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Pharmaindustrie

Jedes fünfte neue Medikament geht vom Markt

14.12.2016
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Von Daniela Hüttemann / Seit der Einführung der Nutzenbewertung neuer Medikamente haben 141 Arzneimittel das Verfahren durchlaufen. 29 dieser Präparate haben die Hersteller im Laufe des Bewertungsverfahrens oder nach den Preisverhandlungen wieder vom Markt genommen, meldet der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa). Das ist mehr als jedes fünfte neue Arzneimittel.

 

In einigen Fällen bestand kein Bedarf mehr, da sich der Therapiestandard sprunghaft weiterentwickelt hat wie bei den Hepatitis-C-Medikamenten. Meistens kam es laut vfa jedoch zum Streit zwischen den Pharmaunternehmen und den bewertenden Instanzen und Krankenkassen über formale Kriterien, anzuwendende Methoden, die notwendigen Daten und letztlich den Preis, den die Krankenkassen bereit waren zu zahlen. Besonders betroffen sind demnach Diabetes-, Krebs- und neurologische Medikamente, zum Beispiel der SGLT-2-Hemmer Canagliflozin (Invokana®) und das Antiepileptikum Retigabin (Trobalt®).

 

»Durch Marktrücknahmen verlieren Patienten und Ärzte Therapieoptionen – auch solche, die in der Behandlung schwerwiegender Erkrankungen nach den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften Mittel der Wahl sind«, warnte vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer. »Die Kluft zwischen dem, was Ärzte und Fachgesellschaften empfehlen, und dem, was AMNOG-Instanzen für sinnvoll halten, wächst.«

 

Nach Vorgaben des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) muss jedes Medikament mit neuem Wirkstoff seit 2011 eine Nutzenbewertung durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen durchlaufen. Auf deren Basis fällt der G-BA eine Entscheidung über den Zusatznutzen gegenüber bislang verfügbaren Therapien. Danach verhandeln der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung und die Hersteller über den Erstattungspreis. /

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