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PZ-Umfrage

Apotheken rechnen den Botendienst oft nicht ab

Seit einigen Monaten dürfen Offizinen den Botendienst mit gesetzlichen und privaten Krankenversicherern abrechnen. Doch weil manche Apotheken Ärger wittern, verzichten sie darauf. Das hat eine Umfrage des Informationsdienstleisters Marpinion im Auftrag der PZ ergeben.
Jennifer Evans
18.08.2020  15:30 Uhr

Gut 36 Prozent der Apothekeninhaber befürchten bei der Abbrechung des Botendiensts Probleme mit den Kassen oder den privaten Versicherern. Bei den Apothekern sind es immerhin mehr als 26 Prozent. Etwas weniger Sorgen, dass es bei der Erstattung zu Schwierigkeiten kommt, haben mit knapp 21 Prozent die pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA). Das geht aus der repräsentativen Online-Umfrage im Auftrag der PZ hervor. Insgesamt haben daran rund 2300 Personen teilgenommen. Hintergrund ist die neue Vergütung des Botendienstes, die das Bundesgesundheitsministerium (BMG) im Zuge der SARS-CoV-2-Arzneimittelversorgungsverordnung zunächst befristet bis Ende September 2020 eingeführt hatte.

Um den Ärger mit gesetzlichen und privaten Krankenversicheren zu umgehen, haben einige Apotheken in den vergangenen Monaten sogar darauf verzichtet, den Botendienst überhaupt in Rechnung zu stellen. Das gaben mehr als die Hälfte jener Inhaber an, die bereits im Vorfeld Befürchtungen hatten. Gut 40 Prozent der befragten Apotheker und mehr als 35 Prozent der PTA ging es genauso und sie haben in der Vergangenheit aus diesem Grund bereits einmal von der Abrechnung der Leistung abgesehen.

Auf die Frage, ob die Erstattung des Botendiensts ihrer Erfahrung nach mit der privaten Krankenversicherung reibungsloser läuft als bei den Kassen, antworteten knapp 45 Prozent aller befragten Inhaber mit Nein. Dem stimmten rund 29 Prozent der Apotheker und 21 Prozent der PTA zu.

Die meisten Apotheken wollen Botendienst ausweiten

Derzeit plant der Gesetzgeber, den Apotheken in Zukunft dauerhaft Geld für den Botendienst zu geben. In den Formulierungshilfen zum geplanten Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) ist aktuell von 2,50 Euro die Rede. Die ABDA fordert in ihrer Stellungnahme allerdings 5 Euro pro Lieferort und Tag. Letztere Summe halten sowohl rund drei Viertel der Apotheker als auch der PTA für angemessen. Bei den Inhabern sind es mit gut 83 Prozent etwas mehr.

Grundsätzlich können sich fast 80 Prozent der Inhaber gut vorstellen, dass ihre Apotheke in Zukunft mehr Botendienste übernimmt. Auch weit mehr als die Hälfte der Apotheker (61,5 Prozent) und der PTA (fast 56 Prozent) befürworten, wenn ihre Offizin künftig häufiger Arzneimittel per Bote ausliefert.

Diesen Service an externe Dienstleister auszulagern, kommt allerdings nur für wenige der Umfrageteilnehmer in Frage. Ein entsprechendes Modell hatte kürzlich die Apothekergenossenschaft Noweda vorgestellt und damit eine Diskussion entfacht, ob das Vorhaben mit der Apothekenbetriebsordnung vereinbar ist. Laut Umfrageergebnissen sprachen sich allerdings 72 Prozent der Inhaber und gut 67 Prozent der Apotheker deutlich dagegen aus, ein solches externes Angebot künftig in Anspruch nehmen zu wollen.

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