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Typ-2-Diabetes

Konkurrenz für Dapagliflozin

26.02.2014
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Von Sven Siebenand, Frankfurt am Main / Ab Mitte März kommt mit Canagliflozin der zweite SGLT-2-Hemmer auf den deutschen Markt. Unterdessen wurde der erste Vertreter dieser Klasse, Dapagliflozin, Ende 2013 aus wirtschaftlichen Gründen vorerst außer Vertrieb genommen. Das Kombinationspräparat Xigduo®, das Metformin und Dapagliflozin, enthält, wird es aber auch geben.

Der Wirkmechanismus ist bei allen SGLT-2-Hemmern identisch. Normalerweise wird Glucose in den Nieren glomerulär filtriert und später im proximalen Tubulus aktiv resorbiert. Der Haupttransporter, der an dieser Stelle für die Wiederaufnahme von Zucker verantwortlich ist, ist der Natrium-abhängige Glucose-Co-Transporter SGLT 2 (sodium dependent glucose transporter, SGLT). Durch die selektive Blockade von SGLT-2 lässt sich die Rückresorption von Zucker reduzieren und somit die Ausscheidung überschüssiger Glucose mit dem Harn forcieren.

 

Sowohl Canagliflozin (Invokana®) als auch Dapagliflozin (Forxiga®) können bei erwachsenen Typ-2-Diabetikern in der Monotherapie eingesetzt werden, wenn Diät und Bewegung allein den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren und eine Metformin-Therapie aufgrund von Unverträglichkeit als ungeeignet erachtet wird. Der Schwerpunkt dürfte bei den SGLT-2-Hemmern aber auf der Add-on-Kombinationstherapie liegen. So dürfen beide Substanzen mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln, einschließlich Insulin, kombiniert werden, wenn diese den Blutzucker zusammen mit Diät und Bewegung nicht ausreichend kontrollieren. Die empfohlene Anfangsdosis bei Canagliflozin beträgt 100 mg einmal täglich. Sie kann unter bestimmten Voraussetzungen auf 300 mg einmal täglich erhöht werden.

 

»Die Wirksamkeit von SGLT-2-Hemmern ist generell von der Nierenfunktion abhängig«, sagte Professor Dr. Hermann Haller von der Medizinischen Hochschule Hannover auf einer Presseveranstaltung des Invokana-Herstellers Janssen-Cilag. Im Vergleich zu Dapagliflozin habe man bei Canagliflozin etwas mehr Spielraum. Das spiegelt sich auch in den Empfehlungen der jeweiligen Fachinformationen wider. So wird die Anwendung von Dapagliflozin bei Patienten mit einer geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) von weniger als 60 ml/min/1,73 m2 nicht empfohlen. Zwar sollte auch eine Therapie mit Canagliflozin bei Patienten mit einer eGFR unter 60 ml/min/1,73 m2 nicht begonnen werden. Jedoch kann der Wirkstoff bei Patienten, die ihn vertragen haben und deren Nierenfunktion später unter eine eGFR von 60 ml/min/1,73 m2 fällt, erst mal weiter gegeben werden. Empfohlen werden dann aber nur 100 mg Wirkstoff. Erst ab einer persistierenden eGFR unter 45 ml/min/1,73 m2 sollte der Arzt Canagliflozin absetzen.

 

Warten aufs IQWiG

 

Spannend dürfte werden, wie Canagliflozin beim AMNOG-Nutzenbewertungsverfahren durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) abschneiden wird. Zum Hintergrund: Ende 2013 hatte der direkte Konkurrent Dapagliflozin die Bewertung »kein Zusatznutzen« vom Gemeinsamen Bundesausschuss erhalten. Danach konnten sich die Hersteller AstraZeneca und Bristol-Myers Squibb mit dem GKV-Spitzenverband nicht auf einen gegenseitig akzeptablen Erstattungspreis einigen. Ein Schiedsstellenverfahren, dessen Ergebnis im ersten Quartal 2014 erwartet wird, wurde initiiert. Nach Abschluss des Verfahrens wollen die Firmen ihre Entscheidung, Dapagliflozin aus dem Vertrieb zu nehmen, erneut überprüfen.

 

Auch Professor Dr. Stephan Jacob, Villingen-Schwennigen, nahm zur Nutzenbewertung Stellung. »Es wäre eine Schande, wenn Ärzte in Deutschland diese Substanzen nicht verschreiben könnten«, so der Diabetologe. SGLT-2-Hemmer seien günstige Kombinationspartner, zum Beispiel an der Seite von Metformin. Vorteile dieser Substanzklasse seien der Insulin-unabhängige Wirkmechanismus, eine Reduktion der Glucosetoxizität und ein praktisch nicht vorhandenes Unterzuckerungsrisiko. Als vorteilhafte Begleit­effekte der SGLT-2-Inhibition nannte Jacob zudem Gewichtsreduktion und Blutdrucksenkung. /

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