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Innovationen

Chancen und Kosten

16.09.2015  08:43 Uhr

Von Daniel Rücker, Frankfurt am Main / Arzneimittelhersteller wollen mit ihren Produkten möglichst viel Geld verdienen, Krankenkassen wollen möglichst wenig für Arzneimittel bezahlen. Das gilt auch im Zeitalter des Arzneimittelmarkt-Neuordnungs­gesetzes (AMNOG). Mittlerweile haben beide Seiten offenbar mehr Verständnis füreinander.

Geht es um Arzneimittel, dann geht es immer auch um Geld, das war bei der Jahrestagung des House of Pharma am Dienstag nicht anders. Dort fand eine Diskussionsrunde statt, an der die Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen (vfa), Birgit Fischer, der Chef der DAK-Gesundheit, Professor Herbert Rebscher, Michael von Poncet aus der Janssen-Cilag-Geschäftsführung und Pfizer-Deutschland-Chef Peter Albiez teilnahmen.

Was ist ein fairer Preis für eine Sprunginnovation? Die Frage von ntv-Moderatorin Isabelle Körner blieb bis zum Ende der Diskussion trotz gutgemeinter Erklärungsversuche weitgehend unbeantwortet. Für Rebscher war dies keine Überraschung. »Einen objektiv fairen Preis kann es nicht geben«, sagte er. Ein Preis entstehe aus Angebot, Nachfrage, Nutzen und anderen Faktoren.

 

Im Großen und Ganzen waren sich die Diskutanten gar nicht so uneins. Für alle steht der Nutzen eines Medikaments im Mittelpunkt. Er bestimmt maßgeblich den Wert eines Präparats und damit auch den Preis. Unstrittig war daher auch, dass alle Patienten gleichermaßen vom therapeutischen Fortschritt profitieren sollen. »Innovative Arzneimittel müssen für alle Patienten zugänglich sein«, sagte Rebscher. Auch bei der Bewertung von Sprunginnovationen lagen die Gesprächspartner insgesamt sehr nah beieinander.

 

Neben den klaren Fällen gibt es aber eben auch weniger eindeutige Studienergebnisse. Hier offenbarten sich in der Diskussion unterschiedliche Sichtweisen. »Zu viele Innovationen sind in Wirklichkeit Imitationen«, kritisierte Rebscher. Wenn man gleichzeitig bedenke, dass die Ergebnisse von fast der Hälfte aller angemeldeten Zulassungsstudien nicht veröffentlicht werden, dann lasse dies auch an der Qualität der Arzneimittelforschung zweifeln. Für Rebscher steht fest: »Alle angemeldeten Studien müssen auch veröffentlicht werden, egal wie sie ausgegangen sind.«

 

Vorbehalte

 

Auch wenn Albiez, Fischer und von Poncet die Nutzenbewertung für sinnvoll halten, haben sie Vorbehalte gegen das Instrument. Fischer: »Mit der Nutzenbewertung will der Gesetzgeber sicherstellen, dass innovative Arzneimittel schnell zum Patienten kommen.« Tatsächlich gehe es aber nicht um den Nutzen, sondern um Preise. Die vfa-Hauptgeschäftsführerin forderte deshalb eine Trennung der Nutzen- von der Kostenbewertung. Generell sind die Pharmaunternehmen unzufrieden mit der öffentlichen Sicht auf Arzneimittel. Albiez: »Es ist falsch, bei einem neuen Arzneimittel immer erst auf die Kosten zu blicken. Wir sollten zuerst über die Chancen sprechen, die es bietet.«

 

Im Vergleich zu ähnlich besetzte Diskussionen im AMNOG-Zeitalter büßte die Veranstaltung im House of Pharma erheblich an Schärfe ein. Die Feindbilder scheinen sich langsam zu verlieren. So forderten Rebscher und Fischer für die Zukunft bei der Versorgungs- und der Wirkstoffforschung eine stärkere Zusammenarbeit von öffentlichen Institutionen inklusive der Krankenkassen und privaten Unternehmen. /

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