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Mundgesundheit

Rauchen schadet den Zähnen

25.05.2010
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Von Gudrun Heyn, Berlin / Raucher haben ein deutlich höheres Risiko, Zähne zu verlieren, als Nichtraucher. Dies belegt ein neuer Report der Bundeszahnärztekammer und des Deutschen Krebsforschungszentrums. Auch das Risiko für maligne Tumoren im Mund- und Rachenraum ist stark erhöht.

Rauchen gefährdet die Gesundheit, so lautet der Slogan auf zahlreichen Zigarettenpackungen. »Kaum bekannt ist jedoch, dass die Mundhöhle zu den besonders gefährdeten Körperteilen gehört«, sagte Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) vor Journalisten in Berlin. Beim Rauchen wird sie als Erstes mit den giftigen Substanzen des Tabakrauchs konfrontiert. Der neue Report Rauchen und Mundgesundheit macht nun erstmals auf die Gefahren aufmerksam und bietet einen Überblick über die Erkrankungen und Störungen, die das Rauchen in der Mundhöhle auslösen kann.

»Sobald Tabak verbrannt wird, entsteht ein komplexes Gemisch aus mehr als 4800 Substanzen«, erklärte Pötschke-Langer. Davon sind 90 kanzerogen oder stehen in dem Verdacht, krebserzeu­gend zu sein. Außerdem können im Tabak­rauch bis zu 250 toxische Stoffe identi­fiziert werden. So kann etwa Am­moniak die Entstehung von Infektions­erkrank­ungen begünstigen und chroni­sche Atemwegserkrankungen verstär­ken. In Form von Ammoniak oder Am­monium-Derivaten wird die Substanz Zigaretten zugesetzt, damit sich beim Verbrennen der Zigarette der pH-Wert ändert und so mehr freies Nicotin in den Tabakrauch gelangen kann. »Dadurch ist das Nicotin besser verfügbar, wird im Atemtrakt schneller aufgenommen, erreicht das Gehirn schneller – und das Abhängigkeitspotenzial steigt«, heißt es in dem Report. Eine weitere Substanz, die in nahezu allen Tabakprodukten zu finden ist, ist Menthol. Sie wirkt schmerzlindernd und kühlend, wodurch der Tabakrauch an natürlicher Schärfe verliert. Zudem führt Menthol zu einer höheren Atemfrequenz sowie einem höheren Atemvolumen und sorgt so für eine tiefere Inhalation. Doch sobald Menthol verbrannt wird, entstehen die krebserzeugenden Substanzen Benzol, Phenol und Benzo[a]pyren.

 

Rauch mit Folgen

 

»Beim Rauchen werden Zähne und Schleimhäute durch die ganze Wucht all dieser Giftstoffe getroffen«, sagte Pötschke-Langer. In der Folge haben Raucher im Vergleich zu Nichtrauchern ein sechsfach höheres Erkrankungsrisiko für maligne Tumoren im Mund- und Rachenraum. Bei gleichzeitigem Konsum von Alkohol kann das Risiko für Mundhöhlenkrebs sogar bis auf das 13-Fache ansteigen. Aber auch das Risiko, an einem Speicheldrüsentumor zu erkranken, ist bei Rauchern deutlich erhöht. So erkranken allein in Deutschland jährlich etwa 10 000 Menschen an einem Krebs der Mundhöhle und des Rachens, rund 4500 sterben an den Folgen. »Die Heilungschancen der Betroffenen sind zumeist nicht sehr gut, da die Tumore häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert werden«, sagte Pötschke-Langer.

Den Grund belegen Studien. Sie zeigen, dass Raucher deutlich seltener zum Zahnarzt gehen als Exraucher und diese wiederum seltener als Nichtraucher. Dies gelte insbesondere dann, wenn zum Tabakkonsum auch noch regel­mäßig dem Alkohol zugesprochen werde. In der Folge beträgt die durch­schnittliche Fünf-Jahres-Überlebens­rate der Patienten weniger als 50 Prozent. Vor allem Männer sind betroffen. So standen Mund- und Rachentumore bei den Männern im Jahr 2007 an siebter Stelle der Krebstodesursachen, bei Frauen dagegen erst an 16. Stelle.

 

Doch nicht nur mit malignen Tumoren müssen Raucher häufiger rechnen als Nichtraucher. Bei ihnen treten auch entzündliche Veränderungen des Zahn­halteapparates (Parodontalerkrankun­gen) wesentlich öfter auf. Ihr Risiko für Zahnausfall ist im Vergleich zu Nichtrauchern doppelt so hoch, berichtet der Report. Grundlage dieser Aussage ist eine Analyse von 124 Studien der letzten zehn Jahre. Sie zeigen, dass Raucher mehr Plaque auf den Zähnen aufweisen und schneller Zahnstein entwickeln. So steigt bei einem Konsum von 20 Zigaretten am Tag im Verlauf von 20 Jahren das Risiko für Zahnstein auf das 20-Fache an. In einigen Studien konnten zudem Parodontitis fördernde Bakterien deutlich häufiger in der Plaque von Rauchern nachgewiesen werden, als in den Zahnbelägen von Nichtrauchern. Außerdem fanden sich in den Zahnfleischtaschen von Rauchern deutlich mehr Mikroben. Doch nicht nur die Besiedlung mit entzündungsfördernden Erregern spielt bei der Entwicklung von Parodontalerkrankungen eine wichtige Rolle. So zeigen einige Untersuchungen, dass die Durchblutung des Zahnfleisches durch den Tabakkonsum stark vermindert sein kann. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist der Knochenabbau. Er steigt mit der Anzahl verbrauchter Packungen und mit den Raucherjahren an.

 

»Dies führt dazu, dass Zahnärzte bei ihren rauchenden Patienten nicht nur mit mehr Erkrankungen im Mund- und Rachenraum rechnen müssen, sondern auch damit, dass diese Patienten wesentlich schlechter auf eine Therapie ansprechen«, sagte der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Dr. Dietmar Oesterreich. So ist bei Menschen mit einer Minderdurchblutung häufig auch die Wundheilung gestört. Vor allem bei chirurgischen Eingriffen haben Tabakkonsumenten daher eine schlechtere Prognose. Beim Setzen von Implantaten bereitet zudem der stärkere Knochenabbau Probleme. »In der Regel sind solche Eingriffe bei Rauchern sehr viel aufwendiger als bei Nichtrauchern«, sagte Oesterreich.

 

»Uns hat das Ausmaß der Schäden überrascht, die durch das Rauchen in der Mundhöhle entstehen können«, sagte Pötschke-Langer. DKFZ und BZÄK setzen sich daher für eine verstärkte Aufklärung der Patienten und einen Rauchstopp ein. Denn der Rauchstopp lohnt sich: Das Parodontitisrisiko zum Beispiel sinkt elf Jahre nach dem Rauchstopp auf das Niveau eines Menschen, der nie geraucht hat. Implantate heilen besser ein und auch das Krebsrisiko sinkt erheblich, wenn man das Laster aufgibt. Erschienen ist der Report Rauchen und Mundgesundheit als Band 13 in der Roten Reihe des DKFZ. Er kann unter www.tabakkontrolle.de und unter www.bzaek.de heruntergeladen werden. /

Weltnichtrauchertag

Am 31. Mai findet jedes Jahr der Weltnichtrauchertag der Weltgesundheitsorganisation statt. Dieses Jahr steht er unter dem Motto » Die Marketing-Strategien der Tabakindustrie«.

 

Mehr Informationen unter www.who-nichtrauchertag.de.

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