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Diarrhöen

Unterschiedliche Ursachen

12.02.2013
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Von harmlos bis infektiös, entzündlich oder gar tödlich – Durchfallerkrankungen decken ein weites Spektrum ab. Ein zunehmendes Problem der letzten Jahre stellen Infektionen mit Clostridium difficile dar.

»So banal es auch klingen mag: Die wichtigste therapeutische Maßnahme bei einer akuten infektiösen Diarrhö ist und bleibt der Ersatz von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten«, sagte Privatdozent Dr. Hans-Jörg Epple, Berlin. Er verwies auf die Bedeutung der WHO-Lösung aus 3,5 Gramm Natriumchlorid, 2,9 Gramm Natriumcitrat, 1,5 Gramm Kaliumchlorid und 20 Gramm Glucose auf 1 Liter Wasser.

Diese habe schon tausenden Menschen das Leben gerettet. Wie auch bei der »Alternativ-Rezeptur« aus einem viertel Teelöffel Kochsalz, zwei Esslöffeln Zucker oder Honig und einem viertel Teelöffel Backpulver, die man auch als Laie im Notfall selbst herstellen könne, sei Glucose als Bestandteil wichtig, da die Aktivität des intestinalen Natrium-Glucose-Kotransporters auch bei ausgeprägter Enteritis erhalten ist und somit zur Natrium- und Wasseraufnahme genutzt werden kann. Motilitätshemmer sind laut Epple lediglich in Ausnahmefällen bei nicht entzündlicher Diarrhö angezeigt.

 

Insbesondere bei leichtem Krankheitsverlauf müsse kritisch geprüft werden, ob eine Indikation zur Antibiotikatherapie bestehe, da deren Effektivität fraglich ist. Bei schwerem Verlauf, Verdacht auf bakterielle Ursache, signifikanter Komorbididtät oder Immun­supression kommen in Kenntnis der lokalen epidemiologischen Situation häufig Breitband-Fluorchinolone zum Einsatz. Epple verwies auf die zunehmende Chinolonresistenz von Campylo­bacter-Subspezies als zwischenzeitlich häufigste bakterielle Enteritis-Erreger. Alternativ kämen das Makrolid-Antibiotikum Azithromycin, Aminopenicilline oder Cephalosporine der Gruppe 3 beziehungsweise bei lokal geringer Sulfon­amidresistenz auch Cotrimoxazol zum Einsatz.

 

Durchfall durch Clostridien

 

Erste Maßnahme bei der Therapie der stark zunehmenden, durch Antibiotika induzierten Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö als Durchfall-Erkrankung mit hohem Letalitätsgrad ist das Absetzen des auslösenden Antibiotikums. Motilitätshemmer sollten hier grundsätzlich gemieden werden, da sie einen schweren Verlauf begünstigen. In der Therapie von Clostridium-difficile-Infektionen kommen bei mildem beziehungsweise schwerem Verlauf Metronidazol beziehungsweise Vancomycin zum Einsatz. Dabei sei zu beachten, dass Letzteres ausschließlich bei enteraler Applikation wirkt, während Metronidazol auch parenteral verabreicht werden kann. Als »sehr interessantes neues Antibiotikum« und möglichen »neuen Goldstandard« hob Epple das makrozyklische Antibiotikum Fidaxomicin hervor, das seit Januar in Deutschland im Handel ist.

 

Als Therapieoptionen bei rezidivierenden Clostridium-difficile-Infektionen hob der Gastroenterologe die auschleichende/intermittierende Vancomycintherapie, den Einsatz von Rifaximin sowie die »wenn auch ästhetisch fragwürdige, so doch effektive« Stuhltransplantation (Intestinal Mikrobiota Transplantation) hervor, die gemäß kürzlich publizierter Studien zur Symptomfreiheit führen und somit als »Erfolgsstory« bezeichnet werden könne.

 

Weitere Abgrenzung

 

Nicht nur die klinische Unterteilung in akute, persistierende und chronische Diarrhö, sondern insbesondere die Abgrenzung der entzündlichen von der nicht-entzündlichen Diarrhö sei sinnvoll. Während die entzündliche Diarrhö mit abdominellen Krämpfen, Fieber, Blut und Leukozytenmarkern im Stuhl einhergehen kann, ist die nicht-entzündliche Form von wässriger Diarrhö ohne Beimengung von Blut, Leukozytenmarkern und Schleim geprägt. Auch verläuft die entzündliche infektiöse Diarrhö, die zumeist durch enteropathogene Bakterien oder Protozoen hervorgerufen wird, schwerer, spricht jedoch auf Erreger-spezifische Therapien an.

 

In Deutschland kann Prophylaxe insbesondere durch Beachtung von Hygieneregeln im Umgang mit potenziell kontaminierten Nahrungsmitteln betrieben werden. Dazu gehören eine lückenlose Kühlkette, Händewaschen, Durchgaren von Fleisch, Meidung von Kreuz-Kontamination durch Messer und Schneidebrettchen sowie Desinfektion. Bei durch Aerosole übertragenen Infektionen mit Noro- und Rota­viren, so Epple, muss zur Vermeidung von Tröpfchen-Übertragung ein Mund- und Nasenschutz getragen werden.

 

Während infektiöse Diarrhöen in Entwicklungsländern zumeist auf Bakterien zurückgeführt werden können, sind die häufigsten Durchfallerreger in der Bundesrepublik Viren. Verläuft die überwiegende Mehrzahl der Infektionen in Entwicklungsländern insbesondere bei Kindern häufig letal, so gilt die infektiöse Diarrhö in Deutschland als meist mildes, selbstlimitierendes Krankheitsbild mit insgesamt geringer Mortalität.

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