Pharmazeutische Zeitung online

Eine besondere Klientel

16.03.2010
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Der demografische Wandel stellt Apotheker vor große Herausforderungen. Denn Senioren sind eine besonders wichtige Klientel: Die meisten Apothekenkunden sind alt, multimorbide und benötigen eine Vielzahl von Medikamenten und damit auch eine intensive Beratung. Diese erfordert spezielle kommunikative Fähigkeiten und pharmazeutische Kenntnisse. Die besonderen Ansprüche dieser Klientel hat die Pharmazeutische Zeitung zum Anlass genommen, ein Schwerpunktheft zum Thema Alter zusammenzustellen. Wie wichtig es ist, sich auf diese Patientengruppe einzustellen, erklärt die Gerontologin Professor Dr. Ursula Lehr im Interview mit der PZ (siehe dazu Senioren: Apotheker sollten Mut machen).

 

Die Kommunikation mit Senioren ist schon bei vergleichsweise banalen Themen oft ein Problem, weil alte Menschen deutlich schlechter hören. Richtig kompliziert wird es, wenn es um schwierige medizinische Inhalte geht. Dabei sind es wenige einfache Regeln, mit denen sich Apotheker auf den älteren Patienten einstellen können und so sichergehen, dass die wichtigen pharmazeutischen Informationen auch wirklich ankommen (siehe dazu Beratung: Langsam und deutlich sprechen).

 

Neben diesen Kommunikationsschwierigkeiten können auch andere Faktoren den Erfolg einer Arzneimitteltherapie gefährden. Im Alter lässt die Feinmotorik und der Schluckreflex nach. Beides erschwert die Anwendung von Arzneimitteln (siehe dazu Senioren: Medikamente schlecht im Griff und Geriatrie: Schwächen bei Schlucken und Sprechen). Der anspruchvollste Aspekt bei der Beratung von Senioren ist allerdings die Pharmazie. Nicht selten müssen ältere Patienten fünf, sechs oder sieben verschiedene Arzneimittel gleichzeitig einnehmen. Mit der Anzahl der Präparate wächst auch das Risiko für Nebenwirkungen. Der Apotheker muss hier besonderes Augenmerk auf die Arzneimitteltherapie legen und gegebenenfalls bei Problemen Alternativen suchen. Eine wichtige Hilfe für Apotheker könnte dabei in Zukunft die sogenannte PIM-Liste von potenziell inadäquaten Medikamenten für Senioren sein. Das von einer Expertengruppe erarbeitete, an die amerikanische Beers-Liste angelehnte Dokument enthält riskante Arzneistoffe und geeignete Alternativen zu diesen (siehe dazu Seite PIM-Liste: Ungeeignete Arzneistoffe für Senioren).

 

Die Arzneimitteltherapie im Alter sicher zu gestalten, ist eine wichtige Aufgabe. Die Apotheker sind durch ihre akademische Ausbildung und ständige Fortbildung dazu ohne Frage qualifiziert. Noch eine Stufe weiter führt die Weiterbildung »Geriatrische Pharmazie«, die Landeskammern und die Bundesapothekerammer in ihre Weiterbildungsordnung aufgenommen haben. Die geriatrische Pharmazie ist eine pharmazeutische Disziplin, die eine hervorragende Basis für eine Spezialisierung der eigenen Apotheke bildet.

 

Unabhängig davon, ob sich eine Apotheke ganz auf Senioren spezialisiert hat oder sie lediglich im Rahmen der täglichen Arbeit angemessen betreut. Alte Menschen sind die wichtigsten Patienten jeder Apotheke.

 

Christina Hohmann

Ressortleitung Medizin

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