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Krieg an vielen Fronten

22.05.2012  16:27 Uhr

Es ist mittlerweile 41 Jahre her, dass der damalige US-Präsident Richard Nixon den Krieg gegen den Krebs erklärt hat. Das ehrgeizige Ziel dieser Initiative war die Heilung von Krebs innerhalb der nächsten 25 Jahre. In einer flammenden Rede rief Nixon seine Landsleute dazu auf, »mit den gleichen vereinten Anstrengungen, die zur Spaltung des Atoms und zur Landung von Menschen auf dem Mond geführt haben, diese gefürchtete Krankheit zu besiegen«.

 

Aus heutiger Sicht erscheint diese Hoffnung auf einen baldigen Sieg über den Krebs naiv. Denn je mehr wir über die Krankheit und ihre Entstehung wissen, umso deutlicher wird, dass der Kampf gegen den Krebs ein Vielfrontenkrieg ist. Den Krebs als den einen großen Gegner, gegen den dieser Krieg geführt werden könnte, gibt es nämlich gar nicht. Im selben Maß, wie das Wissen über Wachstumsfaktoren (lesen Sie dazu Molekularbiologie: Wie Tumoren entstehen), Biomarker (Stratifizierte Medizin: Plädoyer für Biomarker) und andere tumorspezifische Eigenschaften (Forschung: Tumortherapeutika vor der Zulassung) zunimmt, wächst die Einsicht, dass es in diesem Krieg nur Etappensiege geben kann.

 

Diese Erkenntnis kommt keiner Kapitulation gleich – kleine Schritte führen schließlich auch zum Ziel, und die schrittweise Verbesserung der Therapiemöglichkeiten hat bereits dazu geführt, dass heute mehr als die Hälfte der Krebspatienten fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben ist. Das Eingeständnis der begrenzten therapeutischen Möglichkeiten rechtfertigt aber eine gesunde Skepsis gegenüber Meldungen von angeblich bahnbrechenden Neuentwicklungen, die die Krebstherapie revolutionieren werden (Neue Krebsmedikamente: Wir wissen definitiv zu wenig). Denn schon oft wurden große Hoffnungen geweckt, die dann wie Seifenblasen zerplatzten.

 

Patienten an den Fortschritten der modernen Onkologie teilhaben zu lassen, heißt, die jeweils am besten geeignete Behandlungsoption auszuwählen. Dabei gilt es, nicht Laborwerte oder CT-Aufnahmen zu therapieren, sondern den krebskranken Menschen mit all seinen Bedürfnissen im Blick zu haben (Senioren: Besonderheiten der Krebstherapie). Das klingt weit weniger martialisch als ein groß angekündigter Krieg gegen den Krebs. Es ist aber eine Strategie, mit der eben dieser Krieg im Einzelfall immer häufiger gewonnen wird.

 

Annette Mende

Redakteurin Pharmazie

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