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Den Wandel gestalten

19.03.2013
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»Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.« Diesen angeblich von Winston Churchill geprägten Ausspruch zitieren häufig Menschen, die an der Glaubwürdigkeit bestimmter Statistiken zweifeln. Doch muss man eine Statistik in der Regel noch nicht einmal fälschen, um über ihre Bedeutung unterschiedlicher Meinung zu sein. Wie der Leser die nackten Zahlen interpretiert, hängt entscheidend von seiner Erwartung ab.

 

Ganz besonders trifft das auf Statistiken zur Bevölkerungsentwicklung zu. Diese werden von Medien und Politikern meist automatisch in düstere Zukunftsprognosen übersetzt. Schnell fallen dann angstbesetzte Stichworte wie Altersarmut, Pflegenotstand oder Kollaps der sozialen Sicherungssysteme. Doch die Alterung einer Gesellschaft führt nicht zwangsläufig zum Abbau sozialer Leistungen. Tatsächlich spielen außer dem sogenannten Altenquotienten noch sehr viele andere Faktoren eine Rolle, wenn es um die dauerhafte Sicherung sozialer Netze geht – und viele davon sind beeinflussbar (lesen Sie dazu auch Demografischer Wandel: Kein Grund zur Panik).

 

Tatsache ist, dass der Altersdurchschnitt unserer Gesellschaft steigt. Angesichts dieser Erkenntnis in Panik zu verfallen, wäre aber die falsche Reaktion. Die Bundesregierung will dem demografischen Wandel daher nicht zusehen, sondern ihn aktiv mitgestalten. Das zeigt unter anderem die Wahl des Themas für das Wissenschaftsjahr 2013 (Wissenschaftsjahr Demografie: Chancen des Wandels). Wichtig wird unter anderem sein, Konzepte gegen Einsamkeit im Alter zu entwickeln, denn diese kann Betroffene krank machen (Psychosomatik: Einsam im Alter).

 

Auch in den Apotheken fängt der demografische Wandel an, sich bemerkbar zu machen. Wer heute ein Pharmaziestudium abschließt, hat beste Aussichten auf einen sicheren Job. Das ist sicher auch ein Argument, wenn Approbierte sich nach mehr oder weniger langer beruflicher Auszeit für eine Rückkehr in die Apotheke entscheiden (Wiedereinstieg: »Es ist wirklich ein hartes Brot«). Dort erwarten sie Plausibilitätsprüfungen, Rabattverträge und moderne Computersysteme – Probleme, die erst einmal gemeistert sein wollen. Die Widrigkeiten des Alltags sollten aber kein Grund sein, die Herausforderungen, die der demografische Wandel an die Apotheken stellt, nicht anzunehmen.

 

Annette Mende

Redakteurin Pharmazie

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