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Pharmazie für Fortgeschrittene

11.02.2014
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Auf die Apotheken kommt neue Arbeit zu. Doch keine Angst: Diesmal geht es nicht um Rabattverträge, Hilfsmittelgenehmigungen oder anderen bürokratischen Mist. In diesem Fall handelt es sich tatsächlich einmal um etwas, wofür wir alle studiert haben; etwas, das Spaß macht; etwas wirklich Pharmazeutisches: Die Betreuung geriatrischer Patienten. Denn eine Folge des demografischen Wandels wird sein, dass Apotheker sich noch stärker als zuvor um diese Aufgabe kümmern müssen.

 

Die Zahl der Hochbetagten steigt nämlich rapide. Schätzungsweise jeder siebte Bundesbürger wird 2050 das 80. Lebensjahr vollendet haben. Das ist auf der einen Seite natürlich erfreulich. Andererseits ist ein hohes Alter auch ein starker Risikofaktor für Krankheiten. Multimorbide Menschen mit einer Polypharmakotherapie werden zukünftig immer häufiger auf Hilfe aus der Apotheke angewiesen sein. Hier können wir unser Wissen, unsere soziale Kompetenz und unsere kommunikativen Stärken unter Beweis stellen und die Apotheke als eigenständige Säule im Gesundheitswesen etablieren.

 

Es war daher eine gute Idee, einen Schwerpunkt des diesjährigen Fortbildungskongresses Pharmacon in Davos auf die geriatrische Pharmazie zu legen (lesen Sie dazu die Berichterstattung zum Pharmacon Davos 2014). Viele Referenten, darunter einige Mediziner, bestätigten, dass Multimorbidität und Polypharmazie nicht nur Themen für Ärzte sind. In vielen Fällen stellen gerade Apotheken die letzte Bastion dar, um Unheil zu verhindern.

 

Apotheker und Ärzte wissen längst, wie wichtig es ist, sich über die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) Gedanken zu machen. Mittlerweile ist dieses Thema aber auch in der Politik angekommen. So steht die Sicherheit der Arzneimittelanwendung im Mittelpunkt eines aktuellen Aktionsplans des Bundesgesundheitsministeriums. Aber nicht nur wegen der demografischen Entwicklung muss AMTS für die Apotheken ein Thema sein. Es gibt darüber hinaus auch eine politische Dimension. Nicht umsonst haben wir mit der neuen Apothekenbetriebsordnung 2012 das Medikationsmanagement als pharmazeutische Tätigkeit hinzubekommen. Man erwartet also auch von uns, dass wir uns darum kümmern. Logisch: Wenn nicht wir, wer sonst? Und: Wenn nicht jetzt, wann dann?

 

Sven Siebenand 

Stellvertretender Chefredakteur

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