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Stiftung Warentest

Medikamente im Test

06.03.2012
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Von Annette Mende, Berlin / Die Stiftung Warentest beschäftigt sich schon seit Langem nicht mehr nur mit Waschmaschinen und Kühlschränken. Auch Medikamente werden regelmäßig unter die Lupe genommen. Beurteilt werden sie nach den strengen Kriterien der Evidenz-basierten Medizin.

Als die Stiftung Warentest in den 1980er-Jahren damit begann, Berichte zu Arzneimitteln in ihren »Test«-Zeitschriften zu veröffentlichen, stieß sie damit auf große Skepsis. Man traute der Stiftung, die sich bis dato vor allem mit der Untersuchung technischer Geräte hervorgetan hatte, auf diesem Gebiet keine ausreichende Expertise zu. Welche Widerstände die Medikamenten-Tester überwinden mussten und welche Rolle sie bei der Arzneimittel-Bewertung spielen wollen, berichtete Professor Dr. Gerd Glaeske, Direktor des Zentrums für Sozialpolitik der Universität Bremen und Gutachter der Stiftung Warentest, bei einer Pressekonferenz in Berlin.

 

Handbuch für Verbraucher

 

Heute gibt die Stiftung regelmäßig das »Handbuch Medikamente« und das »Handbuch Rezeptfreie Medikamente« heraus, in denen sie die gängigsten verschreibungspflichtigen beziehungsweise frei verkäuflichen Arzneimittel und Medizinprodukte bewertet. »Als im Jahr 2000 das erste ›Handbuch Medikamente‹ erschien, hatten wir sofort mehr als 70 Abmahnungen von Herstellern am Hals, die mit der Bewertung ihrer Produkte nicht zufrieden waren. Die Gerichtsverfahren haben wir aber alle gewonnen«, sagte Glaeske. Möglich war dies, weil sich die Stiftung von Anfang an streng an die Regeln der Evidenz-basierten Medizin hielt. Allen Beurteilungen liegt eine Auswertung der veröffentlichten wissenschaftlichen Fachliteratur zu dem jeweiligen Präparat zugrunde.

Getreu ihres Verbraucherschutz-Auftrages möchte die Stiftung mit diesen Publikationen allen Interessierten verständliche und abgestufte Informationen über die bewerteten Präparate zur Verfügung stellen. »Das sollen keine Bücher gegen Arzneimittel sein, sondern für die richtige Anwendung von Arzneimitteln«, betonte Glaeske. Es sei eine Tatsache, dass viele Medikamenten-Beipackzettel für die Verbraucher nicht mehr lesbar und vor allem nicht verständlich seien. Neben den Gesamtbewertungen der einzelnen Produkte als »geeignet«, »auch geeignet«, »mit Einschränkung geeignet« und »wenig geeignet« werden daher auch die möglichen Nebenwirkungen nach ihrem Schweregrad in »keine Maßnahmen erforderlich«, »muss beobachtet werden« und »sofort zum Arzt« eingestuft.

 

»Häufig wird uns vorgeworfen, dass wir in unseren Urteilen zu streng sind. Unsere Kritiker können nicht nachvollziehen, dass wir etwa ein bestimmtes Präparat als ›wenig geeignet‹ einstufen, obwohl es eine Zulassung besitzt, für die ja der Wirksamkeitsnachweis Voraussetzung ist«, sagte Glaeske. Diese Argumentation gehe aber ins Leere. Für die Zulassung eines Arzneimittels sei zwar der Nachweis der Wirksamkeit, Unbedenklichkeit und Qualität erforderlich. Ein Vergleich mit anderen zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen finde aber nicht statt. »Die Zulassung eines Arzneimittels ist eine absolute Entscheidung, die nichts mit dem Restmarkt zu tun hat. Dagegen trifft die Evidenz-basierte Medizin eine relative Entscheidung, nämlich zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten abzuwägen«, erklärte Glaeske.

 

Altmittel verschwinden

 

Der Vorwurf, dass die Stiftung überdurchschnittlich häufig schlecht bewertet, lässt sich auch anhand der Statistik entkräften. In der aktuellen Auflage des »Handbuch Medikamente« wurden nur 8 Prozent der Fertigarzneimittel als »wenig geeignet« eingestuft. »Das waren früher deutlich mehr«, erinnerte sich Johanna Lederer, Lektorin der Stiftung Warentest. Doch in einigen Fällen hätten die Firmen reagiert und bemängelte Präparate vom Markt genommen. Bei den rezeptfreien Arzneimitteln sieht es zurzeit noch anders aus. Hier bewertet die Stiftung knapp ein Drittel der Präparate als »wenig geeignet«. Vor allem Kombinationspräparate erhalten häufig das schlechteste Testurteil. Lederer: »Meist ist es nur schwer zu begründen, dass eine Kombination so wie sie angeboten wird, tatsächlich sinnvoll ist.« Auch bei den rezeptfreien Präparaten gebe es aber einen Trend zur Verbesserung. »Die Altmittel verschwinden nach und nach und so werden auch die ›wenig geeigneten‹ Medikamente mit jeder Auflage weniger«, sagte Lederer. /

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