Pharmazeutische Zeitung online
Neue Rabattverträge der AOK

Prüfung auf pharmazeutische Bedenken

30.03.2010
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Von Nina Griese, Ralf Goebel und Martin Schulz, Berlin / Zum 1. April treten weitere Arznei-Rabattverträge der AOK in Kraft. Diese Verträge laufen bis Ende März 2012 und umfassen 80 Substanzen. Welche dieser Arzneistoffe sollten besonders auf pharmazeutische Bedenken geprüft werden?

Aufgrund der gesetzlichen Regelung in § 129 SGB V sind Arzneimittel mit Rabattvertrag nach § 130a Absatz 8 SGB V im Aut-Idem-Bereich vorrangig abzugeben. Dies gilt sowohl bei namentlicher Verordnung eines Arzneimittels als auch bei Wirkstoffverordnungen. Nicht jeder Austausch eines verordneten Arzneimittels durch ein Rabattarzneimittel, der von der Apothekensoftware vorgeschlagen wird, ist allerdings unproblematisch und ohne Risiken. Risiken beim Austausch können zum Beispiel dadurch entstehen, dass der Patient eine Arzneiform geteilt einnehmen muss, das Rabattarzneimittel aber nicht teilbar ist. Durch die Möglichkeit, pharmazeutische Bedenken geltend zu machen, können diese arzneimittelbezogenen Probleme allerdings verhindert werden.

Für die Apotheken besteht aufgrund des Rahmenvertrages nach § 129 SGB V explizit die Möglichkeit, von der Verpflichtung zur Abgabe rabattbegünstigter Arzneimittel abzusehen, wenn der Abgabe aus Sicht des Apothekers im konkreten Einzelfall pharmazeutische Bedenken entgegenstehen. Pharmazeutische Bedenken bestehen, wenn durch den Präparateaustausch trotz zusätzlicher Beratung des Patienten der Therapieerfolg oder die Arzneimitteltherapiesicherheit im konkreten Einzelfall gefährdet sind.

 

In bestimmten Situationen sollte der Austausch mit einem rabattbegünstigten Arzneimittel vor dem Hintergrund pharmazeutischer Bedenken kritisch überprüft werden. Eine Nicht-Abgabe eines rabattbegünstigten Arzneimittels kann aus einem schwerwiegenden Problem oder – häufiger – aus einer Kombination mehrerer Probleme aus verschiedenen Problemkategorien resultieren. Daher stellt sich die Frage, bei welchen der Arzneistoffe in den neuen AOK-Rabattverträgen ein erhöhtes Risiko dafür besteht, dass durch einen Austausch gegen ein Rabattarzneimittel ein arzneimittelbezogenes Problem resultiert. Die Tabelle gibt eine Übersicht über diese Arzneistoffe, Hauptindikationsgebiete und bisherige und geplante Publikationen zu diesen Arzneistoffgruppen im Zusammenhang mit pharmazeutischen Bedenken in der Pharmazeutischen Zeitung (PZ). Bei der Zusammenstellung wurden eine Gefährdung des Therapieerfolgs oder der Arzneimitteltherapiesicherheit durch Non-Compliance, Unverträglichkeitsreaktionen gegen bestimmte Hilfs- und Zusatzstoffe, Anwendungsproblem bei bestimmten Patientengruppen (unter anderem Sondengängigkeit, Handhabungsschwierigkeiten durch motorische Schwierigkeiten) und Aspekte der Teilbarkeit nicht gesondert berücksichtigt, da diese Arzneistoff-unabhängig auftreten können. /

Tabelle: Arzneistoffe der neuen AOK-Rabattverträge, bei denen besonders auf pharmazeutische Bedenken geprüft werden sollte

Arzneistoff Indikationsgebiet (Beispiele) Mögliche Problemkategorie Publikation in der PZ*
Beclometason Asthma bronchiale und chronisch obstruktive Bronchitis (COPD) Problematisches Applikationssystem PZ 38 (2008) S. 26
Carbamazepin Epilepsie Problematische Erkrankung, problematischer Arzneistoff PZ 09 (2010) S. 26
Fentanyl(-Pflaster) Starke und stärkste Schmerzen (BTM) Problematischer Arzneistoff, problematische Applikationsform PZ 33 (2009) S. 24
Lorazepam Angst-, Spannungs- und Erregungszustände Problematische Applikationsform -
Morphin Starke und stärkste Schmerzen Problematischer Arzneistoff, problematische Darreichungsform PZ 33 (2009) S. 24
Oxcarbazepin Epilepsie Problematische Erkrankung, problematischer Arzneistoff PZ 09 (2010) S. 26
Oxycodon Starke und stärkste Schmerzen (BTM) Problematischer Arzneistoff PZ 33 (2009) S. 24
Phenprocoumon Behandlung und Prophylaxe von Thrombose und Embolie Problematischer Arzneistoff PZ 15 (2010)
Salbutamol Asthma bronchiale und chronisch obstruktive Bronchitis (COPD) Problematisches Applikationssystem PZ 38 (2008) S. 26

*Die Links zu den Beiträgen:

Beclometason und Salbutamol
Pharmazeutische Bedenken: Tipps für die Praxis, PZ 38/2008

Carbamazepin und Oxcarbazepin
Rabattverträge: Pharmazeutische Bedenken bei Antiepileptika, PZ 09/2010

Fentanyl(-Pflaster), Morphin und Oxycodon
Betäubungsmittel: Aut idem und Rabattverträge, PZ 33/2009

 

Anschrift der Verfasser:

Geschäftsbereich Arzneimittel der ABDA

Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis (ZAPP)

Jägerstraße 49/50

10117 Berlin

arzneimittel(at)abda.aponet.de

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