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ARZNEISTOFFE

Tibolon|Liviella®|46|1999

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STOFFGRUPPE
46 Gynäkologika
WIRKSTOFF
Tibolon
FERTIGARZNEIMITTEL
Liviella®
HERSTELLER

MSD

MARKTEINFÜHRUNG (D)
03/1999
DARREICHUNGSFORM

2,5 mg Tabletten

Indikationen

Liviella ist zugelassen zur Behandlung klimakterischer Beschwerden bei postmenopausalen Frauen, bei denen die Menopause mindestens ein Jahr zurückliegt.

Wirkmechanismus

Tibolon unterscheidet sich von anderen synthetische Steroiden. Das 19-Nortestoteron-Derivat, das dem Norethisteron strukturell ähnelt, besitzt estrogene und androgen-anabole Eigenschaften.

 

Nach peroraler Einnahme wird es rasch zu drei aktiven Metaboliten verstoffwechselt: 3-α- und 3-β-Hydroxytibolon, die vorwiegend estrogen wirken, und δ-4-Tibolon, das gestagene und androgene Eigenschaften besitzt. Mit diesen Eigenschaften eignet sich Tibolon als Folgetherapie der zunächst sequenziellen Therapie im Klimakterium oder in der frühen Menopause und als Ersttherapie bei bereits postmenopausalen Patientinnen ohne Hormonerfahrung oder bei Kontraindikationen für Estrogentherapien.

 

Auch am Knochen wirken Tibolon und seine Hydroxy-Metaboliten estrogen. Der Anstieg der Knochendichte, vergleichbar mit einer Estrogen-Therapie, wird auf die Hemmung der Knochenresorption zurückgeführt. Für die Osteoporose-Prophylaxe und -Therapie ist Tibolon allerdings nicht zugelassen. Unter der Tibolon-Therapie sinken die Serumspiegel der Triglyceride, des Lipoproteins Lp(a) und des HDL-Cholersterols.

 

Ob die HDL-Senkung dessen kardiovaskuläre Schutzfunktion verschlechtert, ist bisher nicht bekannt. Möglicherweise senkt Tibolon die HDL-Spiegel durch Hochregulation eines Rezeptors, der die selektive Aufnahme von Cholesterol aus HDL in die Hepatozyten, Nebennieren-, Ovarien- und Testes-Zellen vermittelt. Tibolon zeigt fibrinolytische Aktivität, sodass eine Wirkungsverstärkung von Antikoagulanzien denkbar ist.

Anwendungsweise und -hinweise

Zwischen der letzten Regelblutung und dem Behandlungsbeginn mit Tibolon sollten mindestens 12 Monate vergehen, da ansonsten häufiger Blutungen auftreten können.

 

Die Frauen nehmen täglich eine Tablette Liviella mit 2,5 mg Tibolon mit etwas Wasser oder einem anderen Getränk ein. Die Einnahme sollte stets zu derselben Uhrzeit erfolgen.

 

Wurde eine Dosis vergessen, sollte diese schnellstmöglich nachgeholt werden, außer wenn die Einnahme bereits mehr als 12 Stunden überfällig ist. In diesem Fall sollte die vergessene Dosis nicht nachgeholt werden. Das Vergessen einer Dosis kann die Wahrscheinlichkeit für eine Durchbruchblutung oder Schmierblutung erhöhen.

Wichtige Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von Liviella mit Antikoagulanzien sollte unter Vorsicht erfolgen. Gegebenenfalls muss die Dosis von Warfarin angepasst werden.

 

Es gibt begrenzte Hinweise darauf, dass es durch Tibolon zu Wechselwirkungen mit CYP3A4-Substraten kommen kann. Wechselwirkungen sind außerdem mit CYP3A4-Induktoren wie Barbituraten, Carbamazepin oder Johanniskraut möglich.

Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Tibolon in Studien gehören unter anderem Unterbauchschmerzen, abnormales Haarwachstum sowie Ausfluss, Brustspannen oder postmenopausale Blutungen. Nach der Markeinführung wurden weitere Nebenwirkungen beobachtet. Dazu gehören unter anderem Schwindel, seborrhoische Dermatitis oder Sehstörungen.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

In der Schwangerschaft und Stillzeit ist Liviella kontraindiziert. Auch bei bestehendem oder frühere Brustkrebs sowie bei einem Verdacht darauf darf es nicht eingenommen werden, da Liviella in einer placebokontrollierten Studie das Risiko eines Wiederauftretens der Brustkrebserkrankung erhöhte.

 

Nicht angewendet werden darf es außerdem bei Patienten mit bestehendem estrogenabhängigen malignen Tumor beziehungsweise einem entsprechenden Verdacht darauf (vor allem Endometriumkarzinom), nicht geklärter Genital-Blutung oder unbehandelter Endometriumhyperplasie.

 

Liviella ist außerdem kontraindiziert bei früheren oder bestehenden venösen thromboembolischen Erkrankungen (vor allem tiefer Venenthrombose, Lungenembolie), bekannten thrombophilen Erkrankungen (zum Beispiel Protein-C-, Protein-S- oder Antithrombin-Mangel), jeglicher bestehender oder zurückliegender arterieller thromboembolischer Erkrankung (vor allem Angina pectoris, Myokardinfarkt, Schlaganfall, transitorische ischämische Attacke).

 

Auch bei Patienten mit akuter Lebererkrankung oder zurückliegende Lebererkrankungen, solange sich die relevanten Leberenzym-Werte nicht normalisiert haben, sowie Porphyrie darf Liviella nicht angewendet werden.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

In klinischen Studien reduzierte Tibolon in einer Dosierung von 2,5 mg täglich klimakterische Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Urogenitalatrophien ebenso effektiv wie die «klassische» Kombination von 2 mg 17β-Estradiol und 1 mg Norethisteronacetat. Die Vorteile der «Monotherapie»: keine Stimulation des Endometriums, deshalb keine Notwendigkeit des regelmäßigen Auslösens von Abbruchblutungen, um 50 Prozent geringere Rate an Durchbruch- und Schmierblutungen und signifikant weniger Brustschmerzen.

Besonderheiten

Liviella ist bei Temperaturen nicht über 25 °C sowie vor Licht und Feuchtigkeit geschützt (Umkarton) aufzubewahren.

Liviella ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Tibolon

Tibolon

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

tibolon.wrl

Weitere Hinweise

Während der Schwangerschaft und Stillzeit ist Liviella kontraindiziert.

Kommt es unter der Behandlung mit Liviella zu einer Schwangerschaft, muss die Therapie unverzüglich unterbrochen werden.

Letzte Aktualisierung: 16.11.2017