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ABDA-KBV-Konzept

»An erster Stelle steht die Qualität«

21.02.2012
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Von Daniel Rücker / Anfang 2013 soll der Test für das gemeinsame Versorgungs­kon­zept von ABDA und Kassenärztlicher Bundes­vereinigung beginnen. ABDA-Vize­prä­sident Friedemann Schmidt geht fest von einem pünktlichen Start aus. Noch wichtiger ist ihm aber, die hohe Qualifikation der teilnehmenden Apotheker und Ärzte.

PZ: Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe hat sich zumindest vorerst gegen einen Teilnahme am ABDA-KBV-Konzept entschieden. Wie gravierend ist dies für die weitere Entwicklung?

 

Schmidt: Nicht gravierend. Es ist natürlich bedauerlich, dass eine so große Region wie Westfalen-Lippe jetzt doch nicht an dem Test des Modells teilnehmen möchte. Das ist aber kein Problem. In Sachsen und Thüringen haben die Kassenärzte weiter großes Interesse.

 

PZ: Warum haben so viele Kassenärzte Bedenken gegen das Konzept?

Schmidt: Man muss hier differenzieren. Die KBV und auch die Länder-KVen haben großes Interesse an dem ABDA-KBV-Konzept. Sie sehen, dass wir mit unserer Zusammenarbeit die Versorgung der Patienten verbessern können und gleichzeitig die Gefahr von Regressen deutlich reduzieren können. Vorbehalte gegen die Zusammenarbeit mit den Apothekern gibt es aber anscheinend an der Basis der Ärzteschaft.

 

PZ: Wo liegen die Probleme?

 

Schmidt: An erster Stelle geht es um die Honorierung. Die Ärzte in der Vertreterversammlung der KV Westfalen-Lippe wollten anscheinend das Honorar nicht mit den Apothekern teilen. Sie sagen, Medikationsmanagement sei eine ärztliche Leistung. Deshalb stehe ihnen allein das Geld zu. Auf der anderen Seite ist aber allen Beteiligten, auch den Politikern und den Kassen, klar, dass die Apotheker für ihre Leistung ebenfalls vergütet werden müssen.

 

Darüber hinaus gibt es – wie bei jeder Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Heilberufen – die Schwierigkeit, dass sich die Beteiligten mit einem gleichberechtigten kollegialen Verhältnis der Partner erst einmal schwertun.

 

Es braucht nun vertrauensbildende Maßnahmen. Die ärztliche Basis muss überzeugt werden, dass sie selbst von dem Modell profitiert. Wir dürfen bei Widerständen auch nicht nur von den Ärzten sprechen. Unter den Apothekern gibt es ebenfalls Vorbehalte. Die Bewerber für die Testregion haben bei uns nicht Schlange gestanden. Wir müssen auch noch an der Akzeptanz des Modells in unserem Berufsstand arbeiten.

 

PZ: Ist es denkbar, dass die Vorgaben für die Honorierung noch verändert werden?

 

Schmidt: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Wir haben die Verteilung mit der KBV vereinbart und dabei den für die Beteiligten zu erwartenden Realaufwand zugrunde gelegt. Da gibt es keinen Spielraum und keinen Anlass für Veränderungen.

 

PZ: Wie wirkt sich der angekündigte Rücktritt von KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller auf das Modell aus? Müller war auf Ärzteseite der maßgebliche Motor des Konzeptes.

 

Schmidt: Müller war zweifellos eine zentrale Figur bei der Entwicklung des ABDA-KBV-Konzeptes; für die Arzt-Apotheker-Kooperation hat er sich sehr verdient gemacht. Wenn so jemand von Bord geht, ist das immer kompliziert. Sein Weggang wird unsere Zusammenarbeit aber nicht grundsätzlich infrage stellen. Das Modell ist in der Fachebene der KBV fest verankert. Es gibt dort klare Zuständigkeiten und den festen Willen, das Projekt weiterzuführen.

Außerdem steht der KBV-Vorsitzende Andreas Köhler fest zu dem Modell. Das hat er uns immer wieder persönlich versichert. Insofern mache ich mir keine Gedanken darüber, dass sich die KBV nach Müllers Abschied von dem Modell abkehrt. Weder Kassenärzte noch Apotheker könnten es sich politisch leisten, das Projekt zu kippen, nachdem es mit dem Versorgungsstrukturgesetz in das SGB V aufgenommen wurde.

 

PZ: Wie reagiert die Politik auf die Störungen in der Vorbereitung?

 

Schmidt: Noch kann ich keine wesentlichen Störungen erkennen. Es war aber allen klar, dass die Umsetzung des Modells einer erheblichen Anstrengung bedarf, auch der Politik. Mit der Formulierung des Gesetzes hat die Bundesregierung uns enge Vorgaben gegeben. Wir hätten uns durchaus etwas mehr Flexibilität gewünscht. Trotzdem läuft die Vorbereitung des Modells auf Hochtouren. Wenn sich Politiker über den vermeintlich langsamen Fortschritt beschweren, kann ich das nicht nachvollziehen, wir liegen im Zeitplan.

 

PZ: Wie wichtig ist es Ihnen denn, den Zeitplan einzuhalten?

 

Schmidt: Unser Ziel ist es nach wie vor, zum Jahresbeginn 2013 mit dem Modellversuch nach Paragraf 64a SGB V zu beginnen. An erster Stelle steht dabei die Qualität. Dazu ist es erforderlich, ein lernendes, sich entwickelndes System aufzubauen. Deshalb wird die Umsetzung einem Stufenkonzept folgen. Einzelne Regionen könnten beginnen, weitere werden etwas später folgen. Unser Ziel ist es, dass möglichst schnell möglichst viele Ärzte und Apotheker eine qualitativ hochwertige Umsetzung des Medikationsmanagements beherrschen. Auch die Umsetzung der Wirkstoffverordnung und des Medikationskatalogs muss vorbereitet und begleitet werden. Natürlich stellt das Ärzte und Apotheker und ihre Organisationen vor große Herausforderungen. Wir werden unsere Kollegen aber dabei unterstützen, die erforderlichen Kenntnisse und Fertigkeiten zu erwerben.

 

Für uns geht es in diesem Modell um viel. Das Medikationsmanagement ist die wichtigste Zukunftsaufgabe der Apotheker. Deshalb müssen wir unzweifelhaft belegen, dass diese Leistung in die Regelversorgung der Versicherten gehört und Offizinapotheker zusammen mit den niedergelassenen Ärzten die Richtigen für diese Aufgabe sind.

 

PZ: Wie verhält es sich mit den Krankenkassen? Könnten Sie sich vorstellen, dass auch von diesen nicht alle schon am ersten Tag dabei sind? Es gibt ja auch Kassen, die nicht viel vom ABDA-KBV-Modell halten.

 

Schmidt: Zunächst bleibt die konkrete Reaktion der Kassenverbände auf Landesebene in der Testregion einmal abzuwarten. Es ist nicht nur die Vorgabe des Gesetzgebers, sondern auch unser Wunsch, dass alle Kassen dabei sind. Die Regierung gibt zwar auch die Ausweichmöglichkeit, Kassen über eine Schiedsstellenentscheidung zur Teilnahme zu zwingen. Ich bin mir aber sicher, dass dieser Weg nur der zweitbeste ist. Wir werden daher unvoreingenommen zunächst auf alle Landesverbände der Kassen zugehen. Wenn wir dann mit einer Kassenabdeckung von weniger als 100 Prozent rechnen müssen, werden wir schnell weitere Maßnahmen ergreifen. /

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