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Pharmacon Meran

Therapie des neuropathischen Schmerzes

04.05.2010  15:21 Uhr

ABDA / Die Schmerztherapie ist eines der vier Schwerpunktthemen auf dem diesjährigen Internationalen Fortbildungskurs für praktische und wissenschaftliche Pharmazie in Meran. Ein Vortrag ist in diesem Zusammenhang den Behandlungsmöglichkeiten des neuropathischen Schmerzes gewidmet. Als Referent konnte Professor Dr. Ralf Baron, Facharzt für Neurologie am Universitätsklinikum Kiel, gewonnen werden.

Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 5 Prozent der Deutschen von Nervenschmerzen gequält werden. Dabei sind eine gesteigerte Berührungsempfindlichkeit, plötzlich auftretendes Taubheitsgefühl, Ruheschmerzen und eine schmerzhafte Reaktion auf harmlose Temperaturreize typische Symptome. Neuropathische Schmerzen entstehen, wenn Nerven geschädigt werden. Als Ursachen kommen Diabetes, ein Unfall, eine Amputation, ein Schlaganfall oder eine Erkrankung an der Gürtelrose in Betracht. Nervenschmerzen sind in der Regel sehr viel schwerer zu behandeln als klassische Schmerzen, die durch die Stimulation von Nozizeptoren entstehen.

In der Therapie von Nervenschmerzen werden vier ver­schiedene Substanzgruppen eingesetzt: Analgetika, Antidepressiva, Antikonvulsiva mit membranstabilisieren­der Wirkung (Natrium-Kanal-Blocker) und Antikonvulsiva mit Wirkung auf neuronale Calcium-Kanäle. Nach klinischen Erfahrungen kann die Kombination aus zwei oder drei Wirkstoffen dieser Klassen sinnvoll sein. Eine effektive Schmerztherapie sollte so früh und intensiv wie möglich eingeleitet werden, um das Risiko einer Chronifizierung zu verringern.

 

Opioide Analgetika können neuropathische Schmerzen häufig lindern. So kommt Tramadol bei der diabetischen Polyneuropathie und Oxycodon bei postzosterischer Neuralgie zum Einsatz. Nicht-Opioid-Analgetika sind dagegen bei Nervenschmerzen kaum wirksam. Aus der Gruppe der Antidepressive haben sich vor allem die trizyklischen Substanzen in der Therapie der neuro­pathischen Schmerzen bewährt. In einigen Fällen kommen hier auch Venlafaxin und Duloxetin zum Einsatz. Ihre Wirkung bei Nervenschmerzen kann nicht auf den stimmungsaufhellenden Effekt zurückgeführt werden, da mittlere Dosen zur Schmerzlinderung deutlich unterhalb ihres therapeutischen Bereichs bei Depressionen liegen. Zuletzt bessern sich Nerven­schmerzen auch unter Natriumkanalblockern wie Carbamazepin und Lamotrigin und Calcium-Kanal-modulierenden Antikonvulsiva wie Pregabalin und Gabapentin. Als adjuvante Therapie kommt eine topische Behandlung mit Lidocain- oder Capsaicinpflastern in Betracht.

Betroffene müssen darauf vorbereitet werden, viel Geduld bei der Behandlung von Nervenschmerzen mitzubringen. Denn geeignete Medikamente und Dosen können nur durch Erprobung am Patienten gefunden werden. Zudem kann eine Wirkungslosigkeit erst nach zwei bis vier Wochen beurteilt werden. Auch über das Therapieziel sollte schon zu Behandlungsbeginn gesprochen werden, um späteren Enttäuschungen vorzubeugen. Dabei ist eine Schmerzreduktion um 30 bis 50 Prozent ein realistisches Ergebnis.

 

Der Vortrag von Professor Dr. Ralf Baron ist für den 1. Juni von 10.30 bis 11.45 Uhr angesetzt. Das Faxformular für die Anwendung zum Pharmacon Meran finden Sie im Serviceteil der Druckausgabe. /

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