Pharmazeutische Zeitung online
Steuertipp

Abgeltungssteuer für Kapitalerträge

13.04.2010
Datenschutz bei der PZ

Von Ute Cordes / Pauschale Steuersätze mit Abgeltungswirkung werden von der Politik ab und zu als Steuervereinfachung und als Mittel des Bürokratieabbaus gepriesen. Die Abgeltungssteuer für Kapitalerträge ist jedoch ein Beispiel, dass diese Wirkungen nicht immer eintreten.

Mit der Abgeltungssteuer für Kapitalerträge ist es so eine Sache. Zwar kann die abgeltende Abzugssteuer das Eintragen der Kapitalerträge in der Einkommensteuerklärung (Anlage KAP) hinfällig machen. Aber: Es gibt leider zahlreiche Ausnahmen.

Mit der Abgeltungssteuer wurde zum 1. Januar 2009 ein einheitlicher Steuersatz von 26,375 Prozent (Einkommensteuer 25 Prozent und Solidaritätszuschlag 1,375 Prozent) eingeführt, der durch die Kreditinstitute an der »Quelle« einbehalten wird. Im Falle der Kirchensteuerpflicht steigt der Steuersatz auf 28,375 Prozent (bei Kirchensteuersatz 8 Prozent) beziehungsweise 28,625 Prozent (bei 9 Prozent).

 

Anlage KAP »freiwillig« abgeben

 

Anleger, deren persönlicher Steuersatz unterhalb des Pauschalsatzes liegt, können auch weiterhin eine Anlage KAP beim Finanzamt einreichen. Dieses veranlagt die Kapitalerträge nach einer Günstigerprüfung unter Anrechnung der Abzugssteuer sodann zum niedrigeren Steuersatz. Zusammen veranlagte Eheleute können diesen Antrag jedoch nur gemeinsam stellen.

 

Des Weiteren können mit Kapitalerträgen steuermindernde Tatsachen in Zusammenhang stehen, die der Bank nicht bekannt sind. Hier kann es sich zum Beispiel um einen Verlust aus einem Wertpapierverkauf handeln, der mit Erträgen aus weiteren Wertpapierverkäufen zu verrechnen ist (denkbar zum Beispiel, wenn Wertpapiere bei unterschiedlichen Banken gehalten werden). Auch wird von den Banken bei Rentnern der Altersentlastungsbetrag nicht berücksichtigt, der 40 Prozent der Kapitalerträge steuerfrei stellt. Auch dies kann durch Einreichung einer Anlage KAP geheilt werden, wobei eine Besteuerung jedoch weiterhin zum Abgeltungssteuersatz vorgenommen wird.

 

Der Steuerabzug an der »Quelle« ist mit umfangreichen Meldeformalitäten verbunden, die nur den Kreditinstituten auferlegt werden sollten. Wird zum Beispiel ein Privatdarlehen unter fremden Dritten gewährt, muss der Darlehensnehmer bei Zahlung seiner Zinsen an den Darlehensgeber also keine Abgeltungssteuer einbehalten.

 

Der Darlehensgeber hat in diesem Fall die Erträge in seiner Einkommensteuererklärung anzugeben. Die Besteuerung der Erträge erfolgt dann unter Anwendung des Abgeltungssteuersatzes.

 

Auch Kapitalerträge bei ausländischen Banken und Investmentfonds sowie solche aus der Veräußerung von GmbH-Beteiligungen (bei Beteiligung am Kapital von weniger als einem Prozent) werden über die Erklärung zum Abgeltungssteuersatz versteuert.

 

Des Weiteren sind bestimmte Kapitalerträge auch weiterhin zum individuellen Steuersatz zu versteuern und in der Anlage KAP zu erfassen. Betroffen hiervon sind insbesondere

 

Zinsen aus Privatdarlehen zwischen nahestehenden Personen (zum Beispiel aufgrund eines verwandtschaftlichen, ehelichen, eheähnlichen oder gesellschaftsrechtlichen Verhältnisses)

vom Finanzamt gezahlte Steuerguthabenzinsen

Erträge aus begünstigten Kapitallebensversicherungen (Versicherungsabschluss nach dem 31. Dezember 2004).

 

Besonderheit Kirchensteuer

 

Auf die Abgeltungssteuer fällt zusätzlich Kirchensteuer an. Diese kann grundsätzlich ebenso durch die Banken von den Erträgen einbehalten werden. Erforderlich ist aber, dass diesen die Konfession mitgeteilt wurde. Ist diese Mitteilung unterblieben, müssen sämtliche Zinserträge durch Abgabe der Anlage KAP nur für die Zwecke der Kirchensteuerfestsetzung erklärt werden.

 

Der Freistellungsauftrag für Kapitalerträge hat, soweit diese insgesamt 801 Euro beziehungsweise 1602 Euro bei Zusammenveranlagung nicht überschreiten, weiterhin Bestand. Hier sollte darauf geachtet werden, dass das Freistellungsvolumen bei den Banken optimal verteilt wurde. Des Weiteren kann eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt eingeholt und den Banken vorgelegt werden, wenn feststeht, dass eine Veranlagung zur Einkommensteuer aufgrund Unterschreitens des steuerlichen Grundfreibetrags (2009 lag er bei 7834 Euro, Zusammenveranlagung 15 668  Euro) nicht erfolgen muss. In diesen Fällen unterbleibt der pauschale Steuerabzug und eine Anlage KAP ist nicht einzureichen.

 

Wurde jedoch Abgeltungssteuer von den Banken einbehalten, weil man keinen Freistellungsauftrag erteilt hatte beziehungsweise den Freibetrag ungünstig verteilt und er daher teilweise ungenutzt blieb, kann eine Erstattung nur im Rahmen der Einkommensteuererklärung mittels einer Steuerbescheinigung der Bank erfolgen. Sollte hierbei von der Einreichung einer Anlage KAP Gebrauch gemacht werden, ist darauf zu achten, dass entsprechende Jahressteuerbescheinigungen vorliegen. Ohnedies lässt das Finanzamt eine Anrechnung der abgeführten Abgeltungssteuer nicht zu. Da die Bescheinigungen von den Banken seit Einführung der Abgeltungssteuer nicht immer automatisch zugesandt werden, müssten diese gegebenenfalls nachgefordert werden. /

Die Autorin

Ute Cordes ist Steuerberaterin und Mitarbeiterin der Steuer­abteilung der Treuhand Hannover GmbH Steuerberatungsgesellschaft, Hildesheimer Straße 271, 30519 Hannover, Telefon 05 11/8 33 90-0, www.treuhand-hannover.de.

Mehr von Avoxa