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PKV

Gleiche Arzneimittelpreise gefordert

22.02.2011
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Von Ines Landschek, Berlin / Private Krankenversicherer wollen es den gesetzlichen Kassen gleichtun und die Preise für neue Arzneimittel mit den Herstellern aushandeln. Mehr Angleichung soll es aber nicht geben. Den Pharmafirmen geht die Preisforderung zu weit.

»Die Bundesregierung hat sich für die Dualität in der Krankenversicherung ausgesprochen. Damit hat Deutschland als einziges Land zwei Krankenversicherungssysteme, wobei das eine Steuerzuschüsse erhält und das andere Wahlfreiheit verspricht«, sagte Dr. Timm Genett, einer der Geschäftsführer des Verbands der privaten Krankenversicherung auf einer Konferenz zur Gesundheitsreform in Berlin.

Die Dualität lebe vom Unterschied, betonte Timm. Die kapitalgedeckte Private Kranken­ver­sicherung (PKV) gebe eine Antwort auf den demografischen Wandel zu einer alternden Gesellschaft in Deutschland. Die Mitglieder der steuersubventionierten Gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV) könnten sich dagegen nie sicher sein, dass die Politik nicht durch Ratio­nierung in das System eingreife.

 

Analogien und Unterschiede

 

Zwischen den beiden Versicherungssystemen sieht Genett aber auch einen Wettbewerb um Ideen. Als Beispiel nannte er die Pflegever­sicherung. So hätten gesetzlich Versicherte seit Januar 2009 nach § 7a des Pflege-Wei­ter­entwicklungsgesetzes lediglich einen Anspruch auf Pflegeberatung. Die Antwort der PKV hingegen sei das Modell der »aufsuchenden Pflegeberatung«, die das Unternehmen Compass Private Pflegeberatung gewährleiste. Daher sei es falsch, von einer Angleichung der beiden Krankenversicherungssysteme auszugehen. Es gebe Analogien, aber auch handfeste Unterschiede, die, so Genetts Vermutung, sich eher verfestigten.

 

Gleichwohl möchten die Privatversicherer in die Preisverhandlungen für neue Medikamente einbezogen werden. »Es ist keinem Versicherten zu vermitteln, dass für ein und dasselbe Arzneimittel lediglich aufgrund des Versichertenstatus ein höherer Preis zu zahlen ist«, sagte Genett.

 

Reformbedarf sieht die PKV aber auch bei sich selbst. Er beträfe die betriebswirtschaftliche Kalkulation der Praxiskosten und das Arzthonorar. Zuwendung zu den Patienten sollte besser honoriert sein als technische Leistungen aus dem Labor und Röntgen, sagte Genett. Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ist aus seiner Sicht veraltet. Der neue Kurs der PKV sei aber nicht die Angleichung an die GKV, betonte der PKV-Geschäftsführer. Die Private Krankenversicherung werde eine budgetfreie Zone mit leistungsgerechter Vergütung, Generationengerechtigkeit dank Kapitaldeckung sowie freier Arztwahl und Therapiefreiheit bleiben.

 

Keine Preisverhandlungen mit PKV

 

Wie Pharmafirmen die neue Situation durch das Neuordnungsgesetz des Arzneimittelmarktes (AMNOG) beurteilen, erklärte Dr. Frank Thoss vom Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Durch die Beschlüsse der Politik stehe der Markt vor seiner bisher größten Zäsur, da die Kassenerstattungen für innovative Medikamente künftig durch wertbasierte Verhandlungen geprägt sein sollen.

 

Arzneimittelhersteller befänden sich im Spannungsfeld der beiden Krankenversicherungssysteme, sagte VFA-Vertreter. Thoss erteilte dem Motto »Gleicher Preis für gleiche Leistung« in Bezug auf die Arzneimittelpreise beider Versicherungssysteme eine Absage. Er plädierte aber für das Einbeziehen der PKV in die zentralen Rabattverhandlungen. Im Moment sieht das AMNOG für die PKV nur ein Stellungnahmerecht in der Schiedsstelle vor.

 

Thoss beanstandete am AMNOG, dass es den demografischen Faktor bei der Steigerung der Ausgaben zu wenig würdige. Die Kosten erhöhen sich zwar auch durch Innovationen auf dem Arzneimittelmarkt. »Aber kann man den Arzneimittelherstellern zumuten, Arzneiabschläge trotz steigender Morbidität hinzunehmen und dabei ausblenden, dass durch Innovationen in anderen Sektoren, zum Beispiel bei den Krankenhauskosten, viel Geld eingespart werden könne?«, fragte Thoss.

 

Kritik übte Thoss außerdem an der frühe Nutzenbewertung, der neue Arzneimittel unterzogen werden. Es gebe eine gewisse Unsicherheit, valide Aussagen schon im Frühstadium der Nutzenbewertung treffen zu können, erklärte er. /

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