziehungsweise EBAAP (Ethylbutylacetyl­aminopropionat) synthetischer Wirkstoff Tropic Anti Mücken Spray ExoPic Kids Spray Flystop® Stichfrei Bienen, Bremsen, Fliegen, (Stech)-Mücken, Wespen, Zecken EBAAP ist weniger und kürzer wirksam als zum Beispiel DEET, wird jedoch besser vertragen.
DMP (Dimethylphthalat) oft in Kombination mit DEET synthetischer Wirkstoff Deco Antimückenmilch® Kik active® Hausmücken, Stechmücken, Fieber­mücken, Die Wirkung auf Fliegen und Zecken ist noch nicht vollständig geklärt. DMP wirkt im Vergleich zu DEET und anderen Repellentien schwächer NW: leicht erbgutverändernde (mutagene) Wirkung DMP greift Kunststoffe an
Citriodiol® beziehungsweise PMD (p-Menthan-3,8-diol) natürlicher Wirkstoff (Bestandteil aus den Blättern des Zitronen­eukalyptus), wird auch synthetisch hergestellt Anti Brumm® Naturel Insectfree Anti Insekten Gel Insectfree Anti Mücken Spray Taoasis®Mückenstopp PMD gilt als eines der wirksamsten natürlichen Mittel. Es kann eine etwa gleiche Schutzwirkung gegen Insekten erzielt werden wie mit tiefen Konzentrationen von DEET. NW: Reines PMD ist sehr augenreizend.
ätherische Öle, zum Beispiel Nelken-, Teebaum-, Bergamott-, Zitronellöl (auch Gemische) natürliche Wirkstoffe Zedan SP Djungel Deo® Anti Mück® Repellentien aus ätherischen Ölen haben meist eine kürzere Wirkdauer und schlechtere Wirksamkeit als synthetisch hergestellte Wirkstoffe. NW: allergenes Potenzial, Haut-, Augen-, und Schleimhaut­reizungen möglich

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