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Rezidivierende Harnwegsinfekte

Alternativen zu Antibiotika

Bei gar nicht so wenigen Frauen kehren Harnwegsinfektionen ständig wieder. Der Wunsch ist groß, den Infekt ohne Arztbesuch und Antibiotikatherapie wieder loszuwerden. Welche Maßnahmen können Apotheker empfehlen?
Elke Wolf
28.07.2022  09:30 Uhr

Bakterielle Harnwegsinfekte sind vor allem ein weibliches Problem: Mehr als die Hälfte aller Frauen zieht sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine solche Infektion zu. Auch wenn die Spontanheilungsrate mit 30 bis 50 Prozent bei unkomplizierten Verläufen hoch ist, können die Symptome wie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, häufiges Wasserlassen und Harndrang belastend sein. Erst recht, wenn es sich um rezidivierende Zystitiden handelt. Das ist definitionsgemäß der Fall, wenn mindestens zwei Episoden innerhalb eines halben Jahres oder mindestens drei in zwölf Monaten der Frau zu schaffen machen.

Die derzeit in Überarbeitung befindliche S3-Leitlinie »Unkomplizierte und ambulant erworbene Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen« zeigt deutlich: Oft geht es auch ohne Antibiotikum. Bei der Wahl der Behandlung ist laut Leitlinienautoren der Wunsch der Betroffenen zu berücksichtigen. Im Beratungsgespräch ist zu vermitteln, dass der Verzicht auf das Antibiotikum in der Regel mit stärkeren Symptomen einhergeht und das Risiko für Komplikationen erhöht ist. Klagt die Patientin bereits über Symptome wie Fieber oder Flankenschmerzen, ist der Gang zum Arzt Pflicht.

PTA und Apotheker können zusammen mit der Patientin nach möglichen Ursachen für den Blasen-Dauerbrenner suchen. Verhütet sie mit einem Diaphragma und einem spermizidhaltigen Mittel? Diese Methoden erhöhen leitliniengemäß das Risiko für die klassische unkomplizierte Blasenentzündung. Möglicherweise hilft es, ein anderes Mittel zum Empfängnisschutz zu wählen. Frauen, die häufig nach dem Geschlechtsverkehr Harnwegsinfekte entwickeln, wird oft die Blasenentleerung »danach« empfohlen. Die Leitlinienautoren sprechen dazu aber von widersprüchlichen Daten. Verlässlich wirkt dagegen die Einmalgabe eines Antibiotikums wie Pivmecillinam direkt nach dem Geschlechtsverkehr. Bei der Kurzzeitanwendung sind keine Resistenzen zu erwarten.

Relativ zuverlässig senkt eine vaginale Estrogen-Therapie (0,5mg/Tag) bei Frauen in der Postmenopause die Infektrate. Durch den klimakteriumsbedingten Hormonabfall ist der vaginale pH-Wert erhöht und Escherichia coli und andere Krankheitserreger können sich leichter ansiedeln. Ob die Anwendung auch jüngeren Patientinnen hilft, ist unklar.

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