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Schleswig-Holstein

Apotheker suchen nach konzertierter Lösung

Der disruptive Prozess der Digitalisierung im Gesundheits- und Apothekenwesen ist radikaler als erwartet. »Wer das nicht sieht, ist naiv«: Das machte der LAV-Vorsitzende Peter Froese auf der Mitgliederversammlung des Apothekerverbands Schleswig-Holstein am Samstag in Kiel deutlich.
Christiane Berg
28.10.2019
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Die Apotheker, so Froese, müssen darauf achten, dass mit den Rezeptdaten der Patienten zukünftig »kein Schindluder« betrieben wird. Die Patienten müssten die absolute Hoheit über ihre Daten behalten. Daher begrüßt der LAV-Vorsitzende die Tatsache, dass der Deutsche Apothekerverband (DAV) als einer der federführenden Gesellschafter der Gematik zeitgleich mit der Entwicklung des E-Rezepts die Entwicklung einer exklusiven Apotheken-App vorantreibt.

Die neutrale, wettbewerbs- und diskriminierungsfreie Web-App der deutschen Apothekerschaft, die zukünftig über die gleichermaßen im Aufbau befindliche Telematik-Infrastruktur transportiert werden soll, werde es Patienten ermöglichen, E-Rezepte vom Arzt entgegenzunehmen, einzusehen und bei der Apotheke ihres Vertrauens einzureichen. Sie soll Froese zufolge gewährleisten, dass diese dabei nicht gesteuert oder beeinflusst werden, sondern ihr Recht auf freie Apothekenwahl wahrnehmen können – ohne Werbung, Datensammlung oder Vorteilsgewährung. Dabei sei auch an Verordnungen im Rahmen telemedizinischer Sprechstunden gedacht. »Die Patientensouveränität ist ein hohes Gut, das gegebenenfalls auch gesetzlich und staatlich geschützt werden muss«, konstatierte Froese.

»Erst der Mensch, dann das Digitale«, so laute die oberste heilberufliche Prämisse, die trotz aller zukunftsweisenden Entwicklungen auf dem IT-Sektor gewährleistet sein muss. Dabei liege die große Chance der Apotheker in ihrer Fähigkeit zur Empathie, sozialen Kompetenz und menschlichen Zuwendung, die weiter auszubauen sei.

»Angesichts der IT-Entwicklungen müssen wir alle Prozesse neu denken und Fakten schaffen«: Vor diesem Hintergrund sei auch die Mitwirkung des Landesapothekerverbands am »Telepakt Schleswig-Holstein« zu verstehen. Die im Koalitionsvertrag angelegte Digitalstrategie müsse entsprechend mit Leben gefüllt werden. Auch im Rahmen dieses Modellprojekts, so Froese, soll die sich sicher und konsequent am Nutzer orientierende DAV-App zum Einsatz kommen.

Froese zufolge haben der Vorstand und die Delegiertenversammlung des LAV auf ihrer gemeinsamen Sitzung am 18. September 2019 in Kiel das »Digitalmanifest der Apotheker Schleswig-Holsteins« verabschiede. Damit verdeutliche die schleswig-holsteinische Apothekerschaft ebenfalls, dass alle digitalen Anwendungen rund um die Arzneimittelversorgung konsequent am Nutzen für die Gesundheit der Patienten auszurichten sind. »Tools und sonstige IT-Instrumente«, so Froese, können und dürfen lediglich Hilfsmittel sein.

»Menschlichkeit in einer technischen Welt« sei eines der Leitziele, die in der Grundsatzerklärung aufgeführt werden. »Elektronische Geräte und Daten heilen nicht. Erst die helfende Hand und das verständnisvolle Wort machen aus Daten für Menschen nützlich heilendes Handeln«, heißt es im Manifest.

Digitalisierung schreitet rasant voran

Die Grundsätze dieses Manifests begrüßt auch der Vorsitzende der Geschäftsführung des Wort & Bild-Verlages, Andreas Arntzen. Zwischen hehren gedanklichen Ansätzen und ihrer Umsetzung in die Praxis liege allerdings ein langer und steiniger Weg. Dieser lasse sich angesichts der voranschreitenden Digitalisierung nur gemeinsam mit geeigneten Marktpartnern bewältigen, so Arntzen.

»Viele gute Ideen scheitern, weil sie schlecht angegangen werden«, sagte der Gründer mehrerer Digitalfirmen wie zum Beispiel des online-dating-portals »Parship« oder »radio.de». Arntzen betonte, dass er seit Übernahme seiner neuen Funktion als Chief Exekutive Officier (CEO) des Wort & Bild Verlages einschließlich des Flagschiffs »Apotheken-Umschau« im März 2016 ständig neue Produkte, Services und Dienstleistungen zur Förderung der eigenen Marken und somit auch neue Synergien und »win-win«-Strategien anstrebe.

Zusammen mit den gleichberechtigten Partnern BD Rowa, Gehe Pharma, Noventi und Sanacorp bei der Initiative »Pro AvO« , sei es dem Wort & Bild Verlag ein generelles Anliegen, die Stellung der Apotheke vor Ort zu sichern. Da die Apotheken zugleich Kunden der Gründungsgesellschafter der ProAvO sind, sichere die Stärkung ihrer Rolle unmittelbar auch das Geschäft der Initiatoren,betonte Arntzen.

»Wollen die Apotheken im wachsenden digitalen Markt bestehen, so brauchen sie konzertierte Aktionen mit Partnern, die das gleiche Ziel vor Augen haben wie sie.« Es gäbe viele Schnittstellen und Potenziale.

»Die Digitalisierung hat rasant an Fahrt aufgenommen.  Es bleibt uns nur, mitzumachen und zu gestalten oder zu verlieren«, warnte der Betriebswirtschaftler. »Dabei müssen wir die Bedürfnisse des Endverbrauchers spiegeln. Wenn wir es nicht tun, machen es andere.«

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