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Modellprojekt ARMIN

»Qualität gibt es nicht zum Nulltarif«

20.04.2016
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Von Daniel Rücker, Mallorca / Ab Anfang Juli können sich Patienten erstmals bei ihrem Arzt oder Apotheker für das interdisziplinäre Medikationsmanagement einschreiben. Am Rande des PZ-Managementkongresses auf Mallorca erklärten ABDA-Präsident Friedemann Schmidt und Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbands, warum das Projekt nicht nur fachlich, sondern auch finanziell für die Apotheker so wichtig ist.

PZ: ARMIN ist das Vorzeigeprojekt der deutschen Apotheker für eine bessere Versorgung der Patienten. Wie ist der aktuelle Stand?

 

Fink: Wir stehen kurz vor dem Start der dritten Stufe. Am 28. Juni findet die Pressekonferenz statt. Am 1. Juli ist dann der offizielle Starttermin.

 

PZ: Was sind die Inhalte der dritten Stufe?

 

Fink: Wir steigen in das Medikationsmanagement ein. Patienten können sich bei ihrem Apotheker und ihrem Arzt für diese Dienstleistung einschreiben.

 

PZ: Gibt es für die Patienten ausreichend Ärzte und Apotheker für die Einschreibung?

 

Fink: In Thüringen und Sachsen mache­n jeweils 1000 Apotheker und 500  Ärzte beim Start mit. Das müsste vorerst reichen. Wir setzen aber natürlich darauf, dass mit dem Erfolg der Arzneimittelinitiative noch mehr Ärzt­e und Apotheker mitmachen werden.

 

PZ: Für welchen Zeitraum ist die Projektphase geplant?

 

Fink: Bis Ende 2018. Es kann aber sein, dass wir den Zeitraum noch etwas verlängern, wenn dies einer der Beteiligten wünscht.

 

PZ: Es ist nicht selbstverständlich, dass Ärzte und Apotheker gemeinsam an einem solchen Projekt arbeiten. Was hat den Ausschlag dazu gegeben?

 

Schmidt: Das ist eine Konsequenz aus den regionalen Verhältnissen. In Sachsen und Thüringen gibt es sehr souveräne Persönlichkeiten an der Spitze der ärztlichen Berufsorganisationen. Sie waren an unserem Angebot interessiert. In anderen Ländern haben sich die Ärzte leider etwas schwer getan. In Thüringen und Sachsen ist die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern traditionell gut.

 

PZ: Denken Sie, dass ARMIN im Weste­n nicht funktioniert hätte?

 

Schmidt: Ich glaube schon, dass es in den neuen Ländern und ganz besonders in Thüringen und Sachsen einfacher ist. Da ist Kooperation eine Selbstverständlichkeit.

 

Fink: Die Zusammenarbeit funktioniert auch deshalb so gut, weil die AOK Plus ebenfalls für das Projekt brennt. Die Kasse hat auch schon beim Disease-Management-Programm Diabetes gute Erfahrungen mit den Apothekern gemacht. Wir konnten dazu beitragen, die Arzneimittelkosten zu senken. Das hat sich ausgezahlt.

 

Schmidt: Das stimmt. Es spielt eine große Rolle, dass alle Beteiligten von ARMIN absolut überzeugt sind. Das ist eine glückliche Kombination, die leider nicht selbstverständlich ist.

 

PZ: Dennoch hatte ARMIN Startschwierigkeiten. Es war keine Autobahn ins Glück. Die eine oder andere Bodenwelle musste erst genommen werden. Was waren die größten Hürden?

 

Fink: Ganz klar die Infrastruktur. Es war ein enormer Kosten- und Programmieraufwand und technisch sehr anspruchsvoll, die Apotheken-EDV mit der Praxis-Software und der AOK zu verbinden. Deshalb hat sich auch der Start verzögert.

 

PZ: Bundesweit gibt es neben ARMIN mindestens 15 weitere Projekte zur Arzneimitteltherapiesicherheit. Welchen Grund hat diese große Vielfalt?

Schmidt: Das liegt an der Bedeutung der Arzneimitteltherapiesicherheit. AMTS ist das beherrschende Thema der vergangenen Jahre. Wir haben dazu beigetragen, AMTS-Projekte zu fördern. Die Konsequenz daraus ist nun, dass es in fast allen Bundesländern solche Konzepte gibt. Das ist auch völlig in Ordnung. Es muss aber klar sein, dass die Regeln, nach denen wir ARMIN konzipiert haben, berücksichtigt werden. Es darf keinen Wettlauf zwischen verschiedenen Projekten geben. Wir haben die Verteilung der Aufgaben zwischen Ärzten und Apothekern formuliert und wir haben festgelegt, dass unsere Leistungen zwingend honoriert werden müssen. ARMIN ist der Maßstab, an dem sich alles messen muss. Es ist uns wichtig, dass diese Regeln auch in den anderen Bundesländern umgesetzt werden. Wir haben darauf aber nur begrenzten Einfluss.

 

PZ: Werden Erfahrungen aus Projekten wie Athina, Mediplan oder Apo-AMTS einfließen oder ist ARMIN der Masterplan, der alles dominiert?

 

Fink: Wichtig ist, dass die Pflöcke, die wir in den Boden gerammt haben, nicht aufgeweicht werden. Dazu ge­hören die Arbeitsteilung von Arzt und Apotheker, die hohe Qualität der synergistischen Leistungserbringung und eine hochwertige Fortbildung.

 

PZ: Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass irgendwo in Deutschland Projekte ohne Honorierung für die Apotheker starten. Was machen Sie, wenn Kammern und Verbände eigene Regeln für ihre Projekte aufstellen?

 

Schmidt: Das müssen wir durchstehen. Natürlich werden Kostenträger Druck auf uns ausüben. Sie werden die von uns angebotenen Leistungen zu einem möglichst niedrigen Preis einkaufen wollen. Deshalb ist es wichtig, dass unser Preisanker hält. Wir werden auch keine Dumping-Angebote machen, um schneller in den Markt zu kommen. Wir setzen auf Qualität, die gibt es nicht zum Nulltarif. Ich erwarte, dass dies in den Bundes­ländern genauso gesehen wird.

 

PZ: Gleiche Rahmenbedingungen, gleiche Leistungen und gleiche Preise werden dafür sorgen, dass sich ARMIN und die anderen Projekte während der dritten Stufe immer weiter annähern. Entweder werden diese ARMIN immer ähnlicher und gehen schließlich darin auf, oder sie bleiben bei ihren Regeln. Dann entfernen sie sich immer weiter von ARMIN. Was ist Ihnen lieber?

 

Schmidt: Es kann gut sein, dass wir am Ende eine Reihe regionaler Projekte haben, von denen einige in ARMIN aufgehen und andere, die verschwinden werden. Das wäre aber keine Katastrophe. Es wäre aus meiner Sicht auch kein Problem, wenn es noch eine Weile lang andere Konzepte gibt, die ähnliche Leistungen wie Armin anbieten. Wenn die Grundbedingungen eingehalten werden, ist das nicht schädlich.

 

Fink: Ab dem 1. Januar 2017 können die Kassen mit der AOK über den Beitritt zu ARMIN verhandeln. Im Fokus werden dabei die Kosten stehen. Wenn die Evaluierung von ARMIN deutliche Einsparpotenziale zeigt, dann wird es viele neue Interessenten geben, da bin ich sicher.

 

PZ: ARMIN ist ein langfristiges Konzept. Bis zur Perfektion wird noch einige Zeit vergehen. Wann soll ARMIN Teil der Regelversorgung werden? Könnte die Umsetzung des Perspektivpapiers 2030 der Startschuss für den bundesweiten Regelbetrieb sein?

 

Schmidt: Ich halte das für eine realis­tische Perspektive für einen bundesweiten Roll-out. Wir haben 2010 mit dem ABDA-KBV-Modell begonnen. Zwanzig Jahre sind ein realistischer Zeitraum für eine solche Aufgabe. /

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