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Nicht klein beigeben

04.01.2011
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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

ohne Zweifel: Wir alle hätten uns einen entspannteren Start in das Jahr 2011 vorstellen können. Das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) ist in Kraft getreten. Wir haben in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres nach Kräften gegen die Pläne der Bundesregierung gekämpft. Das Ergebnis hat uns alle enttäuscht. Das ist bedauerlich, denn viele Menschen haben sich dafür eingesetzt, dass die Politik ihre Versprechen einhält. Interessenvertretung, das ist nicht nur die ABDA, sondern das sind viele ehren- und amtliche Personen auf lokaler Ebene, in den Ländern und im Bund. Sie alle sind an Bord, wenn es darum geht, mit guten Argumenten zu überzeugen. Diese Überzeugungsarbeit war nicht erfolgreich genug.

 

Und so belastet das AMNOG uns Apotheker unter anderem mit einem höheren Zwangsabschlag zugunsten der Krankenkassen. Das Gefühl, unter die Räder gekommen zu sein, setzt sich am Jahresanfang fort. Das Verhalten einiger Krankenkassen und ihrer Funktionäre mit Blick auf die sogenannte Mehrkostenregelung des Gesetzgebers oder die teilweise von Herstellern induzierten Probleme in der Apotheken-EDV sind nicht gerade hilfreich, die Schmerzen des AMNOG zu lindern. Im Gegenteil.

 

Umso wichtiger wird es sein, sich nicht damit abzufinden, dass uns Krankenkassen-Bosse zu Profiteuren erklären, Politiker uns und unsere Argumente geflissentlich übersehen oder wir einfach kurzerhand und reichlich frustriert denjenigen das Feld überlassen, die von Übersee oder woher auch immer kommen, um mit ihren vermeintlich vorzüglichen Modellen das System der Arzneimittelversorgung zu revolutionieren.

 

Denn Revolutionen werden verklärt. Revolutionen verfolgen nicht immer hehre Ziele. Fakten werden im Handstreich geschaffen, der Ist-Zustand soll einfach nur durch einen anderen, einen neuen, vermeintlich besseren Zustand ersetzt werden. Viele Versprechungen werden besonders in solchen Zeiten gemacht, in denen es angeblich schlecht geht.

 

Umso wichtiger wird es für uns aber sein, sich unserer eigenen Rolle, unserer Funktion, unserer Leistung sicher zu sein. Das AMNOG werden wir nicht ungeschehen machen können. Aber wir sollten nicht klein beigeben, wenn wir nun erneut politisch, von Krankenkassen oder vermeintlichen Marktpartnern übervorteilt werden sollen.

 

Die meisten Apotheken verstehen unsere klare berufsständische Positionierung durchaus, insbesondere mit Blick auf die Rolle beispielsweise der pharmazeutischen Großhändler. Wir werden heftig aus deren Reihen für diese klare Ansage kritisiert. Das halten wir aus. Denn es muss klar sein, dass eine hochwertige Arzneimittelversorgung nur mit hoher pharmazeutischer Qualität und persönlicher Verantwortung möglich ist. Während Ungarn aus gutem Grund Apothekenketten wieder verbietet, denkt mancher Konzern noch immer nach, wie er seine eigentlichen Ziele erreichen kann.

 

Wir alle sollten klar unterscheiden zwischen Logistik und pharmazeutischer Leistung. Letztere ist nicht austauschbar. Unsere heilberufliche Kompetenz bringt die Menschen dazu, in unsere Apotheken zu kommen. Wir werden uns 2011 mehr denn je dafür einsetzen, dass dies wahrnehmbar ist – für die Politik, in den Medien und ganz besonders für unsere Patienten.

 

Alles Gute für 2011.

 

Heinz-Günter Wolf

Präsident der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände

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